Management

Welche Zahlen sind eigentlich nötig?

Banken und Kapitalmarkt zwingen Unternehmern ein Berichtswesen auf, das in immer kürzeren Rhythmen immer detailliertere Rechenschaft über Sachverhalte abverlangt, die zur operativen Steuerung des Unternehmens gar nicht notwendig sind. So wird Reporting zunehmend zum zeitraubenden Selbstzweck. Immer mehr Spitzenmanager zweifeln am Nutzen des Reportings – und suchen nach Wegen, der Datenflut Sinn abzugewinnen. Von Piotr Dobrowolski

Ratlosigkeit: Trotz immer größerer Datenmenge nimmt der Informationsgehalt ab.

Dass Geschäftsberichte in ihrer äußeren Gestaltung bisweilen völlig überfrachtet daherkommen, gibt Raidl indessen gern zu. „Viele Firmen nützen das halt als PR-Maßnahme. Das ist ja auch legitim. Bei manchen Geschäftsberichten denke ich mir allerdings schon, dass da die Verpackung teurer ist als der Inhalt.“
 
Formale Muss-Berichte bleiben ungenutzt
 
Den Vorwurf, dass Reporting für viele Unternehmen aufgrund von verschärften Vorschriften zum Zeit- und Ressourcenkiller wird, kann Raidl hingegen nicht teilen. „Ich weiß: da wird viel gejammert, aber ich glaube nicht, dass das im Vergleich zu früher um so viel mehr Aufwand ist. Und abgesehen davon braucht man die Zahlen so oder so, um ein Unternehmen zu führen.“
 
In dieser Allgemeinheit würden der Aussage wohl viele zustimmen. Fragt man bei einzelnen Managern allerdings nach, wie viel von den in Berichten gelieferten Zahlen sie auch tatsächlich zur Steuerung ihrer Firmen brauchen, ergibt sich ein anderes Bild.
 
„Sobald ich die Kennzahlen nicht mehr im Kopf behalten kann und sie auf Papier haben muss, sollte ich mich fragen, ob es nicht zu viele sind“, sagt etwa Norbert Zimmermann. Und fordert daher, ganz Firmenlenker der alten Schule: „Die wenigen Zahlen, die ich brauche, sollte ich so parat haben, dass ich mit ihrer Hilfe gleich nach dem Aufwachen und noch vor dem Frühstück sagen kann, wie es meiner Firma gerade geht.“
 
„Wissen Sie, ich bin ohnehin eher ein Bauchmensch“, antwortet auf die Frage nach den nötigen Kennzahlen der Eigentümer und Aufsichtsratsvorsitzende des Entsorgerriesen Saubermacher, Hans Roth. Roth gesteht zwar, „mit dem Reporting an sich kein Problem zu haben“, fügt aber hinzu, dass „natürlich kein Unternehmer etwas dagegen hätte, wenn man die gesetzlichen Rahmenbedingungen vereinfachen würde“. Bei einer Unternehmensgruppe aus 70 Firmen, wie es bei Saubermacher der Fall ist, würden sich die Parameter, die man für Entscheidungen braucht, außerdem oft so schnell ändern, dass man diese Dynamik selbst beim besten Willen nicht so leicht in Zahlen gießen könne.
 
Was ist nötig zur operativen Führung?
 
Auch Jochen Pildner-Steinburg vom Grazer Anlagenbauer GAW kann auf die Frage nach den für die operative Unternehmensführung nötigen Zahlen nur milde lächeln: „Da fragen Sie einen alten Fuchs. Soll ich es Ihnen wirklich sagen? Fünf, maximal zehn, mehr brauche ich normalerweise nicht. Aber natürlich gibt es auch Leute, die sich hunderte von Zahlen berichten lassen.“
 
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