Flugkommunikation

Börsengang von Frequentis: Aktie notiert leicht im Minus

Der Wiener Weltmarktführer für Flugkommunikation ist in Wien und Frankfurt an die Börse gegangen. Die Aktie notiert leicht im Minus. B&C ist mit einem größeren Anteil an Bord. Der Zugang zum Kapitalmarkt sichere finanzielle Unabhängigkeit, meint Mehrheitseigentümer Bardach.

Das Wiener Technologieunternehmen Frequentis - Spezialist für Flugkommunikation - ist in Wien und Frankfurt mit einem Dual-Listing an die Börse gegangen. Die Aktie notierte zu Mittag mit einem Minus von rund 1 Prozent bei 17,80 Euro. Die B&C Privatstiftung hatte im Vorfeld durch die Übernahme zusätzlicher Aktien den Börsengang von Frequentis unterstützt, weil es zu wenig Nachfrage gab.

Dazu:
Bericht: B&C Privatstiftung hat den Börsengang von Frequentis gerettet >>  
Börsengang von Frequentis diese Woche >>

In Wien läutete am Dienstagvormittag Frequentis-Mehrheitseigentümer Hannes Bardach gemeinsam mit dem Wiener Börse-Chef Christoph Boschan den Handelsstart ein. "Der direkte Zugang zum Kapitalmarkt sichert dem Unternehmen die finanzielle Unabhängigkeit und Flexibilität zum weiteren Ausbau der Adressierung des Milliardenmarktes, den es für Frequentis-Lösungen im sicherheitskritischen Bereich gibt", kommentierte Bardach den Börsengang.

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Platzierungspreis am unteren Ende der Preisspanne

Die erste Kursbildung an der Wiener Börse kam bei 18,10 Euro zustande, was einer Marktkapitalisierung von 238,9 Mio. Euro entspricht. Der Platzierungspreis wurde nach Ablauf der Bookbuilding-Phase zuvor mit 18 Euro je Aktie festgelegt. Er liegt damit am unteren Ende der Preisspanne, die 18 bis 21 Euro je Aktie betragen hatte. Mehrheitseigentümer bleibt die Familie Bardach, die bei voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption mit einem Anteil von rund 67 Prozent langfristiger Mehrheitsaktionär bleibt. B&C hält nach eigenen Angaben rund 10 Prozent an Frequentis. Der Streubesitz liegt bei rund 25 Prozent.

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Von links: Hannes Bardach, Frequentis AG-Aufsichtsratsvorsitzender und Mehrheitseigentümer, sowie Christoph Boschan, Chef der Wiener Börse, in den Räumlichkeiten der Wiener Börse anlässlich der Erstnotiz des Unternehmens an den Börsen Frankfurt und Wien.

Geschichte des Unternehmens

Hannes Bardach wurde im Jahr 1983 technischer Geschäftsführer von Frequentis und übernahm dann 1986 im Rahmen eines Management-buy-outs auch die Firmenanteile. Bardach machte aus der kleinen Firma ein weltweit tätiges Hightech-Unternehmen mit aktuell 1.850 Mitarbeitern, davon rund 1.000 am Firmensitz in Wien.

Mit einem Marktanteil von rund 30 Prozent ist Frequentis laut Eigenangaben Weltmarktführer bei Sprachkommunikationssystemen für die Flugsicherung. Frequentis bietet auch Software- und Hardwarelösungen für Leitzentralen von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Schifffahrt und Bahn an.

Dienste für Flüghäfen, Bahnbetreiber, Schifffahrt

Zu den Kunden gehören etwa die ÖBB und Austro Control. Der erste Flugsicherungsauftrag war 1955 für den Flughafen Wien-Schwechat erfolgt. In Deutschland versorgt Frequentis unter anderem auch die Deutsche Bundeswehr, die Deutsche Bahn und die deutsche Flugsicherung. Seit 2007 beliefern die Wiener auch die US-Raumfahrtbehörde NASA. 2010 folgte ein Auftrag der Küstenwache in Kanada.

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Der größte Börsengang bisher in Wien war die BAWAG im Herbst 2017 mit einem Emissionsvolumen von rund 1,93 Mrd. Euro (inkl. Greenshoe), gefolgt von der Strabag (2007: 1,3 Mrd. Euro), RBI (2005: 1,1 Mrd. Euro) und Telekom Austria (2000: 1 Mrd. Euro). (apa/red)

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