Holzbau

Brexit setzt oberösterreichische Holzbaufirmen Holzbaukonstrukteure unter Druck

Brexit treibt oberösterreichische Holzbaukonstrukteure um, wie das Beispiel der renommierten Firma Wiehag zeigt. Derzeit laufen nach Worten des Firmenchefs Vorbereitungen dafür, dass britische Bautrupps die Monteure aus Österreich ersetzen.

Von Altheim in Oberösterreich ins schottische Craigellachie: Was beim Bau des mittlerweile preisgekrönten Holzdach der Macallan-Whiskydestillerie noch kein Problem war, könnte für die Wiehag in Zukunft komplizierter werden, nämlich der Transport der Holzteile per Schiff nach Großbritannien. Das Familienunternehmen aus dem Innviertel hat sich bereits auf den EU-Austritt Großbritanniens vorbereitet.

"In der Zwischenzeit sind wir so aufgestellt, dass wir mit UK-Personal unsere Baustellen bedienen können", sagte Wiehag-Eigentümer und Geschäftsführer Erich Wiesner diese Woche in Wien auf einer Brexit-Veranstaltung der Wirtschaftskammer. "Wir haben schon in den letzten Jahren begonnen vor Ort Montage- und Baustellentrupps aufzubauen, damit wir zumindest nicht das Thema der Visa oder Aufenthaltsbewilligungen haben."

Anstatt österreichische Fachkräfte in das Vereinigte Königreich zu entsenden, setzt man auf britische Arbeiter. Es gebe in Großbritannien zwar keine Holzbauunternehmen, aber sehr viele Stahlbaufirmen, "und ein Stahlbauer kann eigentlich mit wenig Umschulung auch eine Holzkonstruktion montieren - das hilft uns", erklärte Wiesner.

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Allerdings löst das nicht alle Probleme, insbesondere jene nicht, die bei einem ungeregelten Brexit drohen. "Interessant wird das natürlich mit den Zöllen. Wir kommen mit relativ großen Bauteilen mit dem Schiff dort an, haben Pönalen, das Holz sollte nicht zulange im Freien stehen, die Baustellen sollten sich nicht verzögern", so Wiesner. Eine Lösung dafür gibt es nicht, das Motto des Firmenlenkers: "Schau ma mal."

Die Wiehag Timber Construction hat sich auf die Nische des konstruktiven Holzbaus spezialisiert. Das Design, das Engineering und die Produktion erfolgt zur Gänze in Österreich. "Wir fahren faktisch mit den baustellenfertigen Holzbauelementen zur Baustelle", so Wiesner. Auch der übergroße rote Sessel der Möbelkette XXXLutz in St. Florian entlang der Westautobahn A1 in Oberösterreich stammt von der Wiehag.

England selbst hat keine Holzbautradition, deshalb gebe es auch keine lokalen Wettbewerber, was den Markt für die Oberösterreicher sehr attraktiv macht, wie Wiesner sagte. "Er wird dieser interessante Markt auch in Zukunft bleiben", ist er überzeugt. Großbritannien sei nämlich mehr als andere Länder an ökologischen Baulösungen interessiert, darüber hinaus gebe es in London eine internationale Architekturszene.

Mit einem Londoner Architektenbüro hat die Wiehag das Dachtragwerk des Londoner Bahnhofs Canary Wharf entwickelt. Eine tonnenförmige, netzartige Holzkonstruktion aus sichtbaren, geraden Brettschichtholzelementen überspannt die auf einem massiven Unterbau gelegene oberste Ebene der Crossrail-Station in den Docklands. Auch am Bau einer Schwimmhalle, einer Universität und mehreren Tesco-Supermärkten war das Holzbauunternehmen beteiligt.

Die Wiehag ist seit 15 Jahren in Großbritannien tätig. In Österreich reicht die Geschichte ins Jahr 1859 zurück, als Firmengründer Josef Wiesner sich als Zimmermeister in das Zunftbuch in Altheim eintragen ließ. Der Büromöbelhersteller Wiesner-Hager hat dieselben Wurzeln. Die Söhne Rudolf Wiesner und Sebastian Hager legten 1921 den Grundstein für den zweiten Unternehmenszweig. In den internationalen Architekturbau stieg die Wiehag erst in den vergangenen Jahren ein.

Wiesner erwartet durch den Brexit keinen Einbruch des Auftragsvolumens, es sei auch bisher nicht gesunken. So habe etwa die Eton School kürzlich eine Turnhalle angefragt. "Wir werden das auch demnächst abschließen, da spielt der Brexit überhaupt keine Rolle."

Im Geschäftsjahr 2018/19 schrieb der Wiehag-Konzern einen Umsatz von 82,8 Mio. Euro, unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 2,4 Mio. Euro. (apa/red)

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