Verkehr

Brennerbasistunnel: Günther Platter fordert von Deutschland "Taten"

Die jetzt von der Deutschen Bahn getätigten Ankündigungen "hätten bereits vor Jahren passieren müssen", meint der Tiroler Landeschef. Auf der österreichischen Seite haben die ÖBB ein "geologisches Erkundungsprogramm" gestartet.

Die Deutsche Bahn will voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte erste Vorschläge zum Verlauf der beiden neuen Bahntrassen für den Nordzulauf zum Brennerbasistunnel (BBT) vorstellen. "Wenn wir erste Ideen für mögliche Trassenverläufe vorstellen, wird noch vieles sehr vage sein", sagte der Projektleiter der Bahn, Torsten Gruber, in Rosenheim. "Aber wir können erkennen, welche Räume auf keinen Fall infrage kommen. Und damit sind schon einen großen Schritt weiter." Der Dialog mit der Bevölkerung werde auch dann fortgesetzt. "Alles, was wir in den Gemeindeforen erarbeiten, findet Einzug in die Trassenauswahl", versprach Gruber.

Neue Bahntrassen im Inntal nötig

Im Jahr 2020 soll laut Bahn die Auswahl der Trassen abgeschlossen sein. Danach können Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren beginnen, die aber möglicherweise Gerichtsverfahren überstehen müssten. Ein Termin für einen Baubeginn bleibt somit weiter offen.

Der Brennerbasistunnel - der längste Eisenbahntunnel der Welt - soll frühestens 2026 eröffnet werden, um die Brennerautobahn von dem weiter wachsenden Schwerlastverkehr zu entlasten. Wenn mehr Güter auf die Schiene kommen, reichen zwei Gleise im oberbayerischen Inntal für den Zulauf nicht aus. Doch die Anrainer im Inntal wehren sich gegen den Ausbau - sie fürchten noch mehr Belastung durch den Schienenverkehr. Deshalb wurde ein Dialogprozess gestartet.

Anrainer wollen nicht noch mehr Verkehr

In der ersten Jahreshälfte sollen die Planungsgrundlagen aktualisiert werden. Technisch anspruchsvolle wie auch besonders schützenswerte Bereiche - etwa Siedlungsgebiete und Naturräume - sollen dabei identifiziert werden. Die Grundlagen würden durch Stellungnahmen von Gemeinden und Foren ergänzt. Es entstehe eine Landkarte zu den planerischen Herausforderungen. Danach wollen die Planer die ersten Trassen entwerfen. Sämtliche Planungsschritte sollen transparent sein und in den Gemeindeforen thematisiert werden, unterstrich die Bahn.

ÖBB: Auf österreichischer Seite "geologisches Erkundungsprogramm" gestartet

Im Jänner hatten bereits Erkundungsbohrungen im Inntal begonnen. An 30 Stellen sollen auf deutscher und österreichischer Seite aus bis zu 400 Metern tiefe Bohrkerne aus dem Untergrund geholt werden. Die Deutsche Bahn und die Österreichische Bundesbahn wollen damit geophysikalische Erkenntnisse gewinnen, wie etwa der Untergrund im Inntal beschaffen ist oder wo Grundwasserströme fließen. Auch das sind Vorbereitungen für die Strecke, auf der Züge ein Tempo von bis zu 230 Stundenkilometer erreichen sollen.
Auf österreichischer Seite wurde im Jänner ein umfangreiches geologisches Erkundungsprogramm gestartet.

Tiroler Landeschef fordert "Taten" von Deutschland

Nach der Ankündigung der Deutschen Bahn (DB), weiter an den nördlichen Zulaufstrecken für den Brennerbasistunnel (BBT) planen zu wollen, hat Tirols LH Günther Platter (ÖVP) "Taten in Deutschland" gefordert. "Die Ankündigungen der Deutschen Bahn hätten bereits vor vielen Jahren passieren müssen", kritisiert der Tiroler Landeschef.

Aber es sei ein Lichtblick, dass nun endlich an einer neuen Trassierung gearbeitet werde, fügte Platter hinzu. Seit Jahren habe man von deutscher Seite jedoch verabsäumt, mit der Errichtung der nördlichen Zulaufstrecke an einem "tatsächlich modernen und zukunftsweisenden Konzept zur Verlagerung des Lkw-Verkehrs zu arbeiten", meinte der Landeshauptmann.

Platter: Lkw-Blockabfertigungen notwendig

Platter betonte zugleich jedoch erneut die Notwendigkeit von Lkw-Blockabfertigungen bei Kufstein, "bis eine effektive Infrastruktur auch auf deutscher Seite zur Verlagerung des Lkw-Verkehrs auf die Schiene vorliegt". Parallel zu den Planungen für die Zulaufstrecken müsse sich die bayrische Landespolitik aber auch um Lösungen bemühen, um den "massiven Transitansturm" einzudämmen, forderte Platter.

Dazu gehöre eine Kostenwahrheit zwischen Straße und Schiene, also die Erhöhung der Mauttarife auf der Autobahn und gleichzeitig ein verbessertes Angebot für die Rollende Landstraße. "Ich erwarte mir konkrete Lösungsvorschläge und keine weitere Kritik an unseren Maßnahmen zur Reduktion des Transits", so Platter. (dpa/APA/red)

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