Kunststoffe

Borealis arbeitet schon am nächsten Milliardenprojekt

Der in Wien ansässige Kunststoffkonzern Borealis dürfte heuer seinen Rekordgewinn von über einer Milliarde Euro nicht wiederholen: Das Projekt "Borouge 4" wird noch komplexer und teurer als "Borouge 3".

Der Kunststoff-Konzern Borealis, an dem die OMV 36 Prozent hält, arbeitet nach der Fertigstellung des Megaprojekts Borouge 3 bereits an der nächsten Ausbaustufe Borouge 4. Die zusätzliche Produktionskapazität soll eine ähnliche Größe haben wie Borouge 3, aber das Projekt werde noch komplexer und wahrscheinlich auch teurer sein, sagte Borealis-Chef Mark Garrett zur APA.

Borouge ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Borealis mit der Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). Mit der Fertigstellung der Ausbaustufe Borouge 3 ist die Gesamtkapazität für die Kunststoff-Produktion (Polyolefine) um 2,5 Mio. auf 4,5 Mio. Tonnen gestiegen. "Mit den ersten Borouge-Projekten haben wir reine Ethan-Cracking-Kapazitäten gebaut", erklärte Garrett.

"Borouge 4 wird ein Mixed-Feed-Cracker und kann dann Ethan, Propan, Naphta und LPG (Butan, Anm.) cracken." Das erhöhe die Komplexität enorm, aber "dieser Cracker hat ein Riesen-Optimierungspotenzial, weil man kann zum Beispiel im europäischen Sommer Propan kaufen, wenn der Bedarf und entsprechend auch die Preise tief sind, und dann kann man dieses Propan im Winter cracken, wenn die Preise für Propan sonst hoch wären".

Der Investitionsbedarf für das Projekt stehe noch nicht fest, man werde ihn voraussichtlich gegen Ende des Jahres bekanntgeben, sagte Garrett. Kosten werde das Projekt im Vergleich zu Borouge 3 "mehr, würde ich sagen". Laut Medienberichten werden die Kosten auf 2,5 Mrd. Dollar (2,4 Mrd. Euro) geschätzt. Wenn die Aktionäre das Borouge-4-Projekt genehmigen, wäre es "das bei weitem anspruchsvollste und ehrgeizigste Petrochemieprojekt in der Geschichte von Borealis oder ADNOC".

Geplant ist auch die Errichtung einer weiteren Polypropylen-Anlage. Dieser Kunststoff wird häufig für Verpackungen verwendet. Wenn das Projekt wie geplant noch heuer freigegeben wird, könnte die neue Anlage ungefähr 2020 in Betrieb gehen. "Dieses Projekt wäre für viele Firmen ein Großprojekt", so Garrett, "aber die Dimension ist sicher unter einer Milliarde." Man werde dort rund 650.000 Tonnen Polypropylen pro Jahr herstellen.

Im dritten Quartal 2018 will Borealis auch die endgültige Investitionsentscheidung für eine Propan-Dehydrierungsanlage am belgischen Standort Kallo treffen, die im zweiten Halbjahr 2021 in Betrieb gehen könnte. Mit einer jährlichen Produktionskapazität von 740.000 Tonnen wäre die Anlage weltweit eine der größten dieser Art.

Im vergangenen Geschäftsjahr 2016 hat Borealis vom niedrigen Ölpreis profitiert und den Nettogewinn von 988 Mio. auf 1,1 Mrd. Euro gesteigert, obwohl der Umsatz um rund 6 Prozent auf 7,2 Mrd. Euro zurückgegangen ist. Zum Gewinnanstieg beigetragen hat auch die Fertigstellung von Borouge 3. Da gebe es jetzt zwar noch Optimierungspotenzial, aber wegen eines Großbrandes bei ADNOC im Jänner sei von Borouge heuer kein besseres Ergebnis zu erwarten, weil man in den nächsten zwölf Monate weniger Rohstoffe von dort bekommen würden.

Garrett rechnet für heuer daher nicht mit einer Wiederholung des Rekordergebnisses von 2016, zumal es heuer an fünf Standorten auch sogenannte Turnarounds geben werde, die mit Produktionsstillständen verbunden sind. "Ein Turnaround einer mittelgroßen Anlage verursacht zusätzliche Kosten von rund 30 Mio. Euro und dauert in der Regel 60 bis 70 Tage", sagte Finanzvorstand Mark Tonkens zur APA. "In dieser Zeit fallen natürlich auch die Produktionsmengen aus."

Wachsen will Borealis künftig auch im Bereich des Kunststoff-Recycling und hat deshalb die beiden deutschen Unternehmen mtm plastics GmbH und mtm compact GmbH übernommen. "Das ist nur der erste Schritt", erklärte Garrett. "Es sind kleine Unternehmen mit jeweils zwischen 20 und 30 Millionen Umsatz. Aber unser Ziel ist es, den gleichen Marktanteil im Recycling-Business in Europa zu haben, den wir im Virgin Business haben." Auf dem Weltmarkt sei Borealis gemeinsam mit verbundenen Unternehmen wie Borouge unter den ersten fünf.

Der Borealis-Konzern hat seine Zentrale in Wien und beschäftigt weltweit rund 6.500 Leute. Borealis und seine Beteiligung Borouge haben zusammen eine Produktionskapazität von 8 Mio. Tonnen Polyolefinen pro Jahr. (apa/red)

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