Niederösterreich

Büromöbelfirma Svoboda mit 105 Mitarbeitern insolvent

Die Insolvenz der Büromöbelfirma Svoboda ist die bisher drittgrößte Pleite in Niederösterreich. Betroffen sind 288 Gläubiger und 105 Mitarbeiter, deren Gehälter seit Jänner sind.

Möbelindustrie Svoboda Standort Niederösterreich Insolvenzen

Die Insolvenz des Büromöbelherstellers Svoboda ist gemessen an den Schulden (8,1 Mio. Euro) die drittgrößte des noch jungen Jahres 2018 in Niederösterreich - nach der Niki Luftfahrt GmbH mit 153 Mio. Euro und der Autozubehörkette Forstinger mit 31,2 Mio. Euro, teilte der KSV1870 am Mittwoch mit. 288 Gläubiger sind betroffen, der Großteil der Passiva ist unbesichert.

Laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) sind von den 8,1 Mio. Euro Passiva nur 237.000 Euro besichert, der Rest ist unbesichert. Die Schulden teilen sich wie folgt auf: 3,87 Mio. Euro entfallen auf Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und 1,31 Mio. Euro auf sonstige Verbindlichkeiten. Weiters wurden Rückstellungen in Höhe von 2,08 Mio. Euro gebildet, hauptsächlich für Abfertigungen, wie eine AKV-Expertin zur APA sagte. Zusätzlich hat Svoboda 732.000 Euro Bankschulden, davon 237.000 Euro besichert.

Von der Insolvenz sind laut den Kreditschützern von AKV, KSV und Creditreform 288 Gläubiger und 105 Mitarbeiter betroffen. Sie wurden bereits vorsorglich zur Kündigung beim Arbeitsmarktservice (AMS) angemeldet. Ihre Löhne und Gehälter sind seit Jänner 2018 offen, so der AKV.

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Das Unternehmen soll fortgeführt werden. Die Kreditschützer erwarten, dass das Landesgericht St. Pölten in Kürze über den eingebrachten Sanierungsantrag mit Eigenverwaltung entscheidet.

Den Gläubigern wird eine Quote von 30 Prozent binnen zwei Jahren angeboten. Dabei handelt es sich um die gesetzlich vorgesehene Mindestquote für ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung. Aus Sicht des KSV liegt daher vorerst nur ein reines Formalangebot vor. "Wir werden im Interesse der Gläubiger prüfen, in welcher Weise der vorliegende Zahlungsvorschlag verbessert werden kann."

Von der Insolvenz sind neben dem Hauptsitz St. Pölten sechs Betriebsstätten in Wien, Eferding, Salzburg, Innsbruck, Graz und Klagenfurt betroffen.

Svoboda gibt als Hauptinsolvenzursachen für die Zahlungsschwierigkeiten das schwierige Marktumfeld und Altlasten an. Alleineigentümer und Geschäftsführer Christoph Königslehner war zuletzt auf der Suche nach einem strategischen Partner, der die gesamten Gesellschaftsanteile übernimmt. Die Verhandlungen mit dem potenziellen Investor konnten aber nicht vor Eintritt der Zahlungsunfähigkeit abgeschlossen werden, erläuterte der KSV.

Der Büromöbelhersteller, einst ein Familienbetrieb, hat bereits Restrukturierungsmaßnahmen vorbereitet. Diese müssen freilich noch mit dem Insolvenzverwalter abgestimmt werden.

Svoboda war bereits vor zwei Jahren in einer Krise, ehe die Sanierer Königslehner und Siegmund Gruber (faw-Gruppe) 2016 das Unternehmen übernahmen. Die neue Geschäftsführung hatte "erhebliche" Restrukturierungsmaßnahmen gesetzt, die ursprünglich Wirkung zeigten, erläuterte Creditreform. Im Laufe der vergangenen Jahre hat Svoboda unter anderem Personal abgebaut, 2006 hatte das Unternehmen laut Firmenbuch noch 197 Menschen beschäftigt.

"Im Laufe des zweiten Quartals 2017 hat sich allerdings gezeigt, dass die Kombination der schwierigen Situation am Büromöbelsektor und den Altlasten zu einer neuen wirtschaftlichen Krise führte", so Creditreform. Daher suchte die Svoboda-Geschäftsführung Investoren, zuletzt war man mit einem "namhaften" strategischen Partner im Gespräch.

Diese Verhandlungen sollen nun im Zuge des Sanierungsverfahren fortgesetzt werden. Königslehner ist Creditreform zufolge seit Ende 2017 Alleingesellschafter des Büromöbelherstellers, Geschäftsführer ist er bereits seit März 2016, wie aus dem Firmenbuch hervorgeht.

Auf dem heimischen Büromöbelmarkt geht es seit Jahren durchwachsen zu. 2016 war der Branchenumsatz um 7 Prozent eingebrochen. In den ersten drei Quartalen 2017 schrumpfte die Sparte laut der Österreichischen Möbelindustrie um 1,5 Prozent, während die Möbelhersteller insgesamt ein leichtes Plus von 0,7 Prozent verzeichneten. Branchenprimus Bene hat jedoch 2016 nach sieben verlustreichen Jahren erstmals wieder einen Gewinn geschrieben. (apa/red)