Firmenverkauf

Dämmstoffhersteller Armacell geht wieder an eine Finanzfirma

Einen kerngesunden Hersteller kaufen, mit Schulden beladen und weiterreichen: Mit dieser Methode machen Finanzfirmen Milliardengewinne. Auch die beteiligten Banken reiben sich die Hände. Für die Industrie dagegen sind die Deals nicht immer von Vorteil.

Im Bild: Dämmstoffe deutscher Hersteller.

Der Dämmstoff-Hersteller Armacell bekommt zum vierten Mal Finanzinvestoren als Eigentümer. Die britische Beteiligungsgesellschaft Charterhouse verkauft das aus Münster stammende Unternehmen nach nur zwei Jahren an den US-Investor Blackstone und die Eigentümerfamilie des dänischen Spielzeug-Herstellers Lego, wie beide Seiten mitteilen.

Satte Rendite für die Heuschrecken

Für Charterhouse ist das ein gutes Geschäft: Die Briten hatten 520 Mio. Euro für Armacell gezahlt und laut einem Insider nun einen Verkaufspreis von 960 Mio. Euro erlöst. Für die Charterhouse-Investoren bedeutet das eine Rendite von 54 Prozent.

Der nächste Eigentümer bekommt einen nach wie vor gut laufenden Betrieb: Armacell erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 452 Mio. Euro, der operative Gewinn (Ebitda) lag bei 71 Mio. Euro. Für das laufende Jahr fasst das Unternehmen ein Ebitda von 95 Mio. Euro ins Auge. Der seit drei Jahren amtierende Vorstandschef Patrick Mathieu soll nach dem jüngsen Deal an Bord bleiben.

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Armacell sollte eigentlich in diesem Jahr an die Börse gebracht werden. Doch dann entschied sich Charterhouse anders und beauftragte die Investmentbank Rothschild, einen Käufer zu finden. Viele Finanzinvestoren suchen derzeit händeringend nach neuen Investitionsmöglichkeiten, weil sie unter Druck stehen, das Geld von Pensionskassen, Versicherern und anderen Anlegern in ihren Fonds gewinnbringend anzulegen.

Offizieller Firmensitz wandert von Deutschland nach Luxemburg

Die 1954 gegründete Armacell war im Jahr 2000 vom US-Konzern Armstrong World abgespalten worden. Die Investoren Gilde und CVC reichten das Unternehmen 2007 an Investcorp aus Bahrain weiter, die es sechs Jahre später an Charterhouse verkaufte. Offizieller Firmensitz ist heute Luxemburg.

Unter der Ägide von Charterhouse wurden in Indien und Russland neue Fabriken eröffnet, in China ist eine geplant. Dazu kamen Akquisitionen in der Türkei und in Kanada.

Der Konzern mit 2.600 Mitarbeitern sieht sich als weltgrößter Hersteller von flexiblen Isoliermaterialien. Nur noch 500 Mitarbeiter sind in der europäischen Zentrale in Münster beschäftigt, wo sich auch die Forschungsabteilung befindet. Produktionsstätten gibt es weltweit in 15 Ländern auf vier Kontinenten. Armacell lieferte seine Produkte unter anderem für berühmten Bauprojekte wie das welthöchste Hochhaus „Burj al Arab“ oder das „Atlantis Hotel“. (reuters/apa/red)

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