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IM-Expertenpool: Digitalisierung

Der Mittelstand im digitalen Wandel - Handwerk trifft Moderne

Das Trendthema Industrie 4.0 zeigt: Die Digitalisierung ist in großen Industriekonzernen längst angekommen. Auch das Handwerk zieht nach: 2016 hat bereits jeder fünfte Handwerksbetrieb in Deutschland Digitalisierungsmaßnahmen umgesetzt.

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Was Software Experten, Startups, ZDH und mittlerweile auch Handwerksbetriebe selbst als große Chance ansehen, ist für manchen traditionsbewussten Handwerker noch Zukunftsmusik. Wer sich jedoch nicht offen für die Digitalisierung zeigt, verliert Kunden an die Konkurrenz und riskiert Marktanteile. Denn digitalisierte Prozesse haben neben einer schnelleren Auftragsabwicklung viele weitere Vorteile, die einige der Handwerksbetreibe selbst bereits erkannt haben. So zeigt der Digitalisierungsindex Mittelstand der deutschen Telekom, dass 79 Prozent von 1.000 Befragten Handwerksfirmen digitalisierte Prozesse im eigenen Unternehmen wichtig sind. 47 Prozent versprechen sich eine Steigerung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.

Der Einsatz intelligenter Technologien kann dabei die Arbeit innerhalb und zwischen den Abteilungen als auch die Abläufe auf der Baustelle und Dienstleistungen wie den Kontakt zum Kunden betreffen:

Ein Vergleich zwischen früher und heute im Heizungsbausektor

Vor der Verknüpfung von Internet und Handwerksleistung war der Kauf einer Heizung zeitaufwendig: Der Kunde musste in Branchen- oder Telefonbüchern Ausschau nach einem fachkundigen Handwerkbetrieb halten. Monteure sind wiederholt zum Kunden rausgefahren und haben Baustellen besichtigt, um sich ein Bild über die baulichen Voraussetzungen vor Ort zu verschaffen. Und letztlich hat der Kunde lange auf ein Angebot inklusive aller Leistungen gewartet. Das sind nur einige Beispiele, die den Prozessaufwand sichtbar machen. Das kostete nicht nur dem Handwerker, sondern auch dem Kunden Zeit.

Heute sieht das anders aus

Handwerksbetriebe passen sich zunehmend dem veränderten Konsumverhalten an, das sich immer mehr in die Onlinewelt verlagert: Schnelle und grenzenlose Informationen zu jeder Uhrzeit, Zugriff auf hochwertige und maßgeschneiderte Lösungen und eine reibungslose Unterstützung beim Kauf einer Heizung.

So gibt der Kunde beispielsweise über ein Onlineformulare auf der Firmenwebsite des Handwerkers alle Daten zu den baulichen Gegebenheiten vor Ort, zum gewünschten Brennstoff und des Wärmebedarfs ein. Dies versetzt den Handwerker in die Lage bereits von Anfang Kundenwünsche online abzufragen, um Beratungsleistungen gezielter und individueller zu gestalten. Im Rahmen einer digitalen Fotobegehung erstellen Heizungskunden mit ihrem Smartphone oder Tablet Fotos von ihrer Heizungsanlage und schicken diese direkt an den Heizungsbauer. Anhand dieser Daten erstellen automatisierte Angebotskalkulatoren ein maßgeschneidertes Heizungsangebot in kürzester Zeit. So erhalten Heizungskunden mit geringem Zeitaufwand ein Angebot. Dies schafft einen schnellen Überblick über die anfallenden Kosten und hilft bei der Identifizierung von Sparpotenzialen beim Kauf, wie beispielsweise die Nutzung von Fördermitteln.

Digitaler Werkzeugkoffer für die Baustelle

Zukunftsorientierte Handwerksfirmen statten ihre Mitarbeiter unter dem Stichwort digitaler Werkzeugkoffer mit intelligenten Technologien aus. So erhalten Handwerker unter anderem Tablets für die Baustellenbesichtigung, um eine reibungslose und detaillierte Dokumentation der Situation und aller zu erledigenden und ausgeführten Tätigkeiten zu gewährleisten. Der Einsatz des Internets sorgt für eine Übermittlung aller notwendigen Daten an den Betrieb in Echtzeit. Firmenfahrzeuge, die mit elektronischen Fahrtenbüchern ausgestattet sind, zeigen den Aufenthaltsort und die Anzahl der gefahrenen Kilometer sowie die zurückgelegte Route des Handwerkers.

In der Gesamtheit entsteht mehr Transparenz, die innerbetriebliches Optimierungspotenzial schnell aufdeckt. Das versetzt Handwerksunternehmen in die Lage bereits früh Problemstellen und Kapazitätsengpässe ausfindig zu machen.

Online Tools für leichtere Wartung

Tools für das Online Monitoring unterstützen den Handwerker bei anfallenden Wartungsarbeiten. Zudem ermöglichen Sie eine stetige Überprüfung der Energieverbräuche sowie dem Betriebszustand einer Anlage, beispielsweise einer Heizung. Der Kunde muss dabei selbst nicht eingreifen bzw. einen Handwerker beauftragen. So lässt sich ein drohender Heizungsausfall bereits frühzeitig erkennen und beseitigen, ohne dass der Kunde im Kalten sitzen muss.

Fazit

Viele Fachbetriebe implementieren bereits intelligente Technologien und Verfahren mit dem Ziel Daten auszulesen und Arbeitsprozesse im eigenen Unternehmen effizienter zu gestalten. Bereits 58 Prozent der deutschen Handwerksbetriebe setzen dabei laut einer aktuellen Studie von bitkom in Zusammenarbeit mit dem Zentralverband des deutschen Handwerks intelligente Software-Lösungen ein. Ein großer Vorteil besteht hier im parallelen Ablauf mehrerer Arbeitsabläufe. Denn durch den Einsatz von Software und Internet erhält der Großhändler nach der Auftragsvergabe direkt Zugriff auf die Materialliste. Diese wird anschließend automatisch in digitale Ordner und Tools verschoben, sodass Heizungsbauer und Monteure jederzeit sehen, in welchem Status sich das Projekt befindet.

Bleibt das klassische Handwerk bestehen?

Die Qualität des klassischen Handwerks bleibt dabei durchaus bestehen - eben nur smarter und für alle Mitarbeiter transparenter. Die Digitalisierung dient nicht dazu, das Handwerk zu ersetzen, sondern dieses sinnvoll zu ergänzen. Sie dient daher vielmehr als Werkzeug, um Prozesse angefangen vom Marketing über die Arbeit auf der Baustelle bis hin zum Kundendienst smarter zu gestalten. Der Handwerker, als Mensch mit hoher Fachkenntnis und handwerklichem Geschick, bleibt weiterhin ein zentraler Erfolgsfaktor. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Montage einer Heizungsanlage, die nicht von intelligenten Softwarelösungen bewerkstelligt werden kann.

Wo liegen die Herausforderungen?

Neben den Vorteilen der Digitalisierung sind jedoch auch die Herausforderungen zu Betrachten. Diese liegen vor allem in der Komplexität der technischen Schnittstellen und im Aufeinander abstimmen aller Prozesse. Zudem ist acht auf eine ausreichende IT-Sicherheit zu geben.

Kerstin Bruns ist Online-Redakteurin bei Kesselheld, einem digitalen Heizungsbauer. Sie schreibt auf folgendem Blog regelmäßig über spannende Themen aus dem Bereich Heizungen, erneuerbare Energien und Digitalisierung.

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