Elektroindustrie

Coronakrise trifft ABB - Kündigungen nicht mehr ausgeschlossen

Der Schweizer Industrieriese mit großen Standorten in Österreich legt bessere Quartalszahlen vor ales erwartet - doch für die kommenden Monate herrscht alles andere als Optimismus. Inzwischen schließt Konzernchef Rosengren auch Kündigungen nicht aus.

Der Schweizer Elektronikkonzern ABB erwartet in den kommenden Monaten starke Belastungen durch die Folgen der Coronakrise. Die Nachfrage dürfte spürbar zurückgehen, sagte der neue Vorstandschef Björn Rosengren bei der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal.

Gutes erstes Quartal

Zum Jahresauftakt schlug sich ABB teils besser als erwartet - etwa beim Auftragseingang. Nach Bekanntgabe der Zahlen legten die Aktien von ABB in einem freundlichen Marktumfeld um fünf Prozent zu.

Im ersten Quartal konnte ABB die Bestellungen noch auf vergleichbarer Basis um ein Prozent steigern. Die Ergebnisse seien besser als erwartet, erklärten Experten der Deutschen Bank. Viele Analysten hatten mit einem Rückgang um rund sieben Prozent gerechnet.

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Positiv sei auch zu werten, dass ABB den Verkauf der Stromnetzsparte an Hitachi weiter bis Ende des zweiten Quartals abschließen und auch an dem Aktienrückkaufprogramm festhalten wolle, betonte Citi-Experte Martin Wilkie.

Gleichwohl schrumpfte der Umsatz um 9 Prozent auf 6,2 Mrd. Dollar (5,7 Mrd. Euro) und der Nettogewinn um fast ein Drittel auf 376 Mio. Dollar.

Pessimismus beim Blick auf das zweite Quartal

Die Jahresprognose hatte der seit Anfang März amtierende Rosengren bereits zuvor gestrichen. "ABB gibt derzeit keine Prognosen für das Gesamtjahr 2020 ab", bekräftigte der Konzern nun.

Das Unternehmen gehe davon aus, dass das Ergebnis im zweiten Quartal erheblich beeinträchtigt werde. Auftragseingang und Umsatz dürften gegenüber dem Vorquartal in allen Geschäftsbereichen deutlich sinken.

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Wie sich ABB-Boss Rosengren gegen die Folgen der Corona-Krise stemmt >>

Schwierig ist etwa die Lage der Sparte Robotik & Fertigungsautomation, die mit der Flaute im Automobilsektor zu kämpfen hat. Auch im Bereich Öl und Gas schwächte sich die Nachfrage ab. Der Haus- und Gebäudesektor verlor an Schwung, weil Bauunternehmen aufgrund von Quarantänemaßnahmen zunehmend in ihrer Tätigkeit eingeschränkt gewesen seien.

Konzernchef: Stellenabbau ist nicht auszuschließen

Bis jetzt hat der Konzern mit weltweit rund 144.000 Beschäftigten keinen Stellenabbau in der Krise vorgenommen. Eine Garantie, dass das so bleibt, gibt Rosengren nicht. ABB müsse seine Kostenstruktur im Auge behalten, sagte der Schwede. Stellenstreichungen und Kurzarbeit seien nicht ausgeschlossen. (reuters/apa/red)

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