Krisenstrategien

Coronavirus: Wie Industriekunden um den Wiederanlauf des italienischen Endress+Hauser-Werks rangen

"In Deutschland und der Schweiz produzieren wir voll“ sagt der Leiter Marketing/Solution/IT des Prozessautomatisieres Endress+Hauser, Clemens Zehetner, im Interview. Wie man selbst das italienische Werk mitten im kompletten Shutdown wieder zum produzieren brachte.

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Clemens Zehetner, Leiter Marketing/Solution/IT, Endress+Hauser: "In schriftlichen Statements bestätigten Kunden die Relevanz, die die dort hergestellten Temperaturmessgeräte für ihre Arbeit haben."

INDUSTRIEMAGAZIN: Herr Zehetner, vorweg: Geht es der Belegschaft gut?  

Clemens Zehetner: Ja, unserer Belegschaft geht es gut. Der überwiegende Teil ist im Homeoffice, sogar unsere Telefonzentrale wird vom Homeoffice aus übernommen. Unsere Servicetechniker sind weiterhin beim Kunden unterwegs, da sie ja auch dafür sorgen, dass notwendige Produktionen weiterhin funktionieren beziehungsweise in Betrieb gehen. Außerdem ist unsere Warenannahme besetzt. Personen, die der Risikogruppe zu zuordnen sind, wurden bereits vor dem Regierungserlass ins Homeoffice geschickt. 

Sie fertigen unter anderem in Produktionswerken in Deutschland, der Schweiz, Italien und Frankreich. Wie ist dort die Siuation? 

Zehetner: In Deutschland und der Schweiz produzieren wir voll. Wie schnell sich die Situation binnen wenigen Tagen ändern kann, negativ und auch äußerst positiv, sieht man in Italien. Im Werk in Pessano  werden hauptsächlich Temperaturfühler produziert. Am 22. März wurden alle nicht lebensnotwendigen Produktionen in der Region geschlossen. Diese Maßnahme wurde zuerst bis dritten April beschränkt, dann auf 13. April verlängert. Durch konstruktive Kommunikation und die Unterstützung unserer Kunden erwirkten wir jedoch, seit gestern, Montag, wieder produzieren zu können. In schriftlichen Statements bestätigten Kunden vor allem aus der Lebensmittel- und Pharmaindustrie den Behörden die Relevanz, die die dort hergestellten Temperaturmessgeräte für ihre Arbeit haben. 

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Am französischen Standort Cernay, an dem magnetisch induktive Durchflussmessgeräte produziert werden, hatten wir Einbußen, konnten wir aber auch hier wieder die Produktion steigern.  

Wie läuft die Kommunikation mit Kunden? 

Zehetner: Wir sind in einem sehr engen Kontakt mit unseren Kunden. Wir sind für unsere Kunden per Telefon als auch per E-Mail sehr gut erreichbar. Wir sind technisch sehr gut ausgerüstet und hatten, durch zeitgerechte Vorbereitung der Firmengruppe, sehr schnell die Möglichkeit von heute auf morgen im großen Stil auf Homeoffice zu gehen. Außerdem hat jeder Kunde die Möglichkeit sehr viel auf der Homepage direkt selbst zu erledigen, beispielsweise Angebote erstellen, Rechnungen und Lieferscheine finden, CAD Zeichnungen laden. 

Lassen sich schon preisliche Einschätzungen zu den nächsten Monaten treffen? 

Zehetner: Im Moment ist die Prognose über eine zukünftige Entwicklung über mehrere Monate hinweg nicht möglich. Zu unklar ist noch die Situation auf allen Gebieten. Allerdings wünschen wir uns alle möglichst stabile Preise. Ich freue mich, wenn wir bald wieder alle sicher in unsere Firmen in die Büros zurückkehren können und auch Betreuungseinrichtungen und Schulen den Betrieb wieder aufnehmen. 

Vielen Dank für das Gespräch!

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