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Daimler-Chef Zetsche hält wenig davon, deutsche Firmen stärker zu schützen

Daimler-Chef Dieter Zetsche hält nichts davon, chinesische Investoren mit Gesetzen vom deutschen Markt fernzuhalten. Auch der Vorwurf vom Diebstahl geistigen Eigentums sei "Unsinn", glaubt Zetsche. Überraschend ist seine Meinung nicht: In Diskussionen zum Standort Deutschland muss Daimler seine in China erzielten Gewinne im Auge behalten.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hält nichts von Versuchen, chinesische Investoren mit Gesetzen vom deutschen Markt fernzuhalten. "Die Stärke des Wirtschaftsstandortes Deutschland kommt doch daher, dass Wirtschaft und Staat weitgehend getrennt sind. Diese Trennung sollten wir auch erhalten." Im Gespräch mit dem "Handelsblatt" meinte Zetsche: "Wenn ich Zäune hochziehe, dann werden die Unternehmen müde und träge."

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Zetsche erinnerte an die Diskussion um den Patentschutz. "Da hieß es vor einiger Zeit noch, die Chinesen klauen und kopieren. Das ist Unsinn", sagte der Daimler-Chef. "China bildet mehr Ingenieure aus als wir." Das Land habe daher ein "hohes Eigeninteresse, Patente zu schützen". China ist neben den USA der größte Absatzmarkt für Daimler.

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Zetsches Meinung überrascht nicht - Unbehagen wächst trotzdem

Die Meinung von Dieter Zetsche ist eigentlich keine Überraschung - schließlich muss der Konzernchef in Diskussionen zum Standort Deutschland vor allem Daimlers in China erzielte Gewinne im Auge behalten. Doch abseits des Topmanagements in der Industrie stoßen die massiv steigenden Einkaufstouren chinesischer Investoren auf zunehmendes Unbehagen in Deutschland. Dabei verbinden sich Sorgen vor einem Ausverkauf von deutschem Know-how bei Zukunftstechnologien mit der Verärgerung über die Abschottung der eigenen Märkte durch die Volksrepublik.

Europäer haben ihrerseits Probleme mit Investitionen in China

Nach der spektakulären Übernahme des Robotikspezialisten Kuka in Augsburg liegen aktuell wegen Bedenken der deutschen Regierung zwei Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Investoren auf Eis, darunter ist der Chipanlagenbauer Aixtron. Vor dem Hintergrund der jüngsten Unstimmigkeiten in den deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen reist der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit einer Wirtschaftsdelegation zu einem mehrtägigen Besuch nach China. Gabriel hatte im Vorfeld angekündigt, auch die Behinderung deutscher Investoren in China anzusprechen.

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Gabriel schrieb in einem Gastbeitrag für die "Welt", China verhindere Investitionen durch europäische Unternehmen, gehe aber selbst auf Einkaufstour "mit der erkennbaren Absicht, sich strategische Schlüsseltechnologien anzueignen".

Nach Zahlen von Thomson Reuters haben chinesische Investoren in diesem Jahr bereits 47 deutsche Unternehmen gekauft. Das gesamte Volumen betrug 10,3 Milliarden Euro. Im gesamten Jahr 2015 waren es nur 29 Transaktionen mit einem Volumen von 263 Millionen Euro. (AFP/Reuters/APA/red)

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