Management

Reporting-Wahnsinn

Banken und Kapitalmarkt zwingen Unternehmern ein Berichtswesen auf, das in immer kürzeren Rhythmen immer detailliertere Rechenschaft über Sachverhalte abverlangt, die zur operativen Steuerung des Unternehmens gar nicht notwendig sind. So wird Reporting zunehmend zum zeitraubenden Selbstzweck. Immer mehr Spitzenmanager zweifeln am Nutzen des Reportings – und suchen nach Wegen, der Datenflut Sinn abzugewinnen. Von Piotr Dobrowolski

Das Leiden folgt einem klaren Muster. Zu Monatsende ist es schlimm. Am Quartalsende noch schlimmer. Zu Jahresende kaum auszuhalten. Wer in Unternehmen an einer Schlüsselposition sitzt, kennt das zermürbende Spiel: An wiederkehrenden Stichtagen tragen die einen mühsam Daten zusammen und pressen sie in schier endlose Reihen, Tabellen und Analysen, andere versuchen dann, diese zu entziffern und aus ihnen Schlüsse zu ziehen. Willkommen in der schönen Welt des Berichtswesens.
 
Dass österreichische Unternehmen heute deutlich mehr Aufwand für das Erstellen von Reports treiben als noch vor fünf oder sechs Jahren, gilt unter den meisten heimischen Managern als unumstritten. Wie sinnvoll der Reporting-Boom ist und ob er helfen kann, Fehlentscheidungen zu verhindern, daran scheiden sich aber die Geister.
 
„Abwürgen von Dynamik“
 
Norbert Zimmermann, Aufsichtsratsvorsitzender bei der Berndorf AG, zum Beispiel spricht von einem Reporting-Wahn, der deutlich mehr Schaden anrichte als Nutzen hervorbringe: „Das permanente Reporting führt zu einem Abwürgen der Dynamik. Wir haben immer mehr Bürokratie und immer weniger Unternehmertum“, klagt er und erklärt ohne große Schnörkel, wie sein persönliches Gegenrezept lautet: „Man kann nur eines machen: Jene Leute im Unternehmen, die kreativ und inhaltlich arbeiten, von diesem ganzen Bürokratenkram abschotten. Den müssen eben andere erledigen.“ Das koste zwar auch Ressourcen, sei aber immer noch besser, als die besten Köpfe im Haus den ganzen Tag lang Tabellen ausfüllen zu lassen.
 
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