Automobilindustrie

Daimler gibt im Streit um Kältemittel nach

Jahrelang hat sich Daimler vehement geweigert, ein bestimmtes Kältemittel einzusetzen - weil es 2012 bei internen Tests in Flammen aufgegangen war. Doch jetzt geben die Stuttgarter offenbar nach.

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Nach langem Widerstand lenkt Daimler im Streit um den Einsatz des Kältemittels R1234yf in Auto-Klimaanlagen ein. Nachdem er sich über Jahre vehement geweigert hatte, will der Konzern die umstrittene Chemikalie nun doch ab 2017 in großem Stil einsetzen. Dies teilte der Autobauer in Stuttgart mit.

Parallel dazu wird Daimler ab 2016 erste Modelle der S- und E-Klasse von Mercedes-Benz mit Klimaanlagen ausstatten, die Kohlendioxid (CO2) als Kühlmittel verwenden. Sie sollen bis 2017 in Serie gefertigt werden. Die Fahrzeuge mit CO2-Klimaanlagen stellte der Konzern jetzt vor.

EU will klimaschädliche Gifte aus Autos verbannen

Hintergrund ist der Plan der EU-Kommission, ab dem Jahr 2017 klimaschädliche Chemikalien aus Europas Autos zu verbannen. Die aktuell einzige marktreife Alternative R1234yf war bei einem Daimler-Test im Herbst 2012 in Flammen aufgegangen.

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Seitdem hatten sich die Stuttgarter geweigert, das Mittel einzusetzen. Eine Schonfrist für ältere Modelle, die noch das klimaschädliche Kühlmittel R134a einsetzen, aber noch verkauft werden, gilt nur bis Ende 2016. Nur bereits zugelassene Autos genießen Bestandsschutz.

Autobauer setzt Argon-Gas ein

Nun sei es Daimler gelungen, die Gefahr einer Entzündung zu bannen. Technisch möglich sei das unter anderem durch den Einsatz des Gases Argon, das im Falle eines Unfalls ausströmen soll und die erhitzten Bauteile im Motorraum herunterkühlt. Dadurch soll verhindert werden, dass R1234yf in Brand gerät, wobei hochgiftiger Fluorwasserstoff (Flusssäure) entstehen kann.

Dass die ungefährlicheren CO2-Klimaanlagen zunächst nur in zwei Modellreihen verbaut werden, begründet Daimler unter anderem mit den höheren Kosten für die Klimaanlagen und Qualitätsanforderungen beim Hochlauf der Produktion. Ein flottenweiter Einsatz sei zum Stichtag der neuen EU-Richtlinie am 1. Jänner 2017 nicht darstellbar, hieß es.

Mittlere dreistellige Millioneninvestition

Daimler hat in die Entwicklung der CO2-Klimaanlagen einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag investiert. Während beim Einsatz von R1234yf die Klimaanlagen nur umgerüstet werden müssen, ist bei CO2 ein komplett neues System nötig. Die CO2-Moleküle sind deutlich kleiner, weshalb die Systeme dichter sein müssen. Außerdem ist der Druck, unter dem das Gas verarbeitet und heruntergekühlt wird, höher. Daimler hatte in der Auseinandersetzung um das umstrittene Kältemittel bereits 2014 angekündigt, auf die umweltfreundlichere Variante mit CO2 zu setzen.

Auch Brüssel und Berlin griffen in den Konflikt ein

Im Streit um das Kältemittel hatte auch die EU-Kommission Druck auf die deutsche Bundesregierung ausgeübt und im Jänner 2014 ein Verfahren wegen der Verletzung von EU-Recht eingeleitet, weil das Kraftfahrt-Bundesamt Mercedes-Modellen mit dem klimaschädlicheren Mittel die Zulassung für den Straßenverkehr erteilt hatte. Die Untersuchungen liefen weiterhin, hieß es nun aus Brüssel. Nach dem Einlenken des Autobauers dürften sie jedoch bald hinfällig werden.

Der Vorsitzende des Verkehrssauschusses im EU-Parlament, Michael Cramer (Grüne), lobte die Umstellung des Konzerns und forderte ein Umdenken beim Einsatz von R1234yf. "Jetzt existieren Alternativen, und wir brauchen einen EU-Fahrplan zur schnellstmöglichen Umstellung auf sichere und klimafreundliche Kühlmittel", sagte er der "Frankfurter Rundschau". (dpa/apa)

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