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China will "Industrie-Supermacht" werden - mit massiven Zukäufen in Europa

Experten erwarten, dass Übernahmen von deutschen Firmen durch Chinesen bald wieder Rekordniveau erreichen - weil anders das Ziel des Landes als Industriestandort nicht zu erreichen ist. Auch Chinas Banken fahren einen aggressiven Expansionskurs.

Ungeachtet einer Delle in diesem Jahr könnten chinesische Firmenübernahmen in Deutschland nach Einschätzung von Fachleuten bald wieder Rekordniveau erreichen. So geht der Ökonom Liu Yuanchun von der Pekinger Volksuniversität davon aus, dass sich die Einkaufstour chinesischer Firmen in Deutschland fortsetzen wird.

"Ohne Zukäufe in Deutschland ist das nicht zu machen"

Die Pekinger Führung will China bis zum 100. Geburtstag der Volksrepublik im Jahr 2049 zu einer "Industrie-Supermacht" machen. "Ohne Zukäufe in Deutschland ist das nicht zu machen", sagte Liu der Deutschen Presse-Agentur. Der Wirtschaftsdozent schätzt, dass das Volumen der Übernahmen durch die neuen Regeln in diesem Jahr zwar zurückgehen wird. Schon bald seien aber neue Rekorde möglich.

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Rapide expandiert in Europa haben in den vergangenen Jahren auch die vier größten chinesischen Banken. In den kommenden Jahren seien eher strategische Beteiligungen an westlichen Banken zu erwarten, sagte der Chinaexperte Horst Löchel, Professor an der Frankfurt School of Finance & Management.

Angesichts der Expansionspolitik der Chinesen haben sich führende Manager in Österreich und Deutschland mehrfach kritisch zum Kurs der Europäer geäußert. So kritisierte Wolfgang Hesoun, Konzernchef von Siemens Österreich, vor wenigen Tagen die Offenheit hierzulande und den "Technologietransfer" im Bereich der Bahnindustrie.

Europa solle bei Firmenübernahmen nicht immer nur zuschauen, sagte zuletzt auch Sabine Herlitschka, Chefin von Infineon Österreich.

(red/dpa/apa)

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