Chemische Industrie

Chemiekonzern Lanxess forciert Konzernumbau

Der deutsche Chemiekonzern Lanxess stemmt sich mit neuem Sparprogramm gegen den scharfen Wettbewerb und fallende Preise im Kautschukgeschäft. Konzernchef Matthias Zachert will die Geschäftssparten verringern und die Verwaltung verschlanken.

Chemische Industrie Lanxess Matthias Zachert

Neue Wettbewerber, fallende Preise und Überkapazitäten im Markt für synthetischen Kautschuk hatten Lanxess zuletzt arg zu schaffen gemacht.

Wie viele der aktuell rund 17.300 Stellen gestrichen werden sollen, nannte Zachert zur Veröffentlichung des Halbjahresberichts am Mittwoch noch nicht. "Zur operativen Umsetzung haben wir Gespräche mit den Arbeitnehmervertretungen aufgenommen und erwarten, auch hier schnell zu konstruktiven Lösungen zu kommen", sagte Zachert nur.

Schließung von Standorten wird erwogen

Neue Wettbewerber, fallende Preise und Überkapazitäten im Markt für synthetischen Kautschuk hatten Lanxess zuletzt arg zu schaffen gemacht. Die Kölner sind der weltgrößte Produzent von synthetischem Kautschuk für die Auto- und Reifenindustrie. Zachert hatte bereits angekündigt, dass in der Zentrale Stellen gestrichen werden. Auch die zeitweise Stilllegung von Anlagen und die Schließung von Standorten wird erwogen. Die Profitabilität aller Werke wird geprüft.

Wechsel im Konzernvorstand

Klar ist jetzt bereits, dass die Zahl der Sparten von 14 auf zehn verringert werden soll. Für die Geschäfte mit Alterungsschutzmittel und Beschleunigern lotetet das Unternehmen weiterhin einen Verkauf aus. Lanxess prüft aber auch eine Neuaufstellung dieser Geschäfte innerhalb des Konzerns. Zachert will bis Ende September eine Entscheidung fällen. Mit einer neuen Führung der einzelnen Geschäftseinheiten will er den Konzernumbau vorantreiben. Auch im Konzernvorstand gibt es einen Wechsel: Der bisher unter anderem für die Kautschuksparte zuständige Werner Breuers muss das Führungsgremium verlassen. Kommissarisch soll zunächst Vorstandschef Zachert die Aufgaben von Breuers betreuen. Weitere Einzelheiten zur Neuausrichtung will Lanxess Anfang November bekanntgeben.

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Operativer Gewinn angestiegen

Im zweiten Quartal steigerte Lanxess dank Einsparungen und einer besseren Auslastung seiner Anlagen seinen operativen Gewinn. Zudem lief das Geschäft mit Bauchemikalien wie etwa Farbpigmenten und Vorprodukten für Estriche sowie mit Chemikalien für die Landwirtschaft rund. Der um Sondereinflüsse bereinigte operative Gewinn (Ebitda) nahm um 20,7 Prozent auf 239 Mio. Euro zu. Analysten hatten 234 Mio. Euro erwartet. Rückläufige Preise führten allerdings dazu, dass der Umsatz von April bis Juni binnen Jahresfrist um 5,7 Prozent auf rund 2 Mrd. Euro sank.

"Das unverändert moderate Ergebnisniveau und der zunehmende Wettbewerb belegen die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit", urteilte Zachert. Der Konzernüberschuss schnellte auf 55 Mio. Euro in die Höhe nach 9 Mio. Euro vor Jahresfrist. Vor einem Jahr hatten allerdings noch Sonderlasten für einen Spartenumbau das Ergebnis um 40 Mio. Euro gedrückt.

Gute Nachfrage bei Chemikalien für Landwirtschaft erwartet

Für das Gesamtjahr stellte Zachert jetzt einen bereinigten operativen Gewinn von 780 bis 820 Mio. Euro in Aussicht. Bisher wurden 770 bis 830 Mio. Euro erwartet nach 735 Mio. Euro im Vorjahr. Das Geschäft mit synthetischem Kautschuk bleibe schwierig - der Druck auf die Preise halte an, erklärte der Vorstand. Eine weiterhin gute Nachfrage erwartet Lanxess im Geschäft mit Chemikalien für die Landwirtschaft und mit Produkten für die Bauindustrie. (APA/Reuters)