Autoindustrie

BMW Österreich: Rekord beim Marktanteil trotz Rückgängen

BMW Austria verzeichnet für das Krisenjahr einen Gesamtumsatz von 5,8 Milliarden Euro und zählt damit zu den umsatzstärksten Unternehmen des Landes. Trotz deutlicher Rückgänge der Produktion im großen Werk in Steyr blieb die Mitarbeiterzahl nahezu gleich. Aktuell investiert BMW Austria viel in Elektroautos - erwartet aber auch in anderen Segmenten eine gute Auslastung.

V.l. Alexander Susanek, Geschäftsführer des BMW-Werks in Steyr sowie Christian Morawa, Chef von BMW Austria.

BMW Österreich hat im Vorjahr die Coronakrise deutlich zu spüren bekommen. Der Umsatz der Gruppe ist hierzulande um 16 Prozent auf 5,83 Milliarden Euro zurückgegangen. Die Zahl der Neuzulassungen am heimischen Automarkt verringerte sich um 18 Prozent auf 18.381 Stück. Auch die Produktion am großen Standort Steyr ist gesunken: Die Anzahl der produzierten Motoren im oberösterreichischen Werk reduzierte sich um knapp ein Fünftel. Trotzdem habe BMW Österreich auch im herausfordernden Pandemiejahr 2020 zu den umsatzstärksten Unternehmen des Landes gezält, so Alexander Susanek, Geschäftsführer des Werkes in Steyr sowie Christian Morawa, Chef von BMW Austria.

Alexander Susanek: "Es war weniger hart als erwartet"

"Die Coronakrise hat uns massiv getroffen, aber doch weniger hart als erwartet. Wir waren zum Jahresende gut ausgelastet", so Alexander Susanek, Geschäftsführer des Werkes in Steyr, vor Journalisten. Zu Beginn des Pandemieausbruchs im Frühjahr wurde die Produktion für fünf Wochen heruntergefahren und Kurzarbeit genutzt, mit Ende Juni war diese vorbei. Die Zahl der produzierten Motoren am Standort Steyr ist im Vorjahr von 1,2 Millionen Stück im Jahr zuvor auf rund eine Million gesunken. Die Mitarbeiterzahl von 5.200 habe nahezu gehalten werden können. 4.400 Menschen beschäftigt BMW in Steyr.

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Doch BMW hat beim Rückblick auf das Krisenjahr auch positive Nachrichten. So belegen die Marken des Herstellers den vierten Platz bei den Neuzulassungen des Jahres in 2020. Der Marktanteil von BMW am heimischen Automarkt ist von 6,8 auf den Rekordwert von 7,4 Prozent gestiegen. "Der erste Platz unter den Premiumherstellern der Autoindustrie konnte auch 2020 souverän behauptet werden", betont das Unternehmen. Zum ersten Mal errreichte BMW und seine Marken den vierten Platz bei den Neuwagenzulassungen in Österreich.

Erstmals vierter Platz bei Neuzulassungen hierzulande

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Motorenmontage in Steyr.

Neben der Nachfrage nach Autos und Motorrädern der Marke BMW sowie Fahrzeugen der Marke Mini seien auch Elektroautos sowie Hybride ein Treiber, so Christian Morawa, Chef von BMW Austria. Bei Elektroautos und Hybriden habe es im Vorjahr ein 70 Prozent gegeben. Rund 3.200 Elektroautos und Plug-in-Hybride habe BMW im Vorjahr in Österreich verkauft, wobei viele der Plug-in-Hybride aus dem Werk in Steyr vom Band rollen würden, hieß es.

"Weiterhin besitzen rund die Hälfte aller weltweit neu verkauften BMW- und Mini-Fahrzeuge mit einem Diesel- oder Benzinmotor ein 'Herz' aus Österreich", betonte Susanek weiter. Für heuer geht der Werkschef von einer guten Auslastung aus.

"Steyr entwickelt sich auch in Richtung Elektromobilität"

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Im Bild die Fertigungslinie für Antriebsgehäuse von Elektroautos in Steyr.

"Das Werk in Steyr ist das weltweit größte Motorenwerk der BMW Gruppe. Es ist aber auch eines der Antriebs-Kompetenzzentren im globalen Produktionsnetzwerk von BMW", so Susanek. Aktuell entwickle sich die Produktion in Steyr immer weiter in Richtung Elektromobilität. "Wir haben die Transformation angestoßen und kräftig investiert", betonte Susanek mit Verweis auf die Produktion für Gehäuse von Elektromotoren am Standort.

Susanek weiter: "Die Automobilbranche befindet sich mitten in einem Wandel. Es bedarf einer Effizienzsteigerung bei klassischen Antrieben und eines nachhaltigen Ausbaus der Elektromobilität. Dafür sind wir am Standort Steyr gut aufgestellt. Beides ist notwendig, denn letztlich entscheidet der Kunde, mit welchem Antrieb er unterwegs sein möchte."

Christian Morawa: "Bestellungen über eine Milliarde Euro pro Jahr bei heimischen Zulieferern"

Auch nach den Worten von Morawa ist der Autobauer mit einem blauen Auge durch die Coronakrise gekommen. Besonders erfreulich habe sich der Motorradsektor mit einem Zulassungsplus von 1,9 Prozent entwickelt. Beim Pkw-Verkauf liege der Anteil der Firmenkunden bei mittlerweile 60 Prozent, wobei auch der Mini hier zugelegt habe. Der BMW X1 sei markenübergreifend das meistverkaufte Premiumfahrzeug hierzulande, 30 Prozent alle Pkw-Neuzulassungen mit Plug-In-Hybrid-Motor seien 2020 auf BMW entfallen.

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Der Sektor "BMW Financial Services" erreichte 2020 einen neuen Rekordwert beim Finanzierungsanteil. "Knapp die Hälfte aller Neukunden von BMW, Mini und BMW Motorrad entschieden sich für eine Finanzierung aus dem Hause", so Morawa bei der Jahrespressekonferenz. Der kombinierte Umsatz der Leasing GmbH und der Bank GmbH stieg demnach um 16 Prozent auf den neuen Spitzenwert von 354 Mio. Euro.

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Ein Luftbild des BMW-Werks in Steyr.

Morawa betonte auch die wirtschaftliche Bedeutung der BMW Group für Österreich, die eine der größten Unternehmen des Landes ist und von Salzburg aus auch zwölf südosteuropäische Länder mitbetreut. BMW habe im Vorjahr 367 Mio. Euro in den Standort Österreich investiert. "Im vergangenen Jahr betrug das Einkaufsvolumen der BMW Group bei österreichischen Lieferanten über eine Milliarde Euro, exportiert wurden Güter im Wert von mehr als vier Milliarden Euro, rechnete Morawa vor. In Steyr steht das größte Motorenwerk von BMW weltweit, seit 2003 werden diverse BMW-Modelle bei Magna Steyr in Graz komplettgefertigt.

(pm mit apa)

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