Management

Schaffen klare Regeln Transparenz?

Banken und Kapitalmarkt zwingen Unternehmern ein Berichtswesen auf, das in immer kürzeren Rhythmen immer detailliertere Rechenschaft über Sachverhalte abverlangt, die zur operativen Steuerung des Unternehmens gar nicht notwendig sind. So wird Reporting zunehmend zum zeitraubenden Selbstzweck. Immer mehr Spitzenmanager zweifeln am Nutzen des Reportings – und suchen nach Wegen, der Datenflut Sinn abzugewinnen. Von Piotr Dobrowolski

Ähnlich sieht es auch Berndorf-Aufsichtsratschef Zimmermann: „Wichtiger als Reporting ist die Unternehmenskultur. Wenn ich als Aufsichtsrat oder Eigentümer nahe genug an den Leuten bin, die die Entscheidungen treffen, ist die Gefahr deutlich geringer, dass etwas passiert, und keiner kommt drauf. Dann brauche ich auch nicht tausende Reports.“
 
Schaffen klare Regeln Transparenz?
 
Eine völlige Absage an die Dokumentaton des eigenen Tuns möchten freilich weder Zimmermann noch Pildner-Steinburg postulieren: „Natürlich gibt es Bereiche, wo Reports unverzichtbar sind“, sagt Pildner-Steinburg, „etwa wenn es um Sicherheit oder Qualität geht. Ich habe aber ganz massiv den Eindruck, dass Unternehmen heute immer mehr Zeit mit Reporting verbringen müssen, ohne dass es den gewünschten Output bringt. Das nimmt komplett überhand.“
 
Dieser Analyse wird eher selten, gelegentlich aber doch widersprochen. Peter Fleischer, Leiter der Investor Relations bei der voestalpine und somit mit Reports immer wieder beschäftigt, merkt jedenfalls an: „Ich kann die Einschätzung, das Reportingwesen habe generell in den letzten fünf Jahren an Umfang und Komplexität zugenommen, so nicht teilen.“ Was sich allerdings geändert habe, sei die Art der Daten, die nachgefragt werden.
 
Der Nutzen, den sich Befürworter von möglichst strengen Reportingregeln erhoffen, besteht in Transparenz und Risikominimierung. Claus Raidl, lange Jahre Vorstandsvorsitzender von Böhler-Uddeholm, heute Präsident der Oesterreichischen Nationalbank, sieht die verschärften Reportanforderungen an Unternehmen daher positiv: „Ich würde mir wünschen, dass auch Unternehmen, die nicht an der Börse notieren, sich an den Corporate-Governance-Kodex halten. Auch in deren Berichten wäre Offenheit wünschenswert. Schließlich verwalten Firmenvorstände in aller Regel fremdes Geld. Insofern erscheint es mir nicht übertrieben, hier möglichst große Transparenz zu fördern.“
 
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