Automobilindustrie

Chinesen wollten an Bord - Daimler sagt nein

Daimler hat ein milliardenschweres Angebot des chinesischen Autobauers Geely zurückgewiesen, dem auch Volvo gehört. Die Chinesen wollten im großen Stil als Investor einsteigen. Die Stuttgarter meinten, man sei im Moment auch so "sehr glücklich".

Daimler hat Insidern zufolge milliardenschwere Avancen der chinesischen Volvo-Mutter Geely zurückgewiesen. Die Asiaten hätten beim deutschen Autobauer über eine Kapitalerhöhung als Investor einsteigen wollen, sagten mit der Situation vertraute Personen Reuters. Daimler habe Geely abblitzen lassen und den Chinesen mitgeteilt, dass sie gern Aktien an der Börse kaufen könnten, so die Insider.

Die Chinesen hofften unverdrossen, dass sie mit Daimler noch irgendwie handelseinig werden. Geely äußerte sich dazu nicht. Ein Daimler-Sprecher sagte, der Konzern habe "eine ziemlich breite Aktionärsstruktur" und sei damit im Moment "sehr glücklich". Jeder neue Anteilseigner, der langfristiges Interesse an Daimler habe, sei natürlich willkommen.

Chinesen haben offenbar Milliarden geboten

Größter Aktionär des Autokonzerns ist derzeit der Staatsfonds von Kuwait mit rund 6,8 Prozent. Den Insidern zufolge hatte Geely bei einem Treffen mit Daimler in Peking im vergangenen Monat angeboten, einen Anteil von drei bis fünf Prozent über eine Kapitalerhöhung zu erwerben.

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Ein Aktienpaket in dieser Größenordnung hat einen Marktwert von bis zu 4,5 Mrd. Dollar (3,8 Mrd. Euro). Die Chinesen hätten im Zuge ihres Offerts einen Rabatt gefordert, sagten die Insider, nannten aber keine Details. Ob Geely auch Aktien an der Börse kaufen will, blieb zunächst offen. Die Daimler-Papiere legten am Mittwochvormittag um gut ein Prozent zu.

Chinesen an Daimlers Batterietechnik interessiert

Die mit den Überlegungen bei Geely vertrauten Personen sagten weiter, der Hersteller interessiere sich für die Batterietechnologie von Daimler und wolle mit den Schwaben eine Gemeinschaftsfirma für Elektroautos in Wuhan gründen.

Geely zählt mit einem Marktanteil von fünf Prozent zu den führenden lokalen Autobauern in China. Die Volksrepublik ist der größte Pkw-Markt der Welt und forciert - auch wegen der hohen Smogbelastung in vielen Städten - den Umstieg auf alternative Antriebe. Mit Privilegien bei der Zulassung von Neuwagen, mit zahlreichen Vorschriften und auch Subventionen treibt die Regierung den Wandel in der Mobilität voran.

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Viele westliche Autokonzerne, die in China ohnehin nur mit lokalen Herstellern gemeinsam produzieren dürfen, haben sich auch auf dem Feld der Elektromobilität bereits mit Partnern vor Ort verbündet. So wollen sie von der anziehenden Nachfrage auf dem weltgrößten Markt für E-Autos profitieren.

Westliche Autobauer in China zu Partnerschaften gezwungen

Daimler tat sich mit seinem langjährigen chinesischen Partner BAIC zusammen. Daimler kündigte im Sommer an, einen Minderheitsanteil an der BAIC-Elektroautotochter BJEV zu erwerben.

BMW lotet mit dem Geländewagen-Spezialisten Great Wall eine Kooperation bei Kleinwagen der Marke Mini aus; dabei geht es vor allem um die mögliche Produktion von Elektroversionen. Volkswagen will mit seinem chinesischen E-Auto-Partner JAC auch bei leichten Nutzfahrzeugen wie Kleintransporter, Kasten- oder Pritschenwagen zusammenarbeiten. (reuters/apa/red)

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