Stahlindustrie

Chinas neue Strafzölle treffen Voestalpine kaum - Millionenkredit für Kapfenberg

Die Voestalpine ist von der jüngsten Erhöhung der Stahlzölle in China kaum betroffen. Von der Europäischen Investitionsbank EIB borgen sich die Linzer 300 Millionen Euro, unter anderem für den Bau des neuen Spezialstahlwerks in Kapfenberg.

Der Voestalpine-Konzern ist von den durch China angekündigten Einfuhrzöllen auf verschiedene Edelstahlprodukte aus der EU nur geringfügig im Bereich von Spezialblechen berührt. "Der aus derzeitiger Sicht betroffene Umsatzanteil beläuft sich auf maximal 8 Mio. Euro", hieß es dazu auf Anfrage der APA.

Gesamtwirtschaftlich betrachtet würden sich die Handelsschutzmaßnahmen in immer mehr Ländern - vor allem auch in China - jedoch zunehmend negativ auf die globale Konjunkturlage auswirken, wird gewarnt.

Der Voestalpine-Konzern hat in China rund 30 Standorte mit mehr als 3.000 Mitarbeitern und erzielte dort im Geschäftsjahr 2018/19 einen Umsatz von 552 Mio. Euro. Der Internationalisierungsstrategie des Konzerns folgend habe man in den vergangenen zehn Jahren in die Errichtung bzw. Erweiterung und Modernisierung von Standorten in China rund 200 Mio. Euro investiert.

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Das chinesische Handelsministerium hatte diese Woche angekündigt, Anti-Dumping-Zölle gegen mehrere Edelstahlprodukte aus der Europäischen Union, Japan, Südkorea und Indonesien einführen. Die Zollsätze sollen auf 18,1 bis 103,1 Prozent erhöht werden. Die neue Regelung soll bereits ab Dienstag gelten. Betroffen sind Edelstahlbolzen und warmgewalzte Edelstahlbleche.

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Millionenkredit von der EIB - Geld für Kapfenberg

Die Europäische Investitionsbank (EIB) stellt dem Linzer Stahlkonzern Voestalpine einen Kredit von 300 Mio. Euro in zwei Tranchen zur Verfügung. Die erste Tranche fließe in den Bau eines hochmodernen Spezialstahlwerks in Kapfenberg, teilte die in Luxemburg ansässige EIB mit.

Das vollständig digitalisierte Werk wird demnach ab 2021 jährlich rund 205.000 Tonnen Hochleistungsstahl für die internationale Luftfahrt-, Automobil- und Energieindustrie produzieren und langfristig mehr als 3.000 hoch qualifizierte Arbeitsplätze am Standort sichern. Die zweite Tranche des EU-Darlehens soll über einen Zeitraum von drei Jahren für das Forschungs- und Entwicklungsprogramm des Technologiekonzerns verwendet werden.

Ziel der EIB ist laut deren Vizepräsidenten und Österreich-Verantwortlichen Andrew McDowell Arbeitsplätze in Europas verarbeitender Industrie zu erhalten und zu schaffen. "Dies ist jedoch nur mit fortschrittlichen, hocheffizienten und innovativen Einrichtungen möglich, die im internationalen Wettbewerb bestehen können", so McDowell und begrüßte daher die Zusammenarbeit mit Voestalpine.

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Voestalpine-Vorstandsvorsitzender Herbert Eibensteiner will mit dem Spezialstahlwerk in Kapfenberg "neue internationale Maßstäbe in Bezug auf Digitalisierung, Produktqualität und Umweltschutz setzen". "Der globale Erfolg und das globale Wachstum von Voestalpine basieren in hohem Maße auf der intensiven Forschungs- und Entwicklungsarbeit unseres Konzerns", erklärte er. Die EIB-Finanzierung werde in den kommenden Jahren eine Schlüsselrolle bei diesen Aktivitäten spielen. (apa/red)

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