Chemische Industrie

Borealis: "Wir sind bei Weitem die rentabelste Firma im Land"

Nach einem Nettogewinn von 1,1 Milliarde Euro im Vorjahr will der in Wien ansässige Chemiekonzern Borealis auch heuer einen Milliardengewinn einstreichen. Etwa die Hälfte davon kommt aus dem Gemeinschaftsprojekt Borouge.

Der Chemiekonzern Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält, hat im Geschäftsjahr 2017 knapp 1,1 Mrd. Euro Nettogewinn gemacht und damit ähnlich gut verdient wie im Vorjahr.

Auch für heuer erwartet Borealis-Chef Mark Garrett einen Gewinn auf diesem Niveau. Die Dividende könnte ebenfalls in ähnlicher Höhe ausfallen wie im Vorjahr, sagte Garrett im Gespräch mit der APA.

Mit 1,095 Mrd. Euro fiel der Jahresüberschuss 2017 nur geringfügig geringer aus als der Rekordgewinn von 1,107 Mrd. Euro im Jahr davor.

"In den letzten elf Jahren haben wir im Durchschnitt mehr als 600 Millionen pro Jahr Gewinn gehabt und in den letzten drei Jahren mehr als eine Milliarde", sagte Garrett. Anders als viele andere Unternehmen in Österreich sei man in dieser Zeit nie in der Verlustzone gewesen, "wir sind bei Weitem die rentabelste Firma im Land".

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Höchste Dividende der heimischen Industrie

Im vergangenen Jahr hat Borealis 750 Mio. Euro an Dividenden ausgeschüttet. "Das ist bei weitem die höchste Dividende in der österreichischen Industriegeschichte gewesen", so Garrett. "Wir haben letztes Jahr keine Großprojekte gehabt, wir haben keine Akquisitionen gefunden - dann ist es mir lieber, das Geld an die Eigentümer zurückzugeben als selber etwas Dummes damit zu machen."

Bei Akquisitionen müsse man sehr vorsichtig sein, sagte der CEO. "Bekanntlich enden zwei Drittel im Desaster, nur ein Drittel ist erfolgreich. Organisches Wachstum ist viel besser." Borealis habe sich in den letzten elf Jahren auf organisches Wachstum fokussiert und nur ein paar kleinere Akquisitionen gemacht. Das wollte man auch künftig so halten. "Wenn wir nichts Gutes finden um unser Geld zu investieren, dann müssen wir es an unsere Shareholders zurückgeben."

Üppige Petrodollars von Borouge

Einen bedeutenden Gewinnbeitrag hat wieder Borouge geliefert, das Joint Venture von Borealis mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) in den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Der Gewinnbeitrag von Borouge beträgt etwa 45 bis 50 Prozent des Gesamtgewinns", erklärte Finanzvorstand Mark Tonkens. In Jahren, in denen das Geschäft in Europa schlechter laufe, könne der Borouge-Anteil sogar 60 oder 65 Prozent ausmachen.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die vierte Ausbaustufe von Borouge. "Borouge 4 ist in der Study Phase", sagte Garrett. Man sei kurz davor, in die Phase des detaillierten Engineerings einzutreten. Diese beiden Phasen würden jeweils neun Monate dauern. "Danach kommt die final investment decision und dann die vierjährige Bauphase." Man sei derzeit noch dabei, die Gesamtkosten des Projekts zu berechnen - "es könnte in Richtung 9 Milliarden gehen", sagte Garrett.

Neue Anlage in Houston in Texas

Ein weiteres großes Wachstumsprojekt sei eine neue Anlage in Houston (Texas), die man gemeinsam mit dem französischen Energiekonzern Total errichtet. "Letztes Jahr haben wir dafür schon etwa 100 Millionen ausgegeben, aber die größeren Ausgaben stehen vor uns", sagte Garrett. "Wir hoffen, dass wir diese Anlage 2021 in Betrieb nehmen können."

2017 hat Borealis vor allem in Turnarounds investiert, also große Instandhaltungsarbeiten, die für die betroffenen Anlagen Produktionsstopps von jeweils sechs bis acht Wochen bedeutet haben. "In zwei Anlagen haben wir mehr als 100 Millionen investiert", sagte Tonkens.

Diese Investitionen sollten sich heuer durch eine höhere Düngemittelproduktion bezahlt machen, wodurch man einen erwarteten leichten Rückgang im derzeit sehr guten Polymer-Geschäft zumindest teilweise kompensieren will. "Letztes Jahr haben wir uns, ehrlich gesagt, selber in den Fuß geschossen, weil wir es nicht geschafft haben, die Anlagen bis zum Turnaround in Betrieb zu halten", räumte Garrett ein.

Weitere Zahlen im Einzelnen

2017 hat Borealis den Umsatz um 4,8 Prozent auf 7,56 Mrd. Euro gesteigert. Der Gesamtumsatz - also die Umsatzerlöse der Borealis und die anteiligen Umsätze der nach Equity-Methode bilanzierten Gesellschaften - stieg von 8,768 Mrd. auf 9,069 Mrd. Euro. Der Nettogewinn im vierten Quartal erhöhte sich im Jahresabstand von 239 auf 247 Mio. Euro.

Die Nettoverschuldung stieg um 140 Mio. Euro, die Verschuldungsquote (Gearing) hat sich von 10 auf 12 Prozent erhöht.

Eckdaten zum Unternehmen

Borealis beschäftigt weltweit 6.500 Menschen, dazu kommen rund 3.500 beim Joint Venture Borouge. In Österreich hat der Chemiekonzern knapp 2.000 Mitarbeiter, davon mehr als 400 in Schwechat, 1.400 in Linz und etwa 170 in Wien. (APA/red)

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