Stahlindustrie

China: Stahlindustrie ignoriert Vorgaben Pekings, Werke zu schließen

Peking hat mehrmals offiziell angekündigt, die massiven Überkapazitäten in der eigenen Stahlindustrie abbauen zu wollen - doch die Realität sieht bisher anders aus.

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Chinas Regierung stößt bei einigen Stahlherstellern des Landes mit der Durchsetzung von Stilllegungsbeschlüssen auf taube Ohren. Stahlfirmen in der Provinz Hebei hätten entgegen den staatlichen Direktiven neue Produktionsanlagen errichtet und Anlagen weiterlaufen lassen, die eigentlich geschlossen werden sollten, teilte das Umweltministerium des Landes mit.

Es sprach von "betrügerischen Praktiken", mit denen größere Fortschritte im Kampf gegen die in weiten Teilen Chinas katastrophale Luft- und Umweltverschmutzung verhindert würden. Das Ministerium forderte, mehr Druck auf die lokalen Behörden auszuüben, um solche Handlungsweisen zu unterbinden.

China sieht sich momentan massiven Klagen der Europäer und Amerikaner sowie Anti-Dumping-Verfahren wegen angeblich unfairer Handelspraktiken beim Stahl ausgesetzt. Dem Land wird von der EU und den USA vorgeworfen, mit Preisen unterhalb der Produktionskosten heimische Anbieter vom Markt zu verdrängen.

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Hintergrund sind massive Überkapazitäten in der weltweiten Stahlindustrie, insbesondere aber in China. Das Land hatte daher beschlossen, einige Produktionsanlagen stillzulegen. Nachdem die Stahlpreise in jüngster Zeit aber anzogen, entschlossen sich einige Hersteller in der Volksrepublik, ihre Fertigungsanlagen entgegen den Vorgaben weiterlaufen zu lassen. Das verschärft das Problem der weltweiten Überkapazitäten weiter.

Der deutsche Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und der Deutsche Bundestag hatten vor wenigen Tagen von der EU ein hartes Vorgehen gegen China gefordert. Keiner wolle einen Handelskrieg mit der asiatischen Wirtschaftsmacht, aber man dürfe sich seine Stahlindustrie nicht durch unfaire Handelspraktiken kaputtmachen lassen, warnte der Minister. (APA/Reuters/red)

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