Personalia

Carlos Ghosn muss Führung bei Renault abgeben

Ghosn galt als einer schillerndsten Manager der Autobranche - seit zwei Monaten sitzt er unter recht brutalen Bedingungen in einem japanischen Gefängnis. Eine Entlassung ist nicht absehbar. Damit ist der Architekt der Allianz von Nissan und Renault auch in Paris nicht mehr zu halten.

Der in Japan inhaftierte Auto-Manager Carlos Ghosn (64) ist als Konzernchef von Renault zurückgetreten. Das teilte das Umfeld von Frankreichs Wirtschafts-und Finanzminister Bruno Le Maire der Deutschen Presse-Agentur in Paris mit. Der Staat ist bei Renault mit 15 Prozent beteiligt und spielt deshalb bei dem Autohersteller eine wichtige Rolle.

Verwaltungsrat tritt in Kürze zusammen

Kreise des Autoherstellers bestätigten eine entsprechende Aussage von Le Maire. Der Verwaltungsrat von Renault wird um 10.00 Uhr zusammenkommen. Französische Medien berichteten ergänzend unter Berufung auf den Minister, der amtierende Verwaltungsratschef Philippe Lagayette habe das Rücktrittsschreiben von Ghosn erhalten. Dazu: Renault ernennt in Kürze eine neue Doppelspitze >>

Monatelanges Warten auf ein Gerichtsverfahren

Der 64-jährige Ghosn war am 19. November in Tokio zusammen mit seiner früheren rechten Hand Greg Kelly wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Zudem soll er laut Staatsanwaltschaft private Investitionsverluste auf Nissan übertragen haben. Bis zu einem Prozess könnten noch Monate vergehen. Vor Gericht hatte der Top-Manager seine Unschuld beteuert.

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Der Architekt der Autoallianz

Ghosn, ein gebürtiger Brasilianer mit libanesischen Wurzeln, ist Architekt der Autoallianz aus Renault und der japanischen Hersteller Nissan und Mitsubishi. Er hatte 1999 von Renault kommend den Chef-Sessel bei Nissan übernommen, um den verschuldeten Konzern aus der Krise zu führen. 2005 rückte er dann auch an die Spitze von Renault. Aktuell: Trotz Carlos Ghosn: Nissan will in einer Allianz mit Renault bleiben >>

Die Ablösung Ghosns in Frankreich kam nicht überraschend. Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire hatte zuvor mit deutlichen Worten eine Nachfolge gefordert. Es müsse eine neue Etappe geben, wenn Ghosn dauerhaft verhindert sei. Der Staat ist bei Renault ein wichtiger Spieler, er hält 15 Prozent der Anteile.

Ghosn hatte bisher ungeachtet der Anschuldigungen in Japan bei Renault den Titel Président-directeur général behalten. Der Traditionshersteller hatte aber bereits nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe in Japan Ghosns bisherigem Stellvertreter Thierry Bolloré vorläufig die Geschäftsführung übertragen. Renault stellte danach bei der Bezahlung Ghosns für die Jahre 2017 und 2018 keine Unregelmäßigkeiten oder Betrug fest. Weitere Untersuchungen für die Jahre davor laufen aber noch.

Renault und Nissan sind wechselseitig aneinander beteiligt. Nur wenige Tage nach seiner Festnahme war Ghosn von Nissan und Mitsubishi als Verwaltungsratschef gefeuert worden. Insbesondere in Frankreich gibt es Sorgen um den Bestand des von Ghosn aufgebauten und kontrollierten Auto-Imperiums.

Neue Vorwürfe in Europa

Erst am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Ghosn unerlaubt Millionenbeträge von einer niederländischen Tochterfirma kassiert haben soll.

Ghosn habe von dem niederländischen Gemeinschaftsunternehmen Nissan-Mitsubishi B.V. (NMBV) ohne vorgeschriebene Absprache mit den beiden anderen Vorstandsmitgliedern, Nissan-Chef Hiroto Saikawa und Mitsubishi Motors-Chef Osamu Masuko, rund 7,8 Mio. Euro Entschädigung erhalten, wie die beiden Renault-Partner bekanntgaben.

Brutale Haftbedingungen: Familie wendet sich an Menschenrechtler

Unterdessen hat sich die Ehefrau von Ghosn Berichten zufolge an die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch gewandt und die Haftbedingungen ihres Mannes beklagt. Darin heißt es, dass Ghosn in einer sieben Quadratmeter großen Zelle einsitze, die nicht beheizt werde und rund um die Uhr beleuchtet sei. Der Manager werde täglich stundenlang verhört. Seit seiner Verhaftung im November habe er sieben Kilogramm an Gewicht verloren. Ghosn habe keinen Zugang zu einer täglichen medizinischen Behandlung. Der Kontakt mit Familienangehörigen werde ihm verweigert. (dpa/reuters/apa/red)

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