Abgastests

Brüssel kommt der Autoindustrie offenbar entgegen

Das EU-Parlament stimmt offenbar doch einer Regelung zu, die für die Autoindustrie vergleichsweise milde Abgasprüfungen vorsieht - und deutlich spätere Fristen bei der Einführung von neuen Tests unter Fahrbedingungen (RDE).

Das EU-Parlament ist einem Bericht zufolge bei künftigen Abgastests zu Eingeständnissen an die Autoindustrie bereit. Wie das Magazin "Der Spiegel" berichtet, wollen Konservative und Sozialdemokraten nun doch einem Beschluss der EU-Staaten für neue Tests bei Diesel-Fahrzeugen zustimmen, der zuvor abgelehnt wurde.

Noch Mitte Dezember hatte der Umweltausschuss des Parlaments den Beschluss abgelehnt, weil dadurch der gesundheitsgefährdende Stickoxid-Ausstoß nicht ausreichend reduziert werde.

"Übergangsphase" bis 2020

Ein technischer Ausschuss, dem Experten der 28 EU-Staaten angehören, hatte Ende Oktober beschlossen, dass ab dem 1. September 2017 Straßentests für alle neuen Fahrzeugtypen und zwei Jahre später für alle neu zugelassenen Fahrzeuge verpflichtend sind. Dem Beschluss zufolge darf der gemessene Stickoxid-Ausstoß aber zunächst noch um das 2,1-fache über dem Laborwert liegen.

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Die Übergangsphase soll erst am 1. Jänner 2020 für neue Fahrzeugtypen und noch ein Jahr später für neu zugelassene Autos enden. Danach dürfen die Überschreitungen auf der Straße aber immer noch das 1,5-Fache der Labortests betragen.

Aktionismus bei Industriekommissarin Bienkowska

Laut "Spiegel" wollen die Sozialdemokraten allerdings ein fixes Datum im nächsten Jahrzehnt durchsetzen, ab dem die Autoindustrie die Abgasnormen einhalten muss. Um die Umweltpolitiker zu besänftigen, wolle die polnische EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska kommende Woche eine strengere Verordnung zur Autotypenzulassung verkünden. Das bisher in Deutschland zuständige Kraftfahrt-Bundesamt soll demnach entmachtet werden.

Hintergrund für die geplante verpflichtende Einführung von neuen Tests unter Fahrbedingungen (Real Driving Emissions - RDE) ist der Skandal um manipulierte Abgaswerte des Volkswagen-Konzerns: Im September hatte der Konzern eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Diesel-Fahrzeuge eine Manipulationssoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoß anzeigt als VW offiziell angibt. (afp/apa/red)

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