Stahlindustrie

Chronologie der Fusionspläne von Thyssen und Tata: Außer Spesen nichts gewesen

Die Stahlfusion von ThyssenKrupp und Tata Steel ist Insidern zufolge geplatzt. Drei Jahre dauerten die Verhandlungen und das Ringen um das Megaprojekt - hier die Chronologie der Ereignisse.

Die Stahlfusion von ThyssenKrupp und Tata Steel ist Insidern zufolge geplatzt. Nach rund dreijährigen Verhandlungen kommt das von Anfang an umstrittene Projekt nicht zustande. Zwar sind damit die Probleme der Sparte nicht gelöst, es kommen aber auch keine neuen hinzu. Unsere Meldung zur Absage: Megafusion bei Thyssenkrupp und Tata Steel kommt nicht >>

Es folgt eine Chronik über die Bestrebungen für ein Bündnis mit Tata.

Anfang 2016

In der Stahlbranche mehren sich Spekulationen über eine Konsolidierung unter Beteiligung von ThyssenKrupp Steel Europe. Eine Fusion der Stahlgeschäfte von ThyssenKrupp und Salzgitter lehnt Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann ab. Ein Zusammenschluss mit Weltmarktführer ArcelorMittal gilt wegen hoher Kartellhürden als chancenlos. "Tata scheint der einzige mögliche Partner zu sein", schreibt Warburg Research.

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24. Februar 2016

Tata-Steel-Europa-Chef Karl-Ulrich Köhler gibt seinen Posten auf und wechselt an die Spitze des Schaltschrankherstellers Rittal. Bei ThyssenKrupp war er über Jahre Stahlchef gewesen, musste aber 2009 nach der Kostenexplosion bei den Überseewerken seinen Hut nehmen. Nachfolger bei Tata Steel Europe wird Hans Fischer, der früher für ThyssenKrupp und Salzgitter tätig war.

08. Juli 2016

Tata Steel bestätigt, mit ThyssenKrupp Gespräche über ein Joint Venture der europäischen Stahlaktivitäten zu führen.

27. Jänner 2017

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger berichtet auf der Hauptversammlung, dass der Konzern mit mehreren Parteien im Gespräch sei, darunter Tata. Tata müsse aber eine Lösung für seine milliardenschweren Pensionslasten in Großbritannien finden. "Vorher ist ein Joint Venture mit diesem Partner nicht möglich. Das Risiko wäre zu hoch", betont Hiesinger.

03. Mai 2017

In Duisburg demonstrieren mehrere tausend Beschäftigte von ThyssenKrupp Steel Europe gegen ein Joint Venture mit Tata. Stahl-Betriebsratschef Günter Back fordert Klarheit und wirft dem Vorstand eine Salamitaktik vor. Es stünden nicht hunderte, sondern mehrere tausend Jobs auf dem Spiel.

20. September 2017

ThyssenKrupp und Tata schließen eine Grundsatzvereinbarung für ein Stahl-Joint-Venture. Die Vertragsunterzeichnung streben sie bis Anfang 2018 und den Vollzug bis Ende 2018 an.

23. November 2017

Im rheinland-pfälzischen Andernach demonstrieren rund 8.000 Stahlarbeiter gegen die Fusionspläne. In Andernach sitzt die ThyssenKrupp-Verpackungstochter Rasselstein. Die mehr als 2.000 Mitarbeiter der Firma fürchten die EU-Kommission. Diese könnte aus Wettbewerbsgründen den Verkauf der Firma fordern.

21. Dezember 2017

Die IG Metall vereinbart mit dem ThyssenKrupp-Vorstand für den Fall eines Joint Ventures mit Tata den Tarifvertrag "Zukunft Stahl", der unter anderem eine Beschäftigungssicherung bis zum 30. September 2026 vorsieht. In einer Online-Befragung der Gewerkschaft stimmen 92 Prozent der Teilnehmer zu.

30. Juni 2018

ThysssenKrupp und Tata Steel unterschreiben einen bindenden Vertrag zur Zusammenlegung ihrer europäischen Stahlgeschäfte. Das 50:50-Joint Venture soll ThyssenKrupp Tata Steel heißen, rund 48.000 Mitarbeiter beschäftigen, einen Umsatz von 17 Milliarden Euro erzielen und auf eine jährliche Stahlproduktion von 21 Millionen Tonnen kommen. Die Zentrale soll in der Region Amsterdam sein.

05. Juli 2018

Nur fünf Tage nach dem Deal mit Tata tritt Vorstandschef Hiesinger völlig überraschend zurück. In einem Brief an die Mitarbeiter deutet er auf einen fehlenden Rückhalt durch Investoren hin.

30. Oktober 2018

Die EU-Kommission meldet Bedenken an dem Joint Venture an und verweist auf drei kritische Bereiche: Stahl für Verpackungen, für die Automobilindustrie und Elektrostahl. Die Wettbewerbshüter kündigen eine Entscheidung bis Ende März 2019 an. Die Frist wird später bis Ende April verlängert.

17. Dezember 2018

Die Konzerne einigen sich auf die künftige Führung des Joint Ventures. Den Chefposten soll der derzeitige ThyssenKrupp-Stahlboss Andreas Goss übernehmen, Stellvertreter soll Tata-Europa-Chef Hans Fischer werden.

Februar 2019

Die EU-Kommission erhöht den Druck auf die Joint-Venture-Partner und verschickt ein "Statement of Objections". Der IG-Metall-Sekretär und Vize-Aufsichtsratschef von ThyssenKrupp, Markus Grolms, warnt vor weitgehenden Zugeständnissen an die Wettbewerbshüter auf Kosten der Beschäftigten. ThyssenKrupp will die Transaktion weiterhin im Frühjahr abschließen. Wenig später erklärt Kerkhoff, dass für die geplante Konzernaufspaltung ein Scheitern kein Problem wäre. "Bringt es uns um, wenn es nicht stattfindet? Nein."

02. April 2019

ThyssenKrupp-Chef Kerkhoff erklärt, dass die Konzerne der EU-Kommission weitreichende Zugeständnisse gemacht haben. Weiteren Spielraum gebe es kaum, sagen Insider. Im Bereich feuerverzinkter Stahl für die Automobilindustrie könnten die Konzerne zwei Anlagen in Spanien und Belgien verkaufen, das Werk in Spanien sei eher klein. ThyssenKrupp ist in Spanien mit der Tochter Galmed vertreten, Tata in Belgien mit der Firma Segal. Beim Verpackungsstahl biete Tata die Abgabe zweier Anlagen in Belgien und Großbritannien an.

Mai 2019

Die EU-Kommission meldet weiter Zweifel an und fordert Insidern zufolge weitere Zusagen. Sonst werde das Projekt untersagt. Als Frist nannte sie den 17. Juni. Dazu kommt es jetzt wohl nicht mehr.

10. Mai: ThyssenKrupp sagt die Fusion nach Gesprächen mit der EU-Kommission offiziell ab.

(reuters/apa/red)