Managerinnen Ranking

Die wichtigsten Frauen im Detail

Von Bettina Glatz-Kremsner über Ursula Simacek und Monika Kircher bis hin zu Catharina Pappas: Lesen Sie Kurzportraits über einige der 111 wichtigsten Frauen des Landes.

Von

1. Bettina Glatz-Kremsner, 57, Generaldirektorin der Casinos Austria AG

Das Selbstverständnis, mit dem Frauen in Top-­Positionen Krisen managen, hat die studierte Handelswissenschaftlerin in ihrer Jugend im Ungarn der 70er und 80er Jahre vorgelebt bekommen. In der von Korruptionsermittlungen erschütterten Casinos Austria AG wird die Resilienz der Mutter eines Sohnes jetzt auf die Probe gestellt. Dass die ÖVP­-Chefver­handlerin des türkisblauen Koalitionspa­ketes bei ihrer Bestellung – im Gegensatz zu manchen männlichen Kollegen – eine langjährige erfolgreiche Management­tätigkeit im Lotteriebereich mitbrachte und dass sie mit ihrer Bestellung von allen Parteiämtern zurücktrat, macht sie – trotz kolportierter Millionenabferti­gung für eine unternehmensinterne Ro­chade – jetzt unangreifbar.

2. Sabine Herlitschka, 54, Vorstandsvorsitzende Infineon Technologies Austria

Sabine Herlitschka ist das personifizierte Gegenmodell zu einem Land, das noch immer „merkbar von einem traditionellen Rollenverständnis geprägt“ sei, wie sie es im Interview mit INDUSTRIEMAGAZIN selbst formuliert. Herlitsch­ka ist eine Doktorin in Lebensmittel­ & Biotechnologie und hält einen Postdoc in der industriellen Forschung, hat sich mit einem Master of Business Administration fit für die Wirtschaft gemacht und vertritt nun auch als Vizepräsidentin die Industriellenvereinigung in Kärnten. Zum 50. Geburtstag von Infineon darf sie sich heuer selbst auch ruhig auf die Schulter klopfen, denn unter ihrer Führung wächst das forschungsstarke Unter­nehmen kontinuierlich. 

3. Elisabeth Stadler, 58, Vorstandsvorsitzende Vienna Insurance Group

In den Vorstandsetagen der ATX­-Unternehmen gibt es zwar weniger Frauen als Männer, die Peter heißen, doch VIG­-Chefin Elisabeth Stadler ist eine sehr präsente Ausnahme. Die erste Frau, die an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens steht, besetzt neben wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Funktionen auch Aufsichtsratsfunktionen bei diversen Konzerngesellschaften der VIG und – seit 2019 – auch bei OMV und Voestalpi­ne. Die Trägerin des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik ist mit 1,27 Millionen Euro auch die bestverdie­nende Frau aus den ATX-Vorstandsetagen – und liegt mit ihrem Salär trotzdem deutlich unter dem Durchschnitt der ATX­-Manager (2,04 Mio. Euro pro Kopf).

White Paper zum Thema

4. Michaela Keplinger-Mitterlehner, 54, Stellvertretende Vorstandsvorsitzende Raiffeisenlandesbank OÖ AG

Dass eine der ein­flussreichsten Mana­gerinnen des Landes nach einem Studium der Geschichte, Phi­losophie, Psycholo­gie und Pädagogik seit vielen Jahren als toughe Bankerin an den Schalthebeln der Raiffeisenlandesbank OÖ sitzt, würde man nicht vermu­ten. Trotzdem sie es vor allem zu Beginn ihrer Karriere als „Nachteil“ erlebt hat, eine Frau zu sein, ging sie konsequent ihren Weg und ist heute eine der ganz wenigen Frauen in einer Spitzenposition im Bankensektor – und die erste Frau, die in den Vorstand der Raiffeisenlan­desbank eingezogen ist. Für diese Karri­ere mussten sie und ihr kürzlich ver­storbener Mann, Andreas Mitterlehner, allerdings auch eine grundlegende Ent­scheidung treffen und kinderlos bleiben, denn: „Ich hätte Karriere und Kinder nicht vereinbaren können.“ 

5. Monika Kircher, 62, Aufsichtsratsvorsitzende Kärntner Energieholding Beteiligungs GmbH

Dass Monika Kircher (ehemals Kircher­-Kohl) nach eineinhalb Jahren Doktorat in Mexiko ihre Dissertation verworfen hat, hat ihrem Werdegang keinen Abbruch getan. Egal ob Politik, Wirtschaft oder Bildung – es gab wohl kaum einen Bereich, in dem sie nicht tätig war. Sie galt als visionäre Politikerin, weshalb nach ihrem Abgang von Infineon viele damit rechneten, sie als Ministerin wiederzusehen. Der erste Job der Multi­-Aufsichtsrätin (sie ist Controllerin bei RWE, Andritz, Kelag und KNG Kärnten, Siemens und Vorsitzende bei der Kärnt­ner Energieholding Beteiligungs GmbH) war es übrigens, Farbkübel vom Maler­ betrieb des Vaters auf Baustellen zu transportieren.

7. Iris Ortner, 45, Geschäftsführerin IGO Industries GmbH

Ein Studium an der ETH Zürich und an der Eliteuni in Fontainebleau, berufliche Stationen bei Siemens in Deutschland und in den USA – und trotzdem steht die fünf Sprachen beherrschende Iris Ortner, Geschäftsführerin des familieneigenen Anlagenbauunternehmens IGO In­ dustries, als Aufsichtsrätin bei der Staatsholding ÖBAG in der Kritik, die durchaus auch untergriffig sein kann. „Ich habe mich auch aufgrund dessen nie für die Politik geeig­net gehalten und mich für die Wirtschaft entschieden“, sagte sie kürzlich in einem Interview. Doch auch in der Wirtschaft musste sie sexistische Aussagen hinnehmen. Vielleicht ist das der Grund, warum sie in der Unternehmens­kultur das Duzen nicht eingeführt hat: Denn „Du Esel“ sage sich leichter als „Sie Esel“ und verhindere somit so manchen verbalen Ausrutscher. 

8. Kerstin Gelbmann, 45, Geschäftsführerin Austro Holding

Kerstin Gelbmann wird meist in einem Atemzug mit dem Sanierer und Investor Erhard Grossnig genannt, der sie als „tüchti­ge Frau“ bezeichnet. Sie trat 2002 in die Grosso Holding und Grossnigg Finanzberatung und Treu­handgesellschaft ein, seit 2010 wurde sie, nach weiteren leitenden Positionen, zur Geschäftsführerin der Austro Holding ernannt. Dass sie längst aus dem Schatten ihres Mentors herausgetreten ist, verrät die schiere Anzahl von Boards, in die die ehemalige, ehrenamtliche Finanzreferentin des Wiener Tierschutzhauses berufen wurde: Sie ist Aufsichtsrätin bei den Bä­ckereien Anker und Panther Brot, Bene, Binder&Co, Gaulhofer, Gebrüder Weiss, Linauer und der Strabag.

9. Maria-Theresia Niss, 42, Vorstand Mitterbauer Beteiligungs AG

Während ihres Studi­ums für in­ternationale Beziehun­gen hat Ma­ria-­Theresia Niss er­kannt, dass Diplomatie doch nicht das Richtige für sie ist – und ging in die Privatwirtschaft. Mit gutem Zeitmanagement, einem Kindermädchen und familiärer Unterstützung bekommt die dreifache Mutter dabei nicht nur ihre Aufsichtsratsposten bei Miba und Boehringer Ingelheim und ihren Vor­standsposten bei der Mitterbauer Beteiligungs AG unter einen Hut: Sie mischt seit 2017 als ÖVP-­Abgeordnete im Natio­nalrat in der Politik mit und stand – gleich nach Gernot Blümel – auf Platz 2 der Wiener Liste für die vergangene Na­tionalratswahl. 

10. Karin Exner-Wöhrer, 48, Vorstandsvorsitzende der Salzburger Aluminium AG 

Die Betriebswirtin, die einen Teil ihrer Kindheit in Sierra Leone verbrachte und an Elite­unis in Fontainebleau und in Singapur studierte, hat sich durchaus selbstbewusst als Nachfolgekandidatin von Georg Kapsch an der Spitze der Industriellenvereinigung ins Spiel gebracht. Als ehemalige österreichische Golfmeisterin wäre die zweifache Mutter und AUA­ sowie Tele­kom-­Aufsichtsrätin das Gewinnen von schwierigen Turnieren gewöhnt – für die Greenkeeper in der neuen Regierung dürften die Positionen Exner-­Wöhrers zur Ökologisierung des Steuersystems jedenfalls ein Hole In One bedeuten.

15. Barbara Potisk-Eibensteiner, 51, Geschäftsführerin Heinzel Holding GmbH

Nach ihren ers­ten Jobs in der Papierfabrik im Heimatort Gratkorn hat sich erst 2017 für Barbara Potisk-­Eiben­steiner mit der Bestellung zur CFO bei Heinzel der Kreis geschlossen: „Ich bin ein Papierkind“, sagt sie über sich selbst. Dazwischen wollte sie ihr Glück in Wien mit dem Traumjob ihrer Kindheit – Investment­bankerin – versuchen, der ihr aber schnell zu eintönig und gegen Manage­mentposten in der produzierenden In­dustrie getauscht wurde. Den Ausgleich zum Job findet die Mutter einer Tochter vor allem beim Laufen: einer effizienten Sportart, bei der man keinen Aufwand habe. 

16. Elisabeth Engelbrechtsmüller-Strauss, 49, Geschäftsführerin Fronius International

„Energie“ ist eines der Schlagworte, das Elisabeth Engelbrechtsmüller­-Strauß wirtschaftliches Engagement treffend beschreibt: Neben ihrem Aufsichtsrats­posten bei Verbund verantwortet sie als Vizepräsidentin der Industriellenver­einigung Oberösterreich den Energiebe­reich. Im Familienunternehmen Fronius ist außerdem seit ihrem Eintritt 2001 das Geschäftsfeld der Solarenergie kon­tinuierlich gewachsen. Als Mutter von drei Kindern hatte sie ihre Vorbilder dabei auch immer direkt vor der Nase: Ihre Mutter und Großmutter waren bereits in Zeiten festgefahrener Rollenbilder berufstätig.

19. Hilde Umdasch, 77, Aufsichtsratsvorsitzende Umdasch Group

Hilde Umdasch hat gleich zwei Unter­nehmen geprägt – und wurde dafür auch mit einem Preis für ihr unternehmerisches Lebenswerk ausgezeichnet: Gemeinsam mit ihrem Vater gründete sie in den 70er­-Jahren Bellaflora, nach seinem Tod übernahm sie außerdem den Vorstandsvorsitz des Familienunternehmens, was auch noch 1990 für eine Frau recht ungewöhnlich war. Wegen mangelnder Nachfolgeoptio­nen wechselten sie und ihr Bruder Alfred allerdings in den Aufsichtsrat und übergaben das Steuer an externe Manager. Wegen ihrer „privilegierten Situation“ engagiert sie sich umfassend im sozialen Sektor. 

20. Michaela Huber, 45, Vorstand ÖBB Personenverkehr AG

Michaela Huber kann man getrost einen Hang zu staatsnahen Jobs nachsagen: Nach einem Publizistik­-Studium in Salzburg heuerte sie in der Pressestelle der Tiroler Landesregierung an und wurde dort bereits ein Jahr später Pressesprecherin. Es folgten Stationen als Sprecherin von ÖVP-­Innenminister Ernst Strasser und Verteidigungsminister Günther Platter, bevor sie die Kommunikationsagenden bei der OMV übernahm. Heute ist sie bei öBB Personenverkehr zuständig für den Fernverkehr, Marketing, Nah­ und Regio­nalverkehr, Unternehmensentwicklung und Vertrieb. 

25. Catharina Pappas, 53, Geschäftsführerin Pappas Holding

Die Generalkonsulin mit griechischen Wurzeln, Catharina Pappas, bleibt lieber im Hintergrund, ihre öffentlichen Auf­tritte sind rar gesät, doch zieht sie sehr umtriebig die Fäden im Familienunter­nehmen. Letztes Jahr übergab ihr Bruder Alexander seine Anteile an der Holding, sie bündelt nun alle automotiven Ak­tivitäten der Unternehmensgruppe. Sie selbst ist für Strategie und Unterneh­menssteuerung zuständig, den Rest erle­digt eine dreiköpfige Geschäftsführung. 2001 übernahm sie auch das griechische Konsulat von Onkel Dimitri, das heute in der Firmenzentrale sitzt. 

26. Ursula Simacek, 45, Geschäftsführerin Simacek Facility Management

Sich nur auf eine Sache zu konzentrieren, ist Ursula Simacek zu wenig. Das ist auch der Grund, warum sie sich mit Schädlingsbekämpfung genauso gut auskennt wie mit der Kommunikationswissenschaft: Sie hat ne­ben dem Publizistik­-Studium zwei Meisterprüfungen absolviert, nicht zuletzt, wie sie sagt, um das Geschäft des Familienunternehmens „von der Pike auf“ zu lernen und sich besser mit den Mitarbeitern identifizieren zu können. Seit 2006 ist sie Geschäftsführerin von Sima­cek Facility Management, wurde „zufällig“ General­konsulin der Republik Kongo und war bis letztes Jahr Vereinspräsidentin von „respAct“, einer Plattform für nachhaltiges Wirtschaften.

33. Elisabetta Castiglioni, 55, Geschäftsführerin A1 Digital International GmbH

Die Faszination für Deutschland hat die ge­bürtige Italienerin Elisa­betta Castiglioni in den 80er-­Jahren zu einem eher unüblichen Schritt bewog: Sie studierte Betriebswirtschaftslehre an der Lud­wig-­Maximilians-­Universität im fernen München und promovierte an der TUM mit Auszeichnung. Heute ist sie aus der IT-­Branche nicht mehr wegzudenken, hat Erfahrungen im Top-­Management bei großen Unter­nehmen in der Technologie-­, Medien-­ und Telekommuni­kationsindustrie gesammelt, war die erste Frau im Auf­sichtsrat bei A1 Telekom Austria und leitet heute als Geschäftsführerin und CEO A1 Digital. 

36. Birgit Rechberger-Krammer, 50, Geschäftsführerin Henkel CEE

Sie ist zwar seit ihrem Studium im selben Un­ternehmen tätig, trotzdem habe sie „einen Hor­ror davor, einfach immer dasselbe zu machen“. Bisher hat sie bei Henkel im Schnitt alle drei Jahre eine andere Verantwor­tung übernommen, das Land, die Marke oder die Kunden gewechselt. Nun ist sie seit 2017 Geschäftsführerin von Henkel CEE und brauche „schon noch ein bisschen Abwechslung“, wie sie letztes Jahr im Interview feststellte; einer Tätigkeit im Headquarter oder einer anderen Region wäre sie nicht abgeneigt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ihr eines der Themen, die sie aktuell beschäfti­gen, eine Idee vermittelt: Nachhaltigkeit, Frauen­ und Talenteförderung und Digitalisierung. 

50. Mariella Schurz, 45, Geschäftsführerin B&C Industrieholding GmbH

Sie wollte als Kind das Recht anderer „mit glühendem Schwert“ verteidigen und wurde deshalb Rechtsanwältin. Da sie nach zehn Jahren bemerkte, ihre Ideale nicht verwirkli­chen zu kön­nen, suchte sie eine neue Herausforderung, wechselte in die Wirtschaft und heuerte als Prokuristin bei der B&C Privatstiftung an. Vor ihrem Aufstieg innerhalb der Stiftung hängte sie einen MBA an – und änderte im Zuge dessen ihre Meinung zum Thema Frauenquote: „Vorher hatte ich die klare Meinung: Ich will keine Frauenquote. Heute hat sich meine Einstellung komplett gewandelt und ich sage: Ja, wir brauchen die Quote, weil es anders nicht geht.“ 

66. Patricia Neumann, 48, Geschäftsführerin IBM Österreich

29 Jahre ist recht jung für die erste Managementaufgabe, doch Patricia Neumann griff zu. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin kann man getrost als geschäftliche Weltenbummlerin bezeichnen: Sie verbrachte die Hälfte ihrer Berufsjahre in Lon­don, Mailand und Stuttgart. Dass sie zwei Töchter zur Welt brachte und trotzdem linear ihre Karrie­re verfolgte, führt sie darauf zu­rück, nach der Karenz sofort wie­ der Vollzeit gearbeitet zu haben: „Das hat es dem Unternehmen leichter gemacht, eine attraktive Rolle für mich zu finden.“ 

76. Leontine Wratschko, 60, Geschäftsführerin Agrana Stärke GmbH

Sie nimmt kein Blatt vor den Mund: Vor über zehn Jahren riet Leontine Wratschko Frauen sich hochzukündigen, um in ihrer Karriere vorwärtszukommen. Heute trage die Frauenquote dazu bei, „guten“ Frauen in hohe Positionen zu verhelfen. Und auch zum Begriff „Quotenfrau“ spricht sie Tacheles: „Das ist eine fürchterliche Bezeichnung. Dann haben wir auch genügend Quoten­männer überall.“ Sie selbst hat sich als Kind auf­ grund mangelnder Rollenvorbilder als Biologielehrerin gesehen, sich aber doch spontan für ein Wirtschaftsstudium entschieden. Nach Kindergartenreife ihres Kindes war sie schließlich „nicht mehr zu halten“ und startete ihre Karriere – inklusive hochkündigen.