Automobilzulieferer

Continental: "Grüne" Reifen-Strategie bis 2050

Was Naturkautschuk aus Löwenzahn und pflanzliche Öle mit Autoreifen zu tun haben.

David O'Donnell Nachhaltigkeit Continental Automobilzulieferer

Der deutsche Autozulieferer Continental will sein Reifenangebot in den kommenden Jahren auf schonendere Nutzung natürlicher Ressourcen und mehr Energieeffizienz ausrichten. Vom Rohstoffbezug über die Bauart bis zur Wiederverwertung soll ein durchgängig nachhaltiges Konzept zum Zug kommen.

Vorerst geht es bei dem zugehörigen Reifen um eine Studie - der Dax-Konzern aus Hannover plant jedoch schon eine möglichst breite Anwendung der Technologien und Verfahren.

Nachhaltige Materialien und recycelte Roh- und Werkstoffe

Ziel sei es, mittelfristig die weltweite Produktion "vollständig auf den Einsatz nachhaltiger Materialien umzustellen", erklärte der Chef des Geschäfts mit Reifen-Erstausrüstungen für Pkw, David O'Donnell. Über die gesamte Wertschöpfung sollten nachwachsende sowie recycelte Roh- und Werkstoffe auf "einen besonders hohen Anteil" ausgebaut werden. Viele Reifen könnten zudem dank neuer Leichtbau-Designs und spezieller Laufstreifen effizienter und langlebiger sein. Bis 2030 wolle man hier eine führende Rolle spielen. Ab spätestens 2050 sollten dann nur noch nachhaltig erzeugte Stoffe eingesetzt werden.

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Für die herkömmliche Gummiproduktion sind vor allem Kautschuk und Kunststoffe nötig. Die Beschaffung klassischen Naturkautschuks ist wegen des großflächigen Anbaus in Südostasien problematisch, wo Agrarflächen oft auf Kosten von Waldflächen gehen und es Kritik an den sozialen Bedingungen auf Plantagen gibt. Die Transportwege sind zudem weit - mit entsprechendem CO2-Ausstoß. Für viele Reifengemische werden überdies chemische Verbindungen gebraucht, bei denen Erdöl und weitere kohlenstoffhaltige Substanzen als Grundmaterialien dienen.

"Green Concept"

So ist vorgesehen, mehr Naturkautschuk aus Löwenzahn zu gewinnen. Auf Öl basierende Stoffe sollen stärker durch ähnlich einsetzbare, aber nachwachsende Ressourcen ersetzt werden - etwa aus pflanzlichen Ölen oder Harzen. Auch Goodyear ist aktiv: Die US-Amerikaner untersuchten Zuckerrohr als möglichen Ausgangsstoff.

Auf der anderen Seite soll Recycling zunehmen - von Stahlteilen und Ruß, aber auch von Kautschuk und Polyester-Kunststoffen. Conti hatte angekündigt, ab 2022 schrittweise PET aus recycelten Flaschen in seine Fertigung einzuspeisen. Reifenhersteller brauchen solche verformungsfähigen Stoffe und versuchen, Teile der Produktion auf Recycling-Materialien umzustellen. Michelin tat sich mit dem Partner Enviro zusammen, um Ruß und weitere Stoffe zurückzugewinnen. Recyceltes Plastik wollen die Franzosen ab 2024 einsetzen.

Schließlich soll die Lebensdauer der Reifen erhöht werden. Weniger Gewicht und Rollwiderstand könnten dies ermöglichen, wodurch Autos dann auch weniger Sprit oder Strom verbrauchen, heißt es bei Conti. Das in München vorgestellte Konzeptmodell sei um "bis zu 40 Prozent leichter als ein heutiger Standardreifen" - machbar sei das vor allem durch eine optimierte Konstruktion bei weniger Materialeinsatz.

Die traditionelle Reifensparte gehört bei Continental derzeit zu den profitabelsten Bereichen. Allerdings ist der Wettbewerbsdruck insbesondere in Europa hoch, in einigen Werken wird die Produktion daher gekappt, etliche Stellen fallen weg. Nachhaltigere und effizientere Reifen sieht das Unternehmen allerdings auch als große Geschäftschance - speziell in Autos mit alternativen Antrieben, deren Steuerung und Vernetzung eine energiesparende Fahrweise fördern soll. (apa/red)