Interview

"Der Erlebniswert begeistert"

Nikolaus Kawka, Geschäftsführer von Zühlke Engineering Austria, erklärt, warum in der Produktion Wirklichkeit und Virtual Reality schon bald verschmelzen werden und die HoloLens dabei das entscheidende Vehikel sein wird.

Von
Nikolaus Kawka Zühlke Produktion

Herr Kawka, wie lange wird es noch dauern, bis nicht nur im Film, sondern auch in der Produktionswelt virtuelle Umgebungen mit der Realität eins werden?

Nikolaus Kawka Bei einigen Projekten in Österreich ist das schon heute der Fall. Wir haben beispielsweise für Fronius eine HoloLens-Anwendung entwickelt, bei der die Überwachung von Schweißrobotern am virtuellen Abbild erfolgt. Der Techniker muss für die Kontrolle die Schweißzelle gar nicht mehr betreten. Bei einer anderen aktuellen Anwendung können Produktionsmitarbeiter mithilfe der HoloLens in einer virtuellen Umgebung bereits an neuen Maschinen geschult werden, obwohl die Produktionsstätte in Österreich noch gar nicht existiert.

Manche Menschen lehnen die HoloLens allerdings ab. Sie sagen, die Datenbrille sei unbequem und zu umständlich ...

Kawka Zumindest in Österreich hatten die meisten Menschen noch nie eine HoloLens auf. Jene, die die HoloLens kennenlernen, sind in der Regel von dem Erlebniswert begeistert. Was aber stimmt: Im Moment sind immer noch Geräte der ersten Generation im Einsatz und die haben noch die eine oder andere Schwachstelle. Ich würde da vor allem zwei Punkte nennen: das relativ eingeschränkte Sichtfeld und die kurze Akkulaufdauer, die heute für drei, vier Stunden reicht. Das wird sich aber schnell ändern.

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Und abgesehen davon gibt es gar keinen Optimierungsbedarf mehr?
Kawka
Doch. Aber der betrifft nicht punktuelle technische Verbesserungen wie zum Beispiel ein besseres Display. Das wahre Optimierungspotenzial sehen wir darin, die Interaktion zwischen dem Menschen und dem virtuellen Objekt zu verbessern. Für den Gabelstaplerproduzenten Jungheinrich haben wir eine Anwendung geschaffen, mit der ein Techniker einen Gabelstapler warten kann und dabei per HoloLens durch den Prozess gesteuert wird. Wichtig war uns dabei, eine möglichst große Usability zu erreichen. Deshalb haben wir uns sehr stark damit beschäftigt, wie die Jungheinrich- Techniker gewohnt sind zu arbeiten. Das hat zum Beispiel dazu geführt, dass man um unseren digitalen Gabelstapler-Zwilling ebenso herumgehen kann, weil das für die Techniker wichtig ist, um ihren Job gut machen zu können.

Während Sie von High-Tech reden, gibt es auch eine Gegenbewegung, die sagt: Weg mit den Datenbrillen, für die wenigen Infos, die viele Mitarbeiter als Unterstützung brauchen, reicht eine Smartwatch, maximal ein Tablet.

Kawka Ich glaube, bei sehr vielen Anwendungen können solche Geräte mit der HoloLens nicht mithalten, denn weder beim Tablet, das sie vor ein Gerät halten müssen, noch bei einer Smartwatch, auf der sie herumdrücken müssen, haben sie die Hände während des gesamten Wartungsprozesses frei. Das kann heute nur die HoloLens. Vorteile hat die HoloLens aber auch überall dort, wo man den Wartungsprozess dokumentieren will. Mit einer HoloLens geht das viel einfacher als mit einem Tablet oder einer Smartwatch.

Zur Person

Nikolaus Kawka (49) ist Geschäftsführer von Zühlke Engineering Austria. Die international agierende Zühlke-Gruppe ist darauf spezialisiert, für Industriekunden neue Projekte und Produkte zu entwickeln: von der Planung über Prototypen bis zur Serienreife. Der Schwerpunkt liegt heute auf den vier Digitalisierungsfeldern: Internet-of-Things, Software Modernization, Data Analytics und Experience Innovation.

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