Pharmaindustrie

Boehringer erwägt Verkauf von US-Generikasparte

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim erwägt die Trennung von seiner US-Generikasparte Roxane Labs.

Pharmaindustrie Boehringer Ingelheim

Strategische Optionen würden geprüft, einen Verkauf eingeschlossen, sagte eine Firmen-Sprecherin am Donnerstag. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen. Einen Verkauf der Sparte könne Boehringer bis zu zwei Milliarden Euro einbringen, meldete die Agentur Bloomberg am Mittwochabend unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Der nach Bayer zweitgrößte deutsche Arzneimittelhersteller arbeite dabei mit der US-Großbank Morgan Stanley zusammen. Das Geldinstitut wollte sich nicht äußern.

Roxane Labs entwickelt, produziert und vermarktet mit 1300 Mitarbeitern Boehringers Nachahmerpräparate und stellt auch einige patentgeschützte Medikamente her. Boehringer sei kein Generika-Spezialist, sagte die Sprecherin. Es sei deshalb zu überlegen, ob Roxane Labs nicht bei einem Spezialisten besser aufgehoben wäre. Roxane Labs gilt in der Branche als relativ kleiner Spieler.

Die Deutschen seien möglicherweise an einem Tauschgeschäft mit Konkurrenten interessiert, um etwa ihre Geschäfte mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu stärken, berichtete Bloomberg. Patentabläufe bei wichtigen Arzneien machen dem Familienunternehmen aus Ingelheim bei Mainz zu schaffen, weshalb Boehringer auch auf Sparkurs ist und Stellen streicht.

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Wettbewerbsintensive Branche

Die wettbewerbsintensive Generika-Branche mit den großen Anbietern Teva, Sandoz und Actavis ist derzeit im Umbruch. Seit dem Höhepunkt im Jahre 2012 ist die Zahl der umsatzstarken Medikamente, deren Patente auslaufen, weltweit zurückgegangen. Inzwischen bewegt sich die Pharmabranche zudem immer stärker weg von klassischen Molekülen, die leicht von der Generikabranche zu kopieren sind. Stattdessen rücken komplexe biotechnologische Substanzen immer stärker in den Fokus. Nachahmer solcher Moleküle sind viel aufwendiger zu produzieren und auch die Anforderungen der Aufsichtsbehörden an solche Biogenerika sind größer. Deshalb haben es kleine Generikaanbieter, zu denen auch Roxane Labs zählt, zunehmend schwer, in der Branche mitzuhalten.

Nach Auskunft der Boehringer-Sprecherin entwickelt sich das Geschäft von Roxane Labs aber stark. Zudem habe das Unternehmen eine erfolgreiche Bilanz beim Erfüllen von Anforderungen der Aufsichhtsbehörden.

Boehringer setzt mit dem Schritt den Umbau des US-Geschäfts fort. Erst im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen Teil seiner US-Aktivitäten verkauft. Die Tochter Bedford Laboratories, die zu spritzende Generika produziert, ging für bis zu 300 Millionen Dollar an den Arzneimittelhersteller Hikma Pharmaceuticals. Boehringer hatte zuvor mit Qualitätsproblemen zu kämpfen, was die US-Gesundheitsbehörde FDA auf den Plan rief. (Reuters)

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