Textilindustrie

Coronavirus: Notfallplan bei Lenzing - Miba und Agrana produzieren weiter

Österreichische Industriekonzerne mit großen Standorten in China sind alarmiert und beobachten die Situation - in Bayern meldet ein Autozulieferer die erste Erkrankung in Deutschland. Demnach hat sich ein Mitarbeiter über eine Geschäftsreisende aus China angesteckt.

Das Coronavirus aus China betrifft auch einige große österreichische Industriekonzerne, die Werke in China haben. Sie sind alarmiert und beobachten die Situation genau.

Chinas Behörden: Leichte Fälle innerhalb einer Woche heilbar

Die chinesischen Behörden gaben unterdessen bekannt, dass zur Genesung von leichten Coronavirus-Symptomen eine Woche ausreichend ist. Die Todesrate dürfte bei unter drei Prozent liegen. In China gibt es bisher 106 Virus-Tote.

Lenzing hat Notfallplan aktiviert

Der Faserhersteller Lenzing hat bereits den internen Gesundheitsnotfallplan aktiviert. Beim ebenfalls oberösterreichischen Industriezulieferer Miba hat die Betriebsärztin die Mitarbeiter zu Vorsichtsmaßnahmen instruiert. Allerdings sind nach derzeitigem Kenntnisstand weder bei Lenzing noch bei Miba Mitarbeiter erkrankt.

Die börsennotierte Lenzing beschäftigt im Faserwerk in Nanjing (300 Kilometer von Shanghai entfernt) sowie in einem Büro in Hongkong zusammen rund 500 Mitarbeiter (Vollzeitäquivalente). "Bei uns ist bereits der Health Emergency Plan aktiviert", sagte Sprecher Filip Miermans zur APA. Es gebe "sehr strenge Kontrollmaßnahmen" bezüglich Gesundheit, Lenzing achte genau darauf, wie es der Belegschaft geht, wo die Mitarbeiter unterwegs sind.

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Büromitarbeiter arbeiten von zu Hause aus

Die Büromitarbeiter beginnen ab 3. Februar wieder zu arbeiten, allerdings von zu Hause aus. Das genaue Datum, "wann wir zum Normalbetrieb übergehen", werde kurzfristig kommuniziert, so der Lenzing-Sprecher. Er verwies auf den Zwangsurlaub, den die Stadtregierung von Shanghai privaten und öffentlichen Firmen bis 9. Februar verhängt hat. Das Lenzing-Werk in Nanjing laufe aber.

Miba: Keine speziellen Warnungen  

Auch bei Miba ist das Virus derzeit ein Thema - denn der Hersteller beschäftigt 1.100 Menschen in China, der heimische Konzern hat Standorte in Suzhou in der Nähe von Shanghai und in Shenzhen nahe Hongkong.

Miba hat wegen des Coronavirus keine speziellen Warnungen geplant. Jedoch habe die Betriebsärztin Informationen ins Intranet gestellt, was aus gesundheitlicher Sicht zu beachten ist, so Unternehmenssprecher Wolfgang Chmelir auf APA-Anfrage. Da gibt es etwa allgemeine Hinweise zur Hygiene sowie das Ersuchen, einen Arzt zu kontaktieren, falls man mögliche Coronasymptome spürt.

Miba-Mitarbeiter, die vorgehabt haben, dieser Tage nach China zu reisen, seien angehalten zu verschieben, da die Reiseplanung derzeit schwierig sei, sagte der Sprecher. Auch bei Lenzing ist schon eine "interne Reisewarnung" ausgesprochen worden.

Agrana: "Bis jetzt keine Auswirkungen auf unsere Produktion"

Auch der börsennotierte heimische Frucht-, Zucker- und Stärkekonzern Agrana ist in China vertreten und wegen des Coronavirus in Kontakt mit dortigen Behörden. Derzeit steht die Produktion aufgrund der Neujahrsferien, die die Regierung bis 2. Februar verlängert hat, still. "Wir werden die Situation vor Produktionsbeginn ab Februar neu bewerten", teilte Agrana-Sprecher Markus Simak der APA mit. "Das Coronavirus hat bis jetzt keine Auswirkungen auf unsere Produktion." Bis zuletzt sei alles ohne Einschränkung gelaufen.

Agrana unterhält in China drei Produktionsstandorte, an denen rund 380 Mitarbeiter tätig sind. In den beiden Fruchtzubereitungswerken in Dachang (Region Peking) und Changzhou (Region Shanghai) stellen die Österreicher Fruchtzubereitungen für die Molkereiindustrie her, im Werk in Xianyang (Region Shaanxi) produziert die Agrana Fruchtsaftkonzentrate für Getränkehersteller.

Verdachtsfälle in Wien negativ - bestätigter Fall in Bayern

Wien/München/Peking - In Wien haben sich auch die nächsten beiden Coronavirus-Verdachtsfälle als negativ herausgestellt. Damit besteht nur noch ein Verdachtsfall in Klagenfurt.

In Bayern hat sich ein Verdachtsfall bestätigt. Dies ist der erste Fall einer Infektion in Deutschland. Ein Mitarbeiter des Herstellers Webasto hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Webasto ist ein Autozulieferer, der unter anderem auch an Ladesäulen für Elektroautos arbeitet und seine Firmenzentrale im Landkreis Starnberg in Bayern in der Nähe von München und Salzburg hat.

Wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München mitteilte, befindet sich der Mann in einem guten Zustand. Er habe sich über eine Besucherin aus China angesteckt, die zu einer Fortbildung in der Firma Webasto gewesen sei, wie die dpa berichtet.

(red mit Material von APA, Reuters, dpa)

Grafik: Das Wichtigste zum Coronavirus auf einen Blick

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