Zulieferer

Continental will auch Bauwirtschaft und Möbelbau entern

Continental will sich offenbar unabhängiger von Aufträgen der Autoindustrie machen: Der Zulieferer zahlt laut Eingeweihten 400 Mio. Euro für die Übernahme des deutschen Folienhersteller Hornschuch. Die Firma macht über die Hälfte ihres Umsatzes mit der Möbel- und Bauindustrie.

Der deutsche Autozulieferer Continental übernimmt den Folien- und Kunstleder-Hersteller Hornschuch und will sich damit von den Autoherstellern unabhängiger machen. Insidern zufolge zahlt der Konzern aus Hannover rund 400 Mio. Euro für das Unternehmen aus Weißbach bei Heilbronn an den Finanzinvestor Equistone.

Anggliederung an den Oberflächenspezialisten Benecke-Kaliko

Hornschuch wird an den zu ContiTech gehörenden Oberflächenspezialisten Benecke-Kaliko angegliedert, wie Continental am Wochenende mitteilte. Mehr als die Hälfte des Umsatzes von 410 Mio. Euro erwirtschaftet Hornschuch mit der Möbel- und Bauindustrie. "Damit stärken wir unser globales Geschäft außerhalb der Automobilindustrie", erklärte ContiTech-Chef Hans-Jürgen Duensing.

Continental kommt mit Möbelbau und Baubranche ins Geschäft

Hornschuch war vor allem mit Möbelklebefolien und Kunstleder bekannt geworden. Heute produziert das 1905 gegründete Unternehmen mit rund 1.800 Beschäftigten auch Kunstleder-, Schaumstoff- und Folien-Beschichtungen, wie sie sich auf Autositzen, Sichtblenden und Armaturenbrettern finden. Hornschuch erwartet 2016 einen operativen Gewinn von rund 50 Mio. Euro. Benecke-Kaliko hatte sein Geschäft mit Möbelfolien 2008 verkauft.

White Paper zum Thema

Das Unternehmen aus Hannover wächst mit dem größten Zukauf in der Firmengeschichte kräftig. Im vergangenen Jahr setzte Benecke-Kaliko rund 550 Mio. Euro um, mit Hornschuch ist ein Milliardenumsatz in Reichweite. Unter Dach und Fach ist die Übernahme allerdings voraussichtlich erst im nächsten Jahr. Das Kartellamt muss vorher noch zustimmen. Continental erwarte dabei aber keine Probleme, sagte eine Sprecherin.

Finanzfirma stieg 2008 ein

Die ehemals börsennotierte Hornschuch gehört Equistone schon seit 2008 - für einen Finanzinvestor ist das eine lange Haltedauer. 20 Prozent der Anteile lagen beim Management, das nun ebenfalls an Conti verkauft. Hornschuch hatte zunächst stark unter der Krise in der Autoindustrie gelitten.

Doch mit der Übernahme des US-Folienherstellers O'Sullivan Films 2010 baute das Unternehmen sein Geschäft kräftig aus. Das Standbein in Nordamerika war für Conti ein Grund für den Kauf. "Durch das international sehr gut ausgebaute Vertriebsnetz der Hornschuch-Gruppe können wir Kunden für unsere Produkte künftig auch dort erreichen, wo wir aktuell noch nicht so stark vertreten sind", erklärte Benecke-Kaliko-Chef Dirk Leiß. (APA/Reuters/red)

Verwandte tecfindr-Einträge