Bahnindustrie

Chefs von Siemens und ABB reisen nach Saudi-Arabien

Trotz massiver Verwerfungen auf politischer Ebene reisen Joe Kaeser und Ulrich Spiesshofer nach Saudi-Arabien. Siemens baut gerade eine U-Bahn in der Hauptstadt Riad, der ABB-Chef will eine konzerneigene Fabrik besuchen. Im Hintergrund werden sicher auch milliardenschwere Aufträge ein Thema sein.

Trotz der internationalen Kritik an Saudi-Arabien tritt Siemens-Chef Joe Kaeser in Kürze auf einer Konferenz des Staatskonzerns Saudi Aramco auf. Ein Sprecher des Münchner Industriekonzerns bestätigte am Sonntag Kaesers Teilnahme an der Konferenz "in-Kingdom Total Value Add (iktva)" für Zulieferer von Saudi Aramco in Dammam am Persischen Golf.

Kaeser treffe sich in Saudi-Arabien nur mit Vertretern des Unternehmens. Mit Regierungsvertretern werde er nicht zusammentreffen. Kaeser sei ohnehin auf einer Reise in den Nahen Osten, wo er auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten Kunden und Geschäftspartner treffen werde. Auch der Chef des Schweizer Rivalen ABB, Ulrich Spiesshofer, nimmt an der Konferenz teil.

Kaeser hat eine Reise früher abgesagt

Vor vier Wochen hatte Kaeser seine Reise zu einer von der Regierung des Ölstaates ausgerichteten Investoren-Konferenz in letzter Minute abgesagt. Kurz zuvor hatte Saudi-Arabien nach wochenlangen Dementis eingestanden, dass der regierungskritische Journalist Jamal Khashoggi im Konsulat des Königreichs in Istanbul ermordet wurde.

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Sein Rückzieher sei "die sauberste, aber nicht die mutigste Entscheidung" gewesen, schrieb Kaeser damals auf dem Karriereportal LinkedIn. Er habe lange mit sich gerungen hinzufahren und das Thema Khashoggi auf der Konferenz anzusprechen.

Saudi-Arabien ist ein wichtiger Auftraggeber

Siemens ist ein wichtiger Auftragnehmer der saudi-arabischen Regierung und baut unter anderem an der U-Bahn in der Hauptstadt Riad. Bis 2030 sieht der Münchner Konzern, der in dem Land 2.000 Mitarbeiter beschäftigt, Chancen auf weitere Aufträge im Volumen von 30 Milliarden Dollar.

Auch ABB hofft auf Aufträge

Auch ABB-Chef Ulrich Spiesshofer hatte im Oktober seine Reise nach Riad abgesagt. Nun erklärte das Unternehmen, er werde in dem Königreich eine ABB-Fabrik besuchen. Zudem treffe er Vertreter von Saudi Aramco, einem der wichtigsten Kunden in der Region.

Auch ABB hofft, weitere Aufträge zum Aufbau der Infrastruktur in dem Land zu ergattern. Einer mit der Situation vertrauten Person zufolge nimmt Spiesshofer an der Eröffnung der Konferenz teil, tritt aber nicht als Sprecher auf. ABB betreibt dort eine Fabrik mit 200 Mitarbeitern, in der Hochspannungs-Schaltanlagen produziert werden. Insgesamt beschäftigt ABB in Saudi-Arabien rund 1.600 Menschen.

Sanktionen gegen das Land

Mehrere Länder haben wegen des Todes des regimekritischen Journalisten Khashoggi Sanktionen gegen Saudi-Arabien verhängt. Laut Medienberichten wirft der US-Geheimdienst CIA Kronprinz Mohammed bin Salman vor, die Ermordung Khashoggis angeordnet zu haben. Saudi-Arabien weist jede Verstrickung des Königshauses zurück.

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