Industrieroboter

Der Kampf um den Mittelstand

Bei den Autobauern und Zulieferern gibt es für Roboterbauer nur noch wenig zu holen. Jetzt buhlen Hersteller um den produzierenden Mittelstand - doch der zeigt sich erstaunlich anspruchsvoll. Von Daniel Pohselt

Automatisierung Schinko ABB FerRobotics Keba Gerhard Lengauer

Schinko-Chef Gerhard Lengauer mit Mitarbeitern und dem neuen Schweißroboter: "Wesentlich ist die große Flexibilität für unser Teilespektrum."

Führt Daniel Devich durch den elterlichen Betrieb, dann packt einen die Ehrfurcht. Der Sieben-Mann-Betrieb, eine kleine Holzschuhproduktion im Ländle, ist einer der experimentierfreudigsten Automatisierer Österreichs. In Sachen Automatisierungsgrad brauchen sich die Vorarlberger nicht einmal vor den Automobilisten verstecken: Nach einer Fräsbearbeitung der Schuhe auf einer Werkzeugmaschine folgen weitere Fräs- und Schleifprozesse mit einem Roboter, in den schon der Chef, Devich senior, vor ein paar Jahren investierte.
 

„Der Roboter schleift unter anderem das gesamte Fußbett“, erklärt der Sohnemann. Er wird demnächst die Nachfolge im Betrieb antreten – und ist der Automatisierungstechnik noch aufgeschlossener als der Senior: Kürzlich investierte der Betrieb in einen zweiten Roboter, dessen Aufgabe deutlich herausfordernder sein wird: Er soll die Schuhsohlen vollautomatisch an die Oberteile nageln. Dass es den Devichs damit ernst ist, steht außer Frage: Seit kurzem absolviert Sohn Daniel eine Ausbildung für die Roboterprogrammierung bei ABB. Und weckte dafür innerfamiliäres Interesse: „Einmal dabei, war auch der Vater von der Investition in den zweiten Roboter überzeugt.“

Große Betriebe auf der Bremse

Forsche Junioren, die im eigenen Betrieb ans Ruder kommen und Automatisierungstechnik nicht mehr verteufeln: Auch Manfred Gloser, Chef der Robotersparte bei ABB Österreich, beobachtet, dass eingefahrene Denkmuster immer mehr aufbrechen. Immer öfter sei es der Fünf-Mann-Betrieb, „der sich über Automatisierungstechnik drübertraut“, sagt Gloser. Quer durch die gesamte KMU-Landschaft steigt die Nachfrage derart rasant, dass die Hersteller aufatmen können: Im Großkundengeschäft läuft derzeit nämlich nicht viel.