Datengetriebene Innovation

Datenanalyse bei Stiwa: "Es braucht ein gutes Händchen, um Wunderdinge zu vollbringen"

Mittels Analysen der Motorströme fühlt der Hochleistungsautomatisierer Stiwa Anlagen auf den Zahn. Binnen zwei Jahren soll daraus ein eigenes Geschäftsmodell resultieren.

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Stefan Stricker kennt die vielen Anekdoten, die am Shopfloor über vorausschauende Wartung die Runde machen: Geschichten über zunichte gemachte Messungen, weil eine Einflussgröße unvermittelt das Signal verfälscht. Über abertausende Einstellparameter an der Anlage, von denen nicht wenige in der Lage sind, einen gerade noch hochgelobten Vorzeige-Use-Case zu Fall zu bringen. Doch anders als vielleicht so manches IT-Systemhaus will Stricker, ein ausgebildeter theoretischer Physiker, der vor seinem Einstieg in die Industrie 2017 Felder wie die Gravitation oder Stringtheorie beforschte und nach seiner Laufbahn bei IBM als Data Scientist beim Industrieautomatisierer Stiwa anheuerte, viele dieser Vorbehalte gar nicht entkräften. Es braucht in der Tat ein gutes Händchen, "um der durch die IT geweckten Erwartungshaltung, mit Daten Wunderdinge zu vollbringen, gerecht zu werden", sagt Stricker.

Vielversprechend scheint da ein Ansatz der Attnang-Puchheimer, der - so legen erste Tests mit Pilotkunden aus dem Anlagenbau nahe - offenbar ins Schwarze trifft: Unverfälschte Daten mit hoher Aussagekraft über den gegenwärtigen Anlagenzustand holt man sich - durchaus unkonventionell - über Motorstromanalysen. "Um etwa den Verschleißgrad des Bohrwerkzeugs oder einer Kupplung auszulesen, reicht da eine simple Verbindung von Steuerung mit einem dafür entwickelten Laptop mit Spezialsoftware", sagt Stricker. 

Problemlöser für Kunden - und Kunden des Mitbewerbs

Stefan, Stricker, Data, Scientist, Stiwa © Stiwa

"Es braucht ein gutes Händchen, um mit Daten Wunderdinge zu vollbringen."
Stefan Stricker, Data Scientist, Stiwa

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Dass die Automatisierungsdivision der Oberösterreicher - auch temporeich beim Aufsetzen einer Data Science Pipeline - die Fantasie beflügelt, mit diesem datenbasierten Ansatz "ohne gravierende technische Eintrittshürden" (O-Ton Stricker) das Kerngeschäft um neue monetarisierte Zusatzdienste bis hin zur OEE-Wert-Optimierung anzureichern, kommt nicht von ungefähr: Schon heute erwirtschaftet das Unternehmen einen nicht unerheblichen Teil  seines Gesamtumsatzes mit Softwarelösungen. Im Portfolio der Oberösterreicher findet sich bereits eine Produktionssoftware (CI Suite 4) zum effizienten Bau, Betreiben und Analysieren von Automationsanlagen.

Neben datenbasierter Wertgenerierung durch interne Prozessanalysen wie Fräsen Stanzen, Bohren oder auch dem Laserschweißen ist eine weitere Überlegung, auch vor Produkten der Konkurrenz - denkbar über Consultingdienste - nicht Halt zu machen. "In ein oder zwei Jahren soll das Geschäftsmodell für zumindest den eigenen Anlagenbau aufgesetzt sein", soll es nun schnell in die Skalierung gehen. Spätestens dann wird es auch die Stiwa Cloud als Produkt geben. 

Das sei keine große Sache, "ein paar Server mehr bei uns hier aufzusetzen", meint Stricker, der bei seinem Leibthema - der Datenwissenschaft - als Problemlöser in der gesamten Stiwa Gruppe wirkt. Und dem die Leistungen seiner Kollegen Respekt abnötigen: Man habe großartige Roboterprogrammierer, die ebenso großartige Programme schreiben würden. Das sei für die Datenauswertung - also auch seinen Job - nicht in Gold aufzuwiegen. "Erst so werden kleinste Abtastraten an der Anlage und letztlich ein steter Abfluss von wirklich hochwertigen Daten möglich", sagt der 41-jährige.

>> Hören Sie hier auch den Podcast mit Stiwa-Advanced-Products-Chef Brandmayr: "Man darf sich nicht täuschen lassen"