Coronavirus

Corona: Österreichs Industriekonzerne testen und warten auf den Impfstoff

Die meisten Großkonzerne der österreichischen Industrie testen ihre Belegschaft regelmäßig und bereiten sich auf großflächige Impfungen ein. Strabag, Porr und Voestalpine wollen ihre Mitarbeiter so schnell wie möglich impfen. Informationen über den Zugang dazu fehlen der Industrie aber.

Die Großkonzerne der heimischen Industrie, die zehntausende Mitarbeiter beschäftigen, testen ihre Belegschaft weitgehend regelmäßig auf Corona und stellen sich bereits auf großflächige Impfungen ein. Informationen über den Zugang zum Impfstoff fehlen in der Privatwirtschaft aber so gut wie durchgängig.

Strabag wartet auf Impfungen

Österreichs größter Baukonzern Strabag mit weltweit knapp 80.000 Beschäftigten hofft auf baldige Impfmöglichkeiten. "Natürlich streben wir an, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rasch Zugang zur Impfung erhalten", sagte Unternehmenssprecherin Marianne Jakl zur APA. Grundsätzlich würden im Unternehmen über die Arbeitsmedizin diverse Impfungen wie etwa die Grippeschutzimpfung angeboten. "Ob es bei der Covid-Vakzine auch Sinn macht, diese über unser bestehendes Netzwerk anzubieten, müssen wir erst mit den Experten prüfen", so Jakl. Ein generelles Problem stellt derzeit beispielsweise die Tiefkühlerfordernis bei minus 80 Grad für den Impfstoff dar, auch in der Logistik.

Corona-Tests werden in der Strabag - "entsprechend unserer dezentralen Organisationsstruktur" dezentral organisiert. "Im neuen Jahr haben wir eine umfassende Testung unseres Baustellenpersonals angeregt, damit der sichere Baustellenbetrieb gewährleistet werden kann", so die Unternehmenssprecherin. Aktuell zur Strabag: Großauftrag für die Strabag in Ungarn >>

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Porr: 20.000 Antigentests

Der Baukonzern Porr, der insgesamt fast 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, hat eigenen Angaben zufolge bereits rund 20.000 Antigentests in der Belegschaft durchgeführt. "Wir testen mit ausgebildeten ÄrztInnen, SanitäterInnen und diplomierten Krankenschwestern - die Kosten dafür trägt die Porr", berichtete Unternehmenssprecher Dominik Heiden. Getestet wird demnach "ausnahmslos bei allen Mitarbeitern" - im Angestelltenbereich ebenso wie beim gewerblichen Personal -, und zwar immer, wenn dies für Reisen erforderlich ist. Auch bei der Rückkehr aus Urlauben könnten sich sämtliche Arbeitnehmer testen lassen. Bei kritischen Projekten werde sogar wöchentlich bzw. anlassbezogen noch häufiger getestet. Corona-Tests vorgenommen würden bei Bedarf auch bei K2-Verdachtsfällen, bei Zusammenkünften von Mitarbeitern unterschiedlicher Standorte oder bei Meetings mit unternehmensfremden Personen.

Auch der zweitgrößte heimische Baukonzern Porr scharrt betreffend Impfung schon in den Startlöchern. "Wir möchten gerne so rasch als möglich unsere MitarbeiterInnen in allen Bereichen impfen", sagte Heiden zur APA. "Die Ressourcen dafür haben wir innerhalb des Konzerns, der Impfstoff fehlt", hielt er fest. Da derzeit noch kein Bezug des Vakzins möglich sei, könne er auch nichts zum Umfang, Zeitpunkt und geplanten Impfstoff sagen. Aktuell zur Porr: Bahnbau: Großauftrag für die Porr in Polen >>

Wienerberger: Impfungen auf freiwilliger Basis

Der weltgrößte Ziegelhersteller Wienerberger mit mehr als 17.000 Beschäftigten im In- und Ausland will dem Personal ebenfalls den Zugang zu Impfungen ermöglichen. "Prinzipiell haben wir vor, unseren Mitarbeitern auf freiwilliger Basis - analog zu den jährlichen Grippeimpfungen - auch eine Covid-19-Impfung anzubieten", so Konzernsprecherin Claudia Hajdinyak. "Hier stehen wir in Kontakt mit unserer Innung und dem uns betreuenden Arbeitsmedizinischen Dienst (AMZ)."

Mit dem AMZ bzw. der Betriebsärztin sei des Weiteren noch die technische Umsetzbarkeit zu evaluieren. "Abhängig von Art und Hersteller des Impfstoffes muss das Vakzin bei bis zu minus 80 Grad Celsius gelagert werden - wie hier die Impflogistik aussehen kann, muss erst erarbeitet werden", erklärte Hajdinyak und ergänzte: "Außerdem haben wir noch keinerlei Informationen darüber, wie und ob die durchgeführten Impfungen gemeldet werden müssen bzw. wie eine etwaige Eintragung über die E-Card in den elektronischen Impfpass (bzw. ELGA) erfolgen kann." Die Verfügbarkeit und Umsetzbarkeit seien derzeit noch unklar bzw. würden noch evaluiert.

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Umfangreich getestet wird auch bereits bei Wienerberger. "Wir arbeiten schon seit sechs Monaten mit einem Partnerlabor zusammen, wo sich Mitarbeiter sowohl nach beruflichen oder nach privaten Risikokontakten einem für sie kostenlosen PCR-Test unterziehen können", berichtete Hajdinyak. Auch bei unklaren Symptomen könnten sich Beschäftigte einem PCR-Test unterziehen - dabei komme eine Gurgellösung ohne das Labor zu betreten zum Einsatz. Weiters sei den Arbeitnehmern ein kostenloser PCR-Test im Zusammenhang mit einer Dienstreise vor deren Antritt und nach der Rückkehr möglich - "sofern diese statthaft und notwendig ist".

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"Nach dem Weihnachtsurlaub organisieren wir erstmals ein mobiles Testteam an unserem Headquarter-Betriebsstandort - hier können sich Mitarbeiter auf freiwilliger Basis einem Antigen-Schnelltest unterziehen, um (neben den bestehenden Corona-Schutzmaßnahmen - wie einer reduzierten Belegung) allen Kolleginnen einen sicheren beruflichen Start ins neue Jahr zu ermöglichen", berichtete die Konzernsprecherin weiters. Je nach Annahme des Angebots durch die Belegschaft werde nach einer Evaluierung entschieden, ob dieses Service in regelmäßigen Abständen angeboten werden soll oder kann. Dies sei auch abhängig vom Weiterbestehen der Testangebote der öffentlichen Organisationen bzw. Körperschaften.

Voestalpine: Impfangebot für Mitarbeiter

Auf freiwillige Impfungen innerhalb der Belegschaft setzt auch die Voestalpine, die weltweit zuletzt knapp 50.000 Arbeitnehmer beschäftigte. "Wir haben großes Interesse daran, das Impfangebot unseren Mitarbeitern, die das wollen, rasch zugänglich zu machen und werden dafür unsere betriebsmedizinische Infrastruktur zur Verfügung stellen", sagte Konzernsprecher Peter Felsbach zur APA. "Wir stellen alles auf, um schnell reaktionsfähig zu sein - wir haben großes Interesse, dass das rasch funktioniert", betonte der Konzernsprecher.

Für die Firmen im privatwirtschaftlichen Bereich hat das Thema Impfung insgesamt hohe Priorität und sie wollen ihre eigenen betriebsmedizinischen Einrichtungen dafür nützen. Die Konzerne verfügen aber offenbar noch über wenig Informationen vonseiten der zuständigen Stellen, auf die sie ihre etwaigen Umsetzungspläne abstimmen könnten. Auch aus der voestalpine hieß es: "Wir sind in internen Planungen, aber in Warteposition."

OMV: Impfungen über eigene Betriebsärzte

Die OMV, ein teilstaatliches Unternehmen der kritischen Infrastruktur, ist vorbereitet, die Impfdosen über die eigenen Betriebsärzte zu verimpfen. Die Beschaffung des Impfstoffes erfolge über die Bundesbeschaffungsagentur, der Bedarf sei bereits angemeldet worden. Ziel sei es, allen Beschäftigten eine Impfung anzubieten. Bei der Österreichischen Post, die ebenfalls zur kritischen Infrastruktur gehört, werden die Impfdosen mit der zweiten Welle der Impfungen erwartet, die Struktur, um diese dann konzernintern zu verabreichen, sei ebenfalls vorhanden. Gleiches vermeldet auch die teilstaatliche Telekom Austria, auch hier sei man in der Lage, die Impfungen selbst durchzuführen, wie dies schon bei der Grippe-Impfung angeboten werde. Welche Mengen welchen Impfstoffes und auch Fragen der Logistik - Stichwort Kühlung - sei noch in Abklärung mit den zuständigen Behörden.

Asfinag und ÖBB: Abklärungen laufen

Auch bei der Autobahnholding Asfinag, ebenso kritische Infrastruktur, ist man mit der Bundesbeschaffungsagentur im Abklären, wie viele Dosen benötigt werden. Zur Nadel greifen dann auch hier die Betriebsärzte. Und auch bei den ÖBB spritzen die Eisenbahner selbst, die Impfstoffzustellung werde durch die Behörden erfolgen. Beim Zuckerkonzern Agrana wird ebenfalls hausintern die Möglichkeit zur Impfung angeboten, derzeit wird der Bedarf erhoben. Der Diskonter Hofer arbeitet mit Wirtschaftskammer und Handelsverband an einer Möglichkeit, auf betrieblicher Basis den Impfstoff zu verabreichen. Auch Rewe (Billa, Adeg, Bipa, Merkur) verweist darauf, dass man als Teil des Lebensmittelhandels als kritische Infrastruktur eingestuft werde und für die Impfphase von Februar bis April vorgesehen sei, Gespräche über die Zuteilung würden stattfinden. (apa/red)

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