Management

Der Chef von MAN nimmt den Hut

Georg Pachta-Reyhofen, langjähriger Chef der Volkswagen-Tochter MAN und Absolvent der TU Wien, legt sein Amt Ende September nieder. Hinter der Entscheidung stehen Änderungen in der Strategie des Konzerns.

Volkswagen zieht in seinem Lkw-Geschäft die Zügel weiter an und veranlasst so den langjährigen Chef der Lkw-Tochter MAN zum Abschied. Georg Pachta-Reyhofen werde sein Amt als Vorstandssprecher Ende September niederlegen, teilt der Münchner Lastwagen- und Maschinenbauer mit.

Der 60-jährige Pachta-Reyhofen arbeitet seit fast 30 Jahren bei MAN, seit 2010 als Vorstandssprecher, und soll den Konzern weiter beraten. Sein Vertrag läuft bis Juni 2016. Der gebürtige Münchner studierte an der Technischen Universität Wien Maschinenbau und promovierte zum Doktor der technischen Wissenschaften.

Nachfolger wird Joachim Drees

Pachtas Nachfolger als MAN-Chef wird Joachim Drees, der seit April das europäische Nutzfahrzeuggeschäft der Münchner leitet. Zudem sitzt der 50-Jährige im Führungsgremium der VW Truck & Bus Holding, die MAN übergeordnet ist.

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Die Personalunion von MAN-Konzern- und Spartenchef soll Entscheidungen innerhalb des VW-Lkw-Geschäfts erleichtern und beschleunigen. Nach langen Jahren der internen Reibereien will VW die widerspenstigen Töchter MAN und Scania enger zusammenspannen, um es mit führenden Lastwagenherstellern wie Daimler oder Volvo aufnehmen zu können.

Die jüngsten Personalentscheidungen im Management von VW

Bewerkstelligen soll dies federführend VW-Nutzfahrzeugchef Andreas Renschler, der zugleich die Kontrollgremien von MAN und Scania leitet. Renschler holte Drees nach München - die Manager waren früher beide bei Daimler. Sie brachten vor Kurzem bei MAN ein Restrukturierungsprogramm auf den Weg, das den Abbau von 1800 Stellen vorsieht.

Wie MAN weiter mitteilte, bestellte der Aufsichtsrat Jan-Henrik Lafrentz auf den bis dato formal verwaisten Posten des Finanzchefs. Der 49-Jährige übt dieses Amt bisher nur bei der MAN-Nutzfahrzeugsparte aus.

Beschaffungsvorstand Ulf Berkenhagen legt seinen Vorstandsposten beim MAN-Konzern nieder; allerdings behält der 54-Jährige dasselbe Amt bei der Nutzfahrzeugsparte der Münchner. Zudem ist er bei der VW-Truck-Holding für den Einkauf zuständig.

Auch an anderen Stellen verschränkt VW die Managementposten stärker: Der Scania-Chef Per Hallberg sitzt beispielsweise neben Renschler, Drees und anderen in der Geschäftsführung der Nutzfahrzeug-Holding. Am Mittwoch wurde angekündigt, dass der Scania-Manager Lars Stenqvist künftig für Forschung und Entwicklung in der Lkw-Holding von VW zuständig ist. Insider gehen davon, dass der Entwicklungschef der MAN-Nutzfahrzeugsparte, Bernd Maierhofer, seinen Posten nicht auf längere Sicht behalten wird.

Große Management-Rochade im Konzern

Die Personalien bei MAN sind Teil einer größer angelegten Management-Rochade bei VW: Nach der Führungskrise im Frühjahr, aus der Vorstandschef Martin Winterkorn als Sieger hervorgegangen war, kündigten die Wolfsburger vergangene Woche an, dass Finanzchef Hans Dieter Pötsch künftig das Kontrollgremium von VW leiten soll. Sein Nachfolger als oberster Zahlenmann steht noch nicht fest; spekuliert wird über Audi-Chef Rupert Stadler.

VW arbeitet derzeit an einer neuen Unternehmensstruktur. Daher könnte es auch bei anderen wichtigen Personalien innerhalb des 12-Marken-Konzerns Veränderungen geben. Mit Spannung wird deshalb die nächste Aufsichtsratssitzung Ende September erwartet. (reuters/apa)

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