Bahnindustrie

Bombardier streicht tausende Stellen - Österreich "geringfügig betroffen"

Bombardier reagiert auf die jüngsten Rückgänge mit einem massiven Stellenabbau. Allein in der Zugsparte fallen 3.200 Stellen weg. Auswirkungen gibt es auch für den Standort in Wien Donaustadt.

Der kanadische Zug- und Flugzeugbauer Bombardier streicht in den nächsten zwei Jahren weltweit 7.000 Arbeitsplätze. Betroffen seien vor allem Kanada und Europa, wie der Konzern in Montreal angekündigt hat. 2016 werde ein Jahr des Übergangs, sagte Vorstandschef Alain Bellemare. Damit werde die Stellenzahl "an den Bedarf angepasst", hieß es zur Begründung.

Allein in der Sparte für Bahntechnologie sollen in den nächsten zwei Jahren 3.200 Arbeitsplätze weg, davon 1200 Leiharbeiter. Die Zugsparte ist mit zahlreichen Standorten in Deutschland und auch in Österreich präsent. Im Jahr 2014 hatte die Zugsparte Bombardier Transportation weltweit 39.700 Beschäftigte.

Wien-Donaustadt "geringfügigst betroffen"

Der Standort in Wien-Donaustadt sei vom weltweiten Abbau von Arbeitsplätzen "geringfügigst betroffen", heißt es bei Bombardier auf Anfrage von INDUSTRIEMAGAZIN.at. Aktuell sind in dem Werk 700 Mitarbeiter beschäftigt. "Die Details werden noch mit der Belegschaftsvertretung erörtert", so eine Sprecherin. Genaue Zahlen könnten demnach zur Stunde nicht genannt werden.

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Das Werk in Wien hat dabei eine besondere Stellung innerhalb des Konzerns. Wie es auf der Homepage des Unternehmens heißt, seien die 1823 gegründeten Lohnerwerke 1970 von Bombardier erworben worden und damit "zur Wiege der Schienenfahrzeugsparte des Unternehmens" geworden. In Wien befindet sich auch das Kompetenzzentrum für den Bereich Straßen- und Stadtbahnen, das Fahrzeuge für die ganze Welt entwickelt und fertigt.

Gegenüber INDUSTRIEMAGAZIN.at betonte das Unternehmen auch, dass der Großauftrag zum Bau von Straßenbahnen für die Wiener Linien, bei dem sich Bombardier gegen Siemens durchsetzen konnte, in keiner Weise gefährdet sei. Wie mehrfach berichtet produziert Bomardier Wien die neuen "Flexity"-Straßenbahnen für die Bundeshauptstadt. Die Garnituren sollen ab 2018 in Betrieb genommen werden.

Auch in Deutschland gibt es vorerst keine Angaben dazu, wie stark die einzelnen Standorte vom Stellenabbau betroffen sind, In Deutschland entwickelt und baut Bombardier in Hennigsdorf, Görlitz, Bautzen, Braunschweig, Kassel, Mannheim und Siegen Züge, Straßenbahnen und Lokomotiven.

Umsatz der Zugsparte geht weltweit zurück

Der Umsatz der Zugsparte schrumpfte nach Angaben vom Mittwoch im vergangenen Jahr von 9,6 Mrd. auf 8,3 Mrd. US-Dollar (7,4 Mrd. Euro). Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank leicht von 469 Mio. auf 465 Mio. Dollar. Der Konzern hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder Stellen gestrichen.

Für dieses Jahr prognostiziert der Siemens-Rivale aus Montreal einen Umsatz von 16,5 bis 17,5 Milliarden Dollar. 2015 waren es 18,2 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis (Ebit) soll sich dieses Jahr auf 200 bis 400 Millionen Dollar belaufen – vergleichsweise wenig für Unternehmen dieser Größenordnung.

Kampf gegen Chinesen wird härter

Im Dezember des Vorjahres hat der kanadische Hersteller mit einer starken Präsenz in Wien die Platzierung seiner Zugsparte an der Börse abgesagt - stattdessen ist eine kanadische Sparkasse eingestiegen.

Bombardier steht in harter Konkurrenz zu Siemens, Alstom und chinesischen Herstellern. Und China greift weiter am Markt für Züge an. Berichten zufolge sollen Chinesen auch für die Zugsparte von Bombardier geboten haben. Doch die Kanadier wollten ihre Zugsparte nicht in chinesische Hände geben. Wie aus Dokumenten hervorgeht, lehnte Bombardier im August 2015 eine bis zu acht Milliarden Dollar schwere Offerte ab.

Hoffnung in der Luftsparte

Hoffnung setzt das Management in die neuen Flugzeuge der C-Serie. Air Canada unterzeichnete eine Absichtserklärung zum Kauf von bis zu 75 Jets vom Typ CS300. Diese sind zu Listenpreisen rund 3,8 Mrd. Dollar wert. Sie sollen von 2019 an ausgeliefert werden.

Das neu entwickelte Flugzeug ist deutlich teurer und kommt viel später als ursprünglich geplant. Bombardier hatte deswegen in Kanada staatliche Hilfen in Anspruch nehmen müssen. Mit der C-Serie will das Unternehmen Boeing und Airbus im lukrativen, aber hart umkämpften Geschäft mit Flugzeugen ab 100 Sitzen Konkurrenz machen.

(red/dpa/reuters/apa)

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