Virenerkrankung

Coronavirus: Chinas Autobranche stemmt sich gegen Absatzeinbruch

Die Virus-Krise wird auf dem weltgrößten Automarkt China nach Einschätzungen aus der Branche Absatz und Produktion zumindest kurzfristig einbrechen lassen.

Im ersten Quartal würden wohl 15 Prozent weniger Fahrzeuge gebaut als zuletzt, sagte Joseph Massaro, Finanzchef des Zulieferers Aptiv, am Freitag. Derzeit gehe er aber davon aus, dass dies im weiteren Jahresverlauf weitgehend wieder aufgeholt werden könne und die Produktion im Gesamtjahr lediglich um drei Prozent schrumpfe. Eigentlich sollte es 2020 für die Branche in China wieder aufwärts gehen - nach zwei Jahren mit sinkenden Absätzen in Folge einer schwächelnden Wirtschaft, den Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China sowie einer chaotischen Einführung neuer Abgas-Vorschriften. 

Regional sind die Virus-Folgen schon jetzt spürbar: In der Provinz Hubei, in der der Virus-Ausbruch seinen Anfang nahm, stehen viele Bänder bei den Autobauern still. Grund dafür sind die Abschottungs-Anordnungen der Behörden, durch die das öffentliche Leben stark eingeschränkt ist. Hubei ist ein Zentrum der chinesischen Auto-Industrie: Rund neun Prozent der in der Volksrepublik gebauten Fahrzeuge kommen von dort, global tätige Autobauer wie Honda, Renault, PSA Peugeot, Nissan und General Motors haben dort zusammen mit Partnern Werke. Honda hat es ebenso wie PSA und Renault offen gelassen, wann dort die Produktion wieder anlaufen könnte. Nissan und GM äußerten sich zunächst nicht. 

Vieles ist für die Hersteller auch noch nicht absehbar. Bisher gibt es in China rund 200 Virus-Tote und knapp 10.000 Erkrankungen. Experten erwarten aber, dass die tatsächliche Verbreitung des Erregers erst im Februar voll sichtbar werden wird. Deshalb bleibt derzeit offen, ob die Virus-Folgen auf die Lust der Verbraucher zum Neuwagen-Kauf durchschlagen werden und wann die Beschäftigten in den Fabriken angesichts der von der Regierung verhängten Beschränkungen für die Bewegungsfreiheit wieder zur Arbeit kommen können. Auch ist unklar, ob und wie lange weltweite Lieferketten unterbrochen werden könnten. Und diese Frage stellt sich nicht nur für China. So erklärte Hyundai bereits, in seinem Werk in Südkorea die Produktion an diesem Wochenende einzuschränken, weil die Zulieferung stocke. 

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Der chinesische Branchenverband CPCA stellte angesichts der Entwicklung seine bisherige Jahresprognose eines Absatz-Wachstums von einem Prozent in Frage. Zwar seien die Verkäufe in den ersten drei Jänner-Wochen noch okay gewesen, sagte CPCA-Generalsekretär Cui Dongshu. Der erwartete Ansturm in den letzten Jänner-Tagen nach dem chinesischen Neujahrsfest sei aber ausgeblieben. "Damit werden wir unvermeidlich einen deutlichen Absatz-Rückgang sehen." Um in der Virus-Krise größere Menschen-Ansammlungen zu vermeiden, hat die Regierung die Ferien rund um das Fest um drei Tage bis zum 2. Februar verlängert. Viele Firmen haben ihre Mitarbeiter sogar aufgefordert, nicht vor dem 10. Februar wieder zur Arbeit zu kommen. Die Verlängerung der Feiertage hat dazu geführt, dass viele Händler entgegen der üblichen Praxis darauf verzichtet haben, Fahrzeuge in großer Zahl zu ordern, da sich abzeichnete, dass die Verkaufsräume verwaist bleiben. 

Der Branchenexperte Yale Zhang von Beratungsunternehmen AutoForesight sieht in der Krise indes auch eine Chance: da in manchen Regionen der öffentliche Nahverkehr ausgesetzt sei, könnten sich nun mehr Chinesen auf die Vorteile besinnen, die ein eigenes Auto habe. Statistisch haben die Chinesen noch Aufhol-Bedarf: während es in der Volksrepublik statistisch 170 Autos pro 1.000 Einwohner gibt, sind es in den USA 800. (APA/red)

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