Chemie statt Kabel

Der ehemalige Siemens-Vorstand Franz Geiger, 59, wird Vorstandschef der Donau Chemie AG. „Chemiker gibt es bei uns genug“, sagt der Eigentümer Alain de Krassny, 67 über seine Wahl.

Es begab sich in einem Swimmingpool in Phuket. Im Jänner 2008 urlaubten die Familien de Krassny und Geiger im fernen Thailand, als Franz Geiger dem Chemie-Industriellen sein Herz öffnete: Die Tätigkeit als Siemens-Vorstand sei nicht mehr das, was ihn beruflich erfülle. Im Aufsichtsrat von Siemens sah man das ähnlich und wollte die bevorstehenden Umstrukturierungen einer neuen Vorstandsmannschaft anvertrauen. Also bot de Krassny seinem Freund Geiger an, „bei mir als Unternehmer tätig zu sein“. Nach eineinhalb Jahren übernimmt nun Geiger den Vorstandsvorsitz der Donau Chemie AG, die zuletzt mit über 800 Mitarbeitern 274 Millionen Euro umsetzte.

Ob Geiger, dessen berufliches Leben sich stets um IT drehte, für einen Hersteller von Chemikalien und Aktivkohle der richtige Mann ist, steht für de Krassny außer Zweifel: „Es gibt viele Chemiker in der Firma, und sie wurde jahrelang von Chemikern geleitet“, sagt der gebürtige Franzose. Für Geiger steht ein dichtes Programm am Plan: Die Konsumgüter-sparte Donau Kanol soll im kommenden Jahr endlich aus den roten Zahlen gezogen werden. Investitionen von rund 18 Millionen Euro sind abgesegnet, hauptsächlich im Werk Prückl, wo die Elektrolyse erweitert wird. Außerdem will de Krassny einen Standort in Rumänien bauen, einen zweiten Standort in Polen errichten und „vielleicht das ein oder andere Unternehmen dazukaufen“. Als wäre das noch nicht genug, wird in Südostasien der Bau einer eigenen Aktivkohleproduktion erwogen. Ob de Krassny loslassen kann, scheint er selbst noch nicht so recht zu wissen: „Ich muss sicher aufpassen, dass ich den Vorstand nicht zu viel störe.“


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