Ansichtssache

Das war der Neujahrsempfang des Forum Einkauf im OPWZ

"Die 4. industrielle Revolution ist eingeläutet" - unter diesem Motto stand der Neujahrsempfang des Forum Einkauf im ÖPWZ, der im Haus der Industrie in Wien stattfand. Hier ein Rückblick und die zentralen Aussagen.

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Das Forum Einkauf im ÖPWZ lud zum Neujahrsempfang ins Haus der Industrie in Wien. Unter dem Motto „Die 4. industrielle Revolution ist eingeläutet“ widmete sich eine Runde innovativer Vordenkerden Auswirkungen der rasant fortschreitenden Digitalisierung auf Einkauf und Supply Management.

 

Mag. Andreas Prenner, Bereichsleiter Personal, Finanzen und Organisation der Industriellenvereinigung,begrüßte in seiner Funktion als Präsident des ÖPWZ die Anwesenden. Für die Industriellenvereinigung seien die Entwicklungen hin zu Digitalisierung und Industrie 4.0 von Chancen und Möglichkeiten für den Standort Europa geprägt.

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Das Forum Einkauf im ÖPWZ lud zum Neujahrsempfang ins Haus der Industrie in Wien. Unter dem Motto „Die 4. industrielle Revolution ist eingeläutet“ widmete sich eine Runde innovativer Vordenkerden Auswirkungen der rasant fortschreitenden Digitalisierung auf Einkauf und Supply Management.

 

Mag. Andreas Prenner, Bereichsleiter Personal, Finanzen und Organisation der Industriellenvereinigung,begrüßte in seiner Funktion als Präsident des ÖPWZ die Anwesenden. Für die Industriellenvereinigung seien die Entwicklungen hin zu Digitalisierung und Industrie 4.0 von Chancen und Möglichkeiten für den Standort Europa geprägt.

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Industrie 4.0, so Mag. Prenner, hole die Produktion nach Europa zurück. Es entstünden völlig neue Berufsbilder.

 

Industrie 4.0 sei die Schnittstelle zwischen Kundenwunsch und Lieferantenmarkt, gekennzeichnet von einer immer stärker werdenden Vernetzung und einer zunehmenden Verbreitung von Echtzeitsystemen. Die Einkaufsmanager tragen dabei eine große Verantwortung.

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Bibiane Sibera, Generalsekretär Forum Einkauf, eröffnete die Diskussionmit der Frage: „Welche Veränderungen kommen auf Einkauf und Supply Management zu?“

 

Moderator Florian Zangerl, Industriemagazin (im Bild) gab die Frage an das Podium weiter.

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Auf dem Podium:

 

Dipl.-Wirt.-Ing. Philipp Hold von Fraunhofer Research GmbH, Tobias Saßerath, Penning Consulting, Köln, Ing.Curd Ornig, Msc, Head of Procurement RAG Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft, Wien, Diplom-Informatiker John Benad, Gründer und CEO MARKTGUT GmbH, Werder, mit den Schwerpunkten Kostenmanagement, Einkauf und Industrie 4.0, und Dipl.-Ing. Stefan Roggatz, IT-Experte, Geschäftsführer Exordium Media & Consult GmbH, Berlin.

 

Die Anwesenden umrissen zunächst in wenigen Worten, worum es bei Industrie 4.0 im Kern geht: um die Integration von Informations- und Kommunikationstechnik und um die Schaffung von Mehrwert für den Kunden.

Dies bedingt eine Veränderung oder Neubildung von Wertschöpfungsketten, die das ganze Unternehmen betrifft, vom Einkauf über den Vertrieb bis zu Produktion und Marketing.

 

Die Digitalisierung ist nichts Neues, viele Prozesse in Produktion und Logistik sind schon seit Längerem davon geprägt, neu ist allerdings die Dynamik, die mit der immer stärkeren Vernetzung zwischen den unterschiedlichen Marktteilnehmern zunimmt. Ist der Einkauf dabei Treiber oder Getriebener? Und welche Gestaltungsmöglichkeiten hat der Einkauf in diesem Umfeldmit völlig neuen Services und dem Ruf nach immer mehr Flexibilität?

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Berater wie Praktiker auf dem Podium waren sich einig, dass der Einkauf vielfach schon weiter ist, als es nach außen hin den Eindruck macht. Auf der anderen Seite sei der Einkauf im Tagesgeschäft sehr ausgelastet, für die aktive Weiterentwicklung sei daher nicht immer ausreichend Raum. Der Informationsfluss hin zum Einkauf sei oft nicht so optimal, wie er sein könnte.

 

Nicht neu ist die Forderung, der Einkauf müsse früher in Projekte eingebunden werden und auch viel mehr als Berater, als Ideengeber und Innovateur tätig werden, diese Forderung erhält nun aber noch stärkeres Gewicht. Hier zeigte sich dann auch, dass sich die Anforderungen an die Qualifikationen ändern werden oder sich auch schon geändert haben.


Zum technischen und kaufmännischen Wissen gesellt sich aufgrund veränderter Beschaffungsprozesse nun auch vermehrt IT-Wissen, aber auch juristische Aspekte werden wichtiger, beispielsweise im wachsenden Bereich von Serviceleistungen und entsprechenden Verträgen bis hin zu den Themen Patente und Lizenzen.

 

(Hier ein Symbolbild für Industrieproduktion.)

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Die neuen Anforderungsprofile werden, so Tobias Saßerath (im Bild), der Experte für Recruiting auf dem Podium, auch die Recrutierungsstategien der Unternehmen verändern müssen, denn hier werde häufig noch zu wenig weitsichtig agiert – geeignete Kandidaten und Kandidatinnen zu finden, sei oft schwierig, die Zeitdauer der Suche werde unterschätzt, das Thema Personalentwicklung insgesamt müsse stärker fokussiert werden.


Naturgemäß sind Diskussionen zu einem komplexen Thema wie Industrie 4.0 von Schlagworten geprägt. Ein dementsprechender Einwurf aus dem Publikum war verbunden mit der Frage: „Was bleibt in Zukunft vom strategischen Einkauf?“

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Der Berater John Benad (im Bild) sieht die operativen Aufgaben aufgrund von Automatisierung und Standardisierung von Prozessen weniger werden, die strategischen Aufgaben wachsen – und diese Aufgaben bestehen auch in menschlicher Kommunikation.

 

Doch selbst diese verändert sich derzeit rasant – Stichwort Social Networking. Die Kommunikationskanäle verschieben sich im Zuge von Industrie 4.0 ebenso wie die Produktionsweisen und die Logistikprozesse in Richtung digitaler Plattformen.

 

Was sich nicht ändert, und darüber herrschte auf dem Podium Einigkeit: Das Sprechen über Wert- und Preisvorstellungen, das Verhandeln, das Nachverhandeln bleiben in der „menschlichen“ Sphäre eines Miteinander, das zwar durch Digitalisierung unterstützt, aber nicht durch Maschinen ersetzt werden kann.

 

Datenanalyse, die Gewichtung und Auswertung von Kennzahlen sind Fähigkeiten, die der Einkäufer, die Einkäuferin der Zukunft ebenso braucht wie die Bereitschaft, innerhalb komplexer Wertschöpfungsketten partnerschaftlich mit Lieferanten wie mit internen „Kunden“ der eigenen Leistung zusammenzuarbeiten und gemeinsam Mehrwert zu schaffen.

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Der Einkauf steht einem Vertrieb gegenüber, der sich ebenfalls in einem Change-Prozess hinsichtlich Digitalisierung befindet. Der menschliche Gesprächspartner wird vielfach durch den Katalog ersetzt, standardisierte, softwaregestützte Beschaffungsprozesse greifen immer mehr um sich, die Forderung nach maximaler Effizienz zieht sich durch die gesamte Lieferkette – bis hin zur gedachten „Losgröße 1“, die für die maximale, individualisierte und zeitnahe Erfüllung des Kundenwunsches steht.

 

Lagermanagement, Instandhaltung, Wartungsservices, kein Bereich bleibt hiervon unberührt. So wird beispielsweise der sich rasant entwickelnde 3D-Druck das Supply Management in vielen Bereichen verändern oder tut es bereits.

 

(Hier im Bild Ing. Curd Ornig, Msc, Head of Procurement RAG Rohöl-Aufsuchungs Aktiengesellschaft, Wien.)

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Wie sieht es denn aber nun in der Praxis in den Unternehmen aus? Ist das Thema Industrie 4.0 in den Unternehmensführungen schon angekommen? Ganz sicher bei sehr großen Unternehmen, dort ist das Thema Digitalisierung ein wesentlicher Wettbewerbsfaktor, das Schlagwort Industrie 4.0 ein Leitmotiv, das für Wettbewerbsfähigkeit steht. Die Diskussion hat aber inzwischen weite Teile der Unternehmenslandschaft erfasst, und viele Unternehmen haben in den letzten Jahren ihre Beschaffungsprozesse bereits laufend verändert.

 

Neue Businessmodelle entstehen, neue Services ermöglichen es, dass Unternehmen sich auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und flexibler auf dem Markt agieren können. Miet- und Sharing-Modelle, spezialisierte Services und komplett neue Geschäftsmodelle sprießen aus dem Boden und verändern mit Hilfe der Digitalisierung ganze Branchen.

 

Das geschieht derzeit beschleunigt, und der Einkauf kann, wenn er sich auf seine Rolle als „Key Enabler“, als „Schlüssel-Ermöglicher“ und Wegbereiter, besinnt, zu einer treibenden Kraft in diesen Innovationsprozessen werden.

 

(Hier im Bild Stefan Roggatz, IT-Experte und Geschäftsführer Exordium Media & Consult in Berlin.)

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Woher kommen die Fähigkeiten dazu? Eine Möglichkeit ist es, Einkäuferpools in den Unternehmen aufzubauen, in denen die vorhandenen Kompetenzen sinnvoll gebündelt werden, unterstützt von Wissenstransfer zwischen den Generationen und durch ein umsichtiges Personalmanagement, das die Weitergabe von Know-how an die Nachfolger und Nachfolgerinnen ermöglicht.

 

Der Einkäufer der Zukunft ist mehr denn je ein Wertschöpfungsmanager. Er muss in der Lage sein, materielle und immaterielle Komponenten in seinen Supply Chains zu erkennen, Warenströme und Serviceleistungen flexibel zu handhaben und deren Wert wie deren Preis einzuschätzen. Das Denken in Margen wird künftig wesentlich wichtiger werden, doch eines wird sich auch in der Industrie 4.0 nicht ändern: Im Einkauf liegt der Gewinn.

 

Das Wissen im Einkauf ist sehr groß, es zu systematisieren, aufzubereiten, anderen zugänglich zu machen und dennoch immer Herr über die eigenen Daten zu bleiben, ist heute eine der Kernaufgaben des Einkaufs. Dabei geht es weniger darum, wo im Organigramm der Einkauf angesiedelt ist, so der Berater John Benad, sondern wie groß der Einfluss des Einkaufs im Unternehmen real ist.

 

(Hier im Bild Dipl.-Wirt.-Ing. Philipp Hold von Fraunhofer Research.)

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Die Präsentation einiger Studienergebnisse der Einkäufer-Gehaltsstudie 2016, durchgeführt vom Forum Einkauf in Zusammenarbeit mit Penning Consulting, Köln, rundete die Veranstaltung ab.


Die ausführlichen Ergebnisse der Einkäufer-Gehaltsstudie 2016 werden in den nächsten Wochen über das ÖPWZ erhältlich sein.


Das anschließende Neujahrsbuffet gab Gelegenheit zum Gedankenaustausch und zum Networking.