Managerinnen-Ranking

Das Gesellschafts-Experiment

Wie kommen Führungskräfte durch den Lockdown – und sind es vor allem die Frauen, die während einer Krise mehr leisten müssen? Studien zeigen ein eindeutiges Bild.

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Die Corona-Pandemie erschüttert die Wirtschaft nun seit knapp einem Jahr. Manager versuchen mit innovativen Ideen, Sparmaßnahmen, flexiblen Arbeitsmodellen und viel Engagement, ihr Unternehmen vor dem Gröbsten zu bewahren. Doch die Pandemie führt auch zu Chaos im privaten Rahmen: Lockdowns, der damit verbundene Aufruf zum Home Office und eventuell Kinder, die nun zuhause betreut werden sollten, müssen gemanagt werden.

Doch wer übernimmt das Management im Privaten im Ausnahmezustand? Einige Studien haben sich mit dem Thema beschäftigt und zeigen – auch europaweit - sehr ähnliche Ergebnisse: Es sind die Frauen, die den großen Teil der unbezahlten Arbeit übernehmen: Nach einer Studie der WU Wien arbeiten Frauen in Paarhaushalten mit Kindern neuneinhalb von insgesamt 14,5 Arbeitsstunden unbezahlt. Die Väter in Paarhaushalten arbeiteten im Vergleich dazu täglich etwa 30 Minuten weniger, sie leisteten rund 6,75 Stunden bezahlte und knappe sieben Stunden unbezahlte Arbeit. Und auch das Bundesministerium für Soziales schreibt in einer "Analyse der sozialen Lage in Österreich" während der Corona-Pandemie, dass während des (ersten) Lockdowns „öffentliche Aufgaben wie Schule und Kinderbetreuung auf Kosten der Familien, in den meisten Fällen Frauen, weitgehend ins Private verlegt“ wurden. Eine Befragung von Eurofound (2020) im April 2020 zeigt, dass Teleworking in Zeiten einer Krise für viele berufstätige Mütter belastend ist, da sie Arbeit, Home-Schooling und Betreuung unter einen Hut bringen müssen.“

Je höher die Bildung desto höher der unbezahlte Aufwand

Zunächst mag es überraschend klingen, dass vor allem Frauen mit höherer Bildung eine immense Mehrbelastung spüren. Doch bei genauerer Betrachtung ergibt sich ein klares Bild: Je mehr bezahlte Arbeit geleistet wird und je mehr Einkommen ein Haushalt hat, desto öfter arbeiten familienfremde Personen im Haushalt mit. Die Studie zeige deutlich, dass während der Lockdowns „gerade Frauen mit hohem Bildungsniveau mehr belastet waren als sonst. In etwa jede dritte Frau mit Hochschulabschluss gab an, dass sie im Vergleich zu ihrem Partner einen größeren Anteil der unbezahlten Arbeit übernahm als zuvor“, so die Studienautorin der WU-Studie, Katharina Mader. Dieses Ergebnis überraschte sie allerdings, denn „was wir grundsätzlich wussten war, dass es die höher ausgebildeten und die besser bezahlten Frauen sind die es sich leisten können, jemanden zuzukaufen. Was wir aber gedacht hätten dass ein Teil dieser Entlastung sehr wohl über ihren eigenen Partner passiert. Das war aber nicht der Fall.“

White Paper zum Thema

Bei einem Rundruf unter österreichischen Managerinnen zeigte sich ein ähnliches Bild, was die Mehrbelastung von Frauen angeht. In diesen Beispielen allerdings übernehmen die Partner, sofern vorhanden, allerdings recht gleichwertig die zusätzlichen Aufgaben, wenngleich sie meist dazusagen, dass sie ein „eher positives Beispiel“ seien, so wie etwa Michaela Leonhardt, Projektleiterin beim Stromnetzbetreiber APG: „Wir hatten eine Tagesmutter, die war mit dem ersten Lockdown dann natürlich von einem Tag auf den anderen weg. Das war hart für uns, unsere Tochter und natürlich auch für die Arbeitsplanung“, erzählt sie. „Trotz der guten Aufteilung sind sowohl mein Mann und ich an unsere Grenzen gestoßen.“

Organisations- und Koordinationstätigkeiten

Ulrike Zartler von der Uni Wien macht seit der ersten Woche des ersten Lockdowns u.a. umfassende wöchentliche telefonische Interviews. „Was wir sehr deutlich sehen ist dass die Frauen ziemlich unabhängig von ihrem eigenen Stundenausmaß, ihren Arbeitsbedingungen bzw. der Art ihrer Erwerbstätigkeit in der Coronakrise auch noch zusätzlich die Hauptverantwortung für die Familien übernommen haben“, so Zartler. Die Partner würden vorwiegend Unterstützungstätigkeiten in jenen Bereichen wahrnehmen, die sie sich selbst aussuchen. „Aber die Organisations-, die Umorganisations- die Koordinationsaufgaben haben eigentlich sehr deutlich die Frauen übernommen – zusätzlich zum Home Schooling und zusätzlich zur eigenen Erwerbstätigkeit.“ Eine Managerin sprach vom „Chaos“ während Home Office und Home Schooling mit zwei Mädchen und dem Partner: „Hier laufen bis zu vier Videocalls gleichzeitig. Mein Mann und ich sind vom bezahlten Zeitaufwand ziemlich gleich gefordert, doch die Verpflegung der Kinder, die Organisation und Koordination von zweimal Distance Learning blieb tendenziell an mir hängen. Ich habe das lange nicht hinterfragt, erst als ich das Thema auf den Tisch brachte, fiel uns beiden auf, dass die Verteilung unfair ist.“

Vor allem auch Alleinerziehende waren enorm gefordert, Kinderbetreuung und den eigenen Job zu managen. Sandra Gott-Karlbauer etwa, die Geschäftsführerin von ÖBB Technische Services und Mutter eines Elfjährigen, leitet etwa 4.000 Mitarbeiter, die vorwiegend in den Werkstätten arbeiten. Damit kommt Home Office meist nicht in Frage - auch nicht für die Geschäftsführung. „Ich habe für mich beschlossen zu versuchen, die Perfektion zurückzuschrauben und den Druck rauszunehmen, sonst wäre ich ausgebrannt. Beim Job kann ich keine Abstriche machen. Ich habe mir aber vorgenommen, nicht die perfekte Lehrerin, nicht die perfekte Köchin etc. zu sein.“ Auf der anderen Seite war sie auch im Job mehr gefordert als sonst, es galt, „sichtbar zu bleiben“, auch wenn die Geschäftsführerin nicht mehr von Standort zu Standort fahren und mit den Mitarbeitern sprechen konnte. Tägliche „Coronacalls“ mit aktuellen Informationen zu Home Office, Sicherheitsmaßnahmen und Co. sollten bis zum Vormittag alle Mitarbeiter erreichen, die Schichtpläne wurden flexibler gestaltet, um die jeweiligen familiären Situationen zu berücksichtigen und der Betriebskindergarten sowie „flying nannys“ haben versucht, den Mitarbeitern die Situation zu erleichtern. Flexibilität sei in solchen Ausnahmesituationen ein sehr wichtiger Faktor – sowohl für Mitarbeiter, als auch für Führungskräfte, so der Tenor. Nur so könne man die unterschiedlichen familiären Herausforderungen im Team gut managen.