Autoindustrie

CO2-Regeln für Autoindustrie: Mehr Verlagerungen nach Osteuropa befürchtet

Die Autoindustrie treibt wegen der schärferen Abgasregeln die Sorge um Arbeitsplätze um - im Management wie auf der Seite der Mitarbeiter. Unternehmen würden ihre Lieferketten auf den Prüfstand stellen und weitere Teile der Produktion nach Osteuropa verlagern, sagt etwa Daimlers Betriebsratschef Michael Brecht.

Daimlers Betriebsratschef Michael Brecht sorgt sich wie seine Gewerkschaftskollegen wegen der Verschärfung der CO2-Vorgaben auf EU-Ebene um Jobs in der Autobranche. "Ich befürchte, dass die Unternehmen ihre Lieferketten auf den Prüfstand stellen und weitere Umfänge nach Osteuropa verlagern, um die höheren Kosten für die Elektromobilität auszugleichen", sagte er der "Automobilwoche".

"Unter diesen Bedingungen wird es immer schwerer, die Beschäftigung hier in Deutschland zu halten." Die genauen Folgen für Arbeitsplätze in seinem Unternehmen seien aber noch unklar.

Bis 2030 soll die Autoindustrie die Emissionen des Treibhausgases CO2 bei Neuwagen im Schnitt um 37,5 Prozent gegenüber dem für 2021 angepeilten Niveau senken. Die Entscheidung war am Dienstag gefallen. Autoverbände wie der VDA warnten davor, die Branche zu überfordern. Flankiert werden die Einschätzungen der Verbände von der IG Metall, die sich um viele der rund 820.000 Jobs der deutschen Autoindustrie sorgt. VW-Chef Herbert Diess kündigte ein noch weitergehendes Umbauprogramm für seinen Konzern an. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh nannte das Ziel eine "enorme Belastung und Herausforderung" für die Beschäftigten und forderte Unterstützung durch die Politik.

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Brecht, der bei Daimler auch im Aufsichtsrat sitzt, sagte der "Automobilwoche", man versuche, die EU-Regeln über optimierte Verbrennungsmotoren, Hybridfahrzeuge und reine Elektroautos zu erreichen. Es gebe aber ungelöste Fragen - etwa die zur konkreten Zeitspanne: "Mit der Vorgabe einer Reduzierung von 37,5 Prozent von 2021 bis 2030 wird ein extremer Anspannungsgrad aufgebaut. Mich ärgert, dass der mögliche Verlust von Arbeitsplätzen in der politischen Debatte überhaupt keine Rolle mehr spielt." (dpa/apa/red)

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