Zulieferindustrie

Continental glaubt an einen Neustart nach dem "Coronacrash"

Der zweitgrößte Autozulieferer der Welt will heuer die Verluste des Krisenjahres hinter sich bringen. Probleme bereitet allerdings der teure Konzernumbau, aber auch der aktuelle Chipmangel.

Nach einem erneuten Verlustjahr durch Corona-Einbußen und den teuren Konzernumbau will der deutsche Autozulieferer Continental 2021 endlich die Wende schaffen. Die schlimmste Phase der abgesackten Nachfrage und verminderten Produktion in der Branche sei inzwischen vermutlich überwunden, hieß es bei der Vorstellung der vorläufigen Jahreszahlen in Hannover. Conti gab sich mit Blick auf die kommenden Monate daher optimistisch - blieb aber dennoch vorsichtig.

Das Dax-Unternehmen muss nämlich mit einigen weiteren Herausforderungen umgehen. Dazu gehört insbesondere, den anhaltenden Liefermangel bei Halbleitern für Elektronik und Sensorik in den Griff zu bekommen.

Beim Umsatz erwartet das Management um Vorstandschef Nikolai Setzer für das laufende Geschäftsjahr ein Wachstum auf rund 40,5 bis 42,5 Milliarden Euro - noch inklusive der per Spin-Off abzuspaltenden Antriebstechnik. Die um Sondereffekte bereinigte operative Marge des Konzerngewinns vor Zinsen und Steuern soll von 3,5 Prozent auf zwischen 5 und 6 Prozent zulegen. Analysten hatten bisher beim Umsatz im Schnitt für 2021 mit einem Wert am oberen Ende der Spanne gerechnet und bei der Marge sogar 6,9 Prozent auf dem Zettel. Dieses Jahr soll es nach Planungen des Managements auch wieder einen Nettogewinn geben.

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JPMorgan-Analyst Jose Asumendi sprach von einem starken Jahresende, aber auch von einem durchwachsenen Ausblick wegen Problemen mit Chips und in der Lieferkette. Jefferies-Experte Sascha Gommel sah den Barmittelzufluss im Jahr stark und über den Erwartungen. Die Prognose sei aber vorsichtig.

Weltweit zweitgrößter Zulieferer nach Bosch

Unterm Strich fiel bei dem nach Bosch zweitgrößten Zulieferer im vorigen Jahr ein Minus von knapp einer Milliarde (962 Mio.) Euro an, nach 1,22 Milliarden Euro Verlust 2019. Es hakte bei Bestellungen und in den Lieferketten. Im Tagesgeschäft knickte der bereinigte operative Gewinn (ber. Ebit) um fast 60 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro ein, der Umsatz sank um 15 Prozent auf 37,7 Milliarden Euro. Andererseits konnte Continental zum Beispiel bei den Technologien rund ums autonome Fahren von 2018 bis 2020 zusammengerechnet schon Aufträge über gut 9 Milliarden Euro einsammeln.

Im laufenden Jahr, das mit allerlei Unsicherheiten gespickt ist, soll es bergauf gehen. "Der Tiefpunkt liegt hinter uns", sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer. Conti hält Zuwächse für möglich, wird den Plänen zufolge aber noch nicht zum Geschäftsvolumen aus dem Vorcoronajahr 2019 zurückfinden. Aktuell sind bei Autoherstellern und -zulieferern zudem vor allem die Beschaffungsprobleme mit Elektronik-Bauteilen ein Problem. "2021 bleibt in Summe herausfordernd", erklärte Schäfer.

Problem Chipmangel

Halbleiter-Elemente stecken in jedem Auto. Sie werden im Zuge der weiteren Vernetzung mit immer mehr Assistenzfunktionen und Hochleistungssteuergeräten noch wichtiger. Continental legt für zusätzliche Logistik-Ausgaben voraussichtlich rund 200 Millionen Euro beiseite, die "fortwährenden Engpässe" blieben ein Thema. Es brauche eine Vorlaufzeit von fünf bis sechs Monaten, um die Chipproduktion wieder auf Nachfrageniveau zu erhöhen - aber um die Lager auch wieder auf Normalkapazität zu bringen, brauche es noch ein bisschen länger, sagte Schäfer im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Man wolle mehr vorbeugen, sagte Vorstandschef Nikolai Setzer: "Wir sind mit Halbleiterherstellern im Gespräch, um Lieferketten besser zu planen, vorausschauender solche Situationen zu antizipieren, bessere Lagerbestände aufzubauen und Frühwarnsysteme zu nutzen."

Mehr Geld für Roboterautos

Für das zukünftige Geschäft mit Systemen für das autonome und assistierte Fahren (ADAS) steckt der Konzern nun zwischen 200 und 250 Millionen Euro mehr in Forschung und Entwicklung. "Unser Ziel ist es, unsere Stärke bei den Aufträgen im Bereich Autonomes Fahren zu halten, darum investieren wir hier mehr", sagte Schäfer. Der Konzern hat in den vergangenen drei Jahren mit dem Auftragsvolumen von gut 9 Milliarden Euro geschätzt rund ein Viertel des Markts für sich einheimsen können. Und von 2022 bis 2024 soll sich der Markt für die Technik nochmal auf rund 70 Milliarden Euro verdoppeln.

Die Gesamtinvestitionen musste Continental im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel drücken. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wurden jedoch stabil gehalten. Heuer würden die Ausgaben für Sachinvestitionen auch wieder auf Normalniveau hochgefahren, sagte Schäfer. Eine Batteriezellproduktion ist dagegen weiter kein Thema für das Management.

Teurer Umbau für mehr Digitalisierung

2020 drückten auch der kostspielige Wandel in Richtung Software und Vernetzung sowie Abschreibungen auf frühere Zukäufe bei Conti 2020 auf die Bilanz. Das Unternehmen befindet sich im Großumbau, viele klassische Jobs fallen weg. Allein in Deutschland stehen bis zum Jahr 2029 rund 13.000 Arbeitsplätze im Feuer, weltweit sind es gut 30.000. Die Dividende soll für das abgelaufene Jahr wie bereits bekannt ausfallen.

Die Einsparungen zeigten sich bereits deutlich, sagte Finanzchef Schäfer. Vergangenes Jahr senkte das Unternehmen auch krisenbedingt die Fixkosten um 860 Millionen Euro. Ein Teil davon sei natürlich durch Maßnahmen wie Kurzarbeit zustande gekommen, die strukturellen Kostensenkungen machten aber auch schon einen großen Teil davon aus. Insgesamt sieht sich Conti auf Kurs, mit dem Jahr 2023 Bruttoeinsparungen von über einer Milliarde Euro bei den jährlichen Kosten zu erreichen. (dpa-afx/apa/red)