VW-Skandal

Bosch: Umschalteinrichtungen bei Motorsteuerung "absolut notwendig"

Der Autozulieferer wächst trotz des VW-Dieselskandals, ist aber selbst von Ermittlungen betroffen. In Motoren seien Umschalteinrichtungen (Defeat Devices) "nicht nur zulässig, sondern absolut notwendig", so Konzernchef Denner. Er widerspricht auch Meldungen, man habe Fiat "verpfiffen".

Die Schatten des VW-Dieselskandals lasten nun auch finanziell auf dem Autozulieferer Bosch. Wegen der Untersuchungen zur Software-Manipulation in Dieselmotoren seien Rückstellungen für rechtliche Risiken gebildet worden, sagte Bosch-Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer in Renningen. "Von diesen Untersuchungen sind wir als Zulieferer betroffen."

Insgesamt wurden den Angaben zufolge 650 Mio. Euro zurückgestellt, davon aber auch ein Teil wegen separater Kartellrechtsverfahren. Da es sich um rechtlich sensible Daten handle, werde die genaue Höhe für die Diesel-Rückstellungen nicht bekanntgegeben, so Asenkerschbaumer.

Bosch hat die Software geliefert

Bosch hatte Software an Volkswagen geliefert, mit deren Hilfe der Autobauer Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen manipuliert hatte. Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt deswegen seit Ende 2015 wegen des Verdachts auf Beihilfe zum Betrug. Bosch-Konzernchef Volkmar Denner verwies auf interne Überprüfungen, die seit Monaten "mit Hochdruck" liefen. "Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, um die Vorgänge vollständig aufzuklären", so der Konzernchef.

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Denner widersprach zudem dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), Bosch habe zu keinem Zeitpunkt den Behörden mitgeteilt, dass der italienische Autobauer eine unzulässige Abschalteinrichtung eingesetzt habe. Bei einigen Fiat-Modellen besteht laut Dobrindt der Verdacht, dass die Maßnahmen zur Emissionsminderung nach einer bestimmten Zeit automatisch heruntergeregelt werden.

Konzernchef Denner: "Umschalteinrichtungen absolut notwendig"

Grundsätzlich seien Umschalteinrichtungen für die Motorsteuerung "nicht nur zulässig, die sind absolut notwendig", sagte Denner. "Ob so ein Umschalten jetzt in unzulässiger Weise als Abschalteinrichtung eingesetzt wird, kann Bosch im Einzelfall gar nicht vollumfänglich bewerten, das kann nur der Fahrzeughersteller."

Für 2015 stellte das Unternehmen positive Zahlen vor: Demnach konnte der Konzern seinen Umsatz um 10 Prozent auf 70,6 Milliarden Euro steigern. Hauptgrund war allerdings der schwache Euro, der die heimische Produktion für den Weltmarkt lukrativer macht - ohne diesen Währungseffekt waren es den Angaben zufolge 3,8 Prozent mehr. Für 2016 peilt Bosch ein Umsatzplus von drei bis fünf Prozent an.

Im ersten Quartal steigerte das Unternehmen die Erlöse währungsbereinigt um knapp drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Der operative Gewinn (EBIT) stieg 2015 den Angaben zufolge um knapp ein Viertel auf 4,6 Mrd. Euro. Positiv war zudem, dass Bosch profitabler gewirtschaftet hat - die Rendite, also das Ebit im Vergleich zum Gesamtumsatz, stieg von 5,8 auf 6,5 Prozent.  (APA/dpa/red)

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