Management

Kapitalmarkt treibt Berichtswesen

Banken und Kapitalmarkt zwingen Unternehmern ein Berichtswesen auf, das in immer kürzeren Rhythmen immer detailliertere Rechenschaft über Sachverhalte abverlangt, die zur operativen Steuerung des Unternehmens gar nicht notwendig sind. So wird Reporting zunehmend zum zeitraubenden Selbstzweck. Immer mehr Spitzenmanager zweifeln am Nutzen des Reportings – und suchen nach Wegen, der Datenflut Sinn abzugewinnen. Von Piotr Dobrowolski

Ratlosigkeit: Trotz immer größerer Datenmenge nimmt der Informationsgehalt ab.

Tabellen ausfüllen, wie Zimmermann Reporting bisweilen nennt, ist inzwischen längst nicht nur in börsennotierten Unternehmen zu einer zeitraubenden Pflichtübung geworden. Auch viele Firmen, die nicht an der Börse notieren und daher beim Reporting eine etwas längere Leine haben, widmen sich im Monatsrhythmus dem Schreiben, Lesen und Archivieren von Berichten.
 
Weil Banken heute viel öfter aktuelle Zahlen verlangen, müsse man diese stets parat haben, mit diesen Worten erklären Controller gern den Hintergrund der wenig geliebten Datensammlerei. Ebenfalls oft als Sündenböcke genannt: Wirtschaftsprüfer. Auch sie, heißt es, würden immer mehr und immer genauere Zahlen verlangen.
 
Kapitalmarkt treibt Berichtswesen
 
Ein Befund, den Harald Fuchs, lange Zeit selber als Wirtschaftsprüfer tätig und heute Leiter des Rechnungswesens bei der Lenzing AG, relativiert: „Die Kritik, dass Wirtschaftsprüfer Unternehmen dazu treiben, immer mehr Unterlagen vorzulegen, kann ich nicht teilen. Der Grund sind vielmehr die strengeren gesetzlichen Bestimmungen. Wirtschaftsprüfer helfen ihren Kunden, diese Bestimmungen einzuhalten.“
 
Klaus Dirnberger, Geschäftsführer und Miteigentümer des oberösterreichischen Maschinenbauers Anger Machining, nennt einen weiteren Punkt, warum manche Firmen gar nicht anders können, als exzessives Berichtswesen zu betreiben: „Sobald Sie einen Fonds als Miteigentümer an Bord haben, wirkt sich das auch auf ihr internes Reporting aus. Denn solche Miteigentümer verlangen auch nach innen ein sehr stark formalisiertes Reportwesen.“ Dirnberger weiß, wovon er spricht. Bei Anger Machining war bis 2008 die Invest Unternehmensbeteiligungs AG beteiligt. Derzeit hält die zur Bank Austria gehörende EK Fin 49 Prozent am Unternehmen.
 
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