Konjunktur

Coronakrise: Industriellenvereinigung pessimistischer als Wifo und IHS

Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung sei ohne historisches Vorbild, so Christian Helmenstein von der Industriellenvereinigung: In der Coronakrise überlagern sich die Schocks bei Angebot und Nachfrage. Für Österreich erwartet Helmenstein ein Minus von über sieben Prozent.

Christian Helmenstein, Chefökonom der Industriellenvereinigung (IV), rechnet für heuer mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7,6 Prozent - sofern Corona weiter eingedämmt wird. Damit ist er deutlich pessimistischer als IHS und Wifo ihrer Prognose vom 26. März (minus 2 bzw. minus 2,5 Prozent) und auch als der IWF vergangene Woche (minus 7 Prozent).

"Das sind 31 Mrd. Euro", sagte Helmenstein, der "Krone". Der Wirtschaftseinbruch dürfte nach Rechnung des Ökonomen somit doppelt so stark ausfallen wie jener der Finanzkrise 2008/09, erklärte er der "Wiener Zeitung" und dem "profil". Das Tempo der aktuellen Krise habe kein Vorbild, weil sich die Schocks bei Angebot und Nachfrage überlagerten.

Hoochfahren nur zusammen mit Deutschland und Italien

Das Hochfahren der heimischen Betriebe sollte nach Ansicht Helmensteins gemeinsam mit den großen Handelspartnern Deutschland und Italien erfolgen, "damit überhaupt eine Nachfrage da ist". Und, so eine weitere Bedingung, es dürfe keinen Shutdown in den USA, dem zweitgrößten Markt Österreichs, geben. Neben den Abnehmern müssten auch die Zulieferketten für Vormaterialien wieder funktionieren.

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Einige Branchen werden freilich länger leiden. Für Tourismus und Luftfahrt geht Helmenstein davon aus, dass sie erst 2023/24 wieder Vorkrisenniveau erreichen. Der Einzelhandel werde vermutlich nie mehr so viele Mitarbeiter brauchen wie zuletzt. Wenn nicht durch eine Qualifizierungsoffensive oder eine Art neuer Frühpension gegengesteuert werde, drohe eine hohe Sockelarbeitslosigkeit, so der IV-Experte.

Helmenstein: Arbeitslosigkeit bleibt, Globalisierung steigt

Wegen des teuren, aber sehr guten Kurzarbeitsmodells werde die momentan hohe Arbeitslosigkeit auch sonst nur langsam sinken. Nach Meinung von Helmenstein brauchen wir nicht weniger, sondern mehr Globalisierung - durch Diversifikation von Produktionen, "damit wir das Klumpenrisiko der hohen Abhängigkeit von China verringern".

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Steuererhöhungen hielte der IV-Ökonom für schädlich und unnötig. "Nehmen wir an, wir würden zehn Prozentpunkte mehr Staatsverschuldung aufbauen. Dann würde es ausreichen, 2023 zu einem ausgeglichenen Budget zurückzukehren." Man könnte diese zehn Prozentpunkte zusätzlicher Staatsverschuldung mit einer Rate von zwei bis drei Prozentpunkten pro Jahr abbauen, "ohne dass wir Sparmaßnahmen setzen müssten, sondern indem wir danach wieder ein ausgeglichenes Budget erreichen würden." (apa/red)

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