Autozulieferer

So will Continental Kautschuk in Autoreifen mit Löwenzahn ersetzen

Autozulieferer Continental will tropischen Kautschuk durch Materialien aus Europa ersetzen. Besonders beim Russischen Löwenzahn könnte der Ertrag schon bald so hoch sein wie auf tropischen Plantagen, meinen Forscher.

Der deutsche Reifenhersteller Continental will Kautschuk aus Löwenzahnwurzeln gewinnen. Versuche hätten gezeigt, dass Russischer Löwenzahn als Quelle des Reifen-Rohstoffs mit dem tropischen Kautschukbaum mithalten könne, sagte Dirk Prüfer von der Universität Münster.

Die Technologie haben Wissenschafter der Uni Münster, des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, Pflanzenzüchter, das Julius-Kühn-Institut Quedlinburg sowie Continental gemeinsam entwickelt. Ein erstes Forschungslabor soll in der Stadt Anklam im norddeutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern eröffnet werden.

Naturkautschuk ist heute noch für Lkw-Reifen und Winterreifen für Pkw unerlässlich. Der Kautschukgehalt des Russischen Löwenzahns sei wesentlich höher als der der einheimischen Pflanze. Landwirte in einer Versuchsregion in Mecklenburg-Vorpommern bauen nun die Pflanze auf rund 30 Hektar an. Das Versuchslabor im äußersten Nordosten Deutschlands soll bis zu 20 Mitarbeiter beschäftigen.

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Folgend ein Bericht über Contis Versuche mit Löwenzahn

Die weiße Pflanzenmilch im Löwenzahn klebt: Sie enthält Kautschuk. Der Reifenhersteller Continental will sich dies zunutze machen und künftig Kautschuk für Autoreifen aus Löwenzahnwurzeln statt ausschließlich aus tropischen Kautschukbäumen gewinnen. Versuche dazu gab es schon in den 1930er Jahren unter anderem in der Sowjetunion sowie während und nach dem Zweiten Weltkrieg.

Doch es haperte an geeigneten Pflanzen und einer vernünftigen Extraktionstechnik, wie Professor Dirk Prüfer von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sagt. Er ist Leiter eines Teams, das gemeinsam mit dem Reifenproduzenten nach Möglichkeiten suchte, den Kautschuk aus Löwenzahnwurzeln zu extrahieren. will Continental im mecklenburg-vorpommerschen Anklam ein Forschungs- und Versuchslabor zur Kautschukgewinnung eröffnen. Naturkautschuk ist heute noch für Lkw-Reifen sowie Winterreifen für Pkw unerlässlich.

An dem Projekt haben Wissenschaftler der Universität Münster und des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, das Julius-Kühn-Institut Quedlinburg und Continental sowie Pflanzenzüchter jahrelang gearbeitet. Als Rohstoff dient Russischer Löwenzahn, der kleiner ist, aber einen viel höheren Kautschukgehalt besitzt als die einheimische Pflanze, wie Prüfer erläutert. Die Wurzel bestehe zu etwa 15 Prozent aus Kautschuk. "Schon bei den ersten Experimenten zeigte sich, dass der Kautschuk so gut ist wie vom Kautschukbaum", sagt der Wissenschaftler. Inzwischen sei der Löwenzahn züchterisch so optimiert worden, dass der Gehalt an Inhaltsstoffen stabil ist.

Eine ganze Stadt in Mecklenburg-Vorpommern macht mit

Bei der Standortwahl für das Versuchslabor, das "Taraxagum Lab" nach dem lateinischen Namen Taraxacum für Löwenzahn, half der Zufall mit. Prüfer stellte die Idee 2013 in Anklam auf Biotechnologietagen vor und stieß in der Stadt auf Interesse. Alles weitere ergab sich: Geeignete Böden und große Flächen in der Umgebung, Landwirte, die zum Anbau des "Unkrauts" bereit waren, sowie Erfahrungen in der Stadt mit der Verarbeitung von Wurzeln - von Zuckerrüben. In Anklam produziert die einzige Zuckerfabrik Mecklenburg-Vorpommerns.

2017 bauten Landwirte von vier Unternehmen rund um das nahe gelegene Ducherow erstmals in größerem Umfang Löwenzahn an, auf etwa 30 Hektar. Anfang der Woche erntete die Ducherower Agrar GmbH ihre zwölf Hektar große Fläche ab, wie ein Mitarbeiter sagt. Das Blattgrün bleibe auf dem Acker, die Wurzeln würden nach Anklam gebracht. Sorgen, dass der Löwenzahn sich in der Region jetzt überall verbreitet, gebe es in der Bevölkerung nicht. Der Russische Löwenzahn wildert nicht aus, wie Prüfer versichert.

Ähnliche Erträge wie auf tropischen Plantagen als Ziel

Ziel seien größere Wurzeln und ein Ertrag von einer Tonne Kautschuk pro Hektar. Das entspräche dem Ertrag auf Kautschukplantagen, vergleicht Prüfer. Geerntet werden die Wurzeln vorläufig mit einer Karottenerntemaschine. "Es muss aber eine spezielle Erntemaschine gebaut werden", sagt er.

Im Labor werden die Wurzeln in Mühlen mit Wasser zerquetscht, wobei der Kautschuk ausgewaschen wird, ohne dass giftige Lösungsmittel nötig seien. Die Rückstände können in die Biogasanlage gehen oder zu Bioethanol verarbeitet werden. Auch das ist Prüfer zufolge ähnlich wie bei der Zuckerrübenverarbeitung. (dpa/apa/red)

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