Paket- und Expressdienstleister

Blog: Der große Paketdienste-Test

Für die Juni-Nummer von INDUSTRIEMAGAZIN testete die Redaktion neun Paket- und Expressdienstleister. Die skurrilsten Erlebnisse unserer Kollegen beim Versenden der 114 Pakete lesen Sie hier.

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Neun Paketdienste, 114 Pakete, sechs Adressen quer durch Europa: Der Blog zum großen KEP-Dienstleistertest von INDUSTRIEMAGAZIN

Dienstag, 4. Mai, 14.00 Uhr

Ein guter Tag beginnt mit einer Paketdienst-Lieferung. Und zwar jener von 150 Pappkartons und (biologisch abbaubaren) Flocken, die in den kommenden Wochen quer durch Österreich, Deutschland und die Slowakei reisen sollen. Jetzt müssen nur noch 114 Kinderüberraschungseier gekauft werden. Denn das gelieferte Gut soll (bei extrem schlechter Behandlung) zerbrechlich sein - und als kleines Dankeschön für unsere Testpersonen dienen, auf die in den nächsten Tagen einiges an Arbeit zukommen wird. Denn unsere Testpersonen müssen 19 Pakete in Empfang nehmen - und Protokollieren, wann und in welchem Zustand die kleinen Schätze angekommen sind.

MIttwoch, 5. Mai, 9.00 Uhr

Die Knochenarbeit beginnt: 114 Kartons müssen gefaltet, befüllt, etikettiert und für die jeweiligen Versendetage und Versender sortiert werden. Tatkräftige und hochmotivierte Unterstützung erhalten wir dabei von Jonathan Damm, der - schöner Zufall - gerade ein Schülerpraktium im Verlag absolviert. Erste Lektion, die wir gelernt haben: In 114 Pakete gehen weitaus weniger Flocken als gedacht. Auf zwei Drittel des Inhalts des riesigen Sackes bleiben wir sitzen. Wenn Sie also Bedarf haben ...

Freitag, 6. Mai, 9.00 Uhr

Eines vorweg: Alles, was wir heute früh übers Paketeversenden zu wissen glaubten, war falsch. Dass wir den ersten Schwung unserer Päckchen - 48 Stück - an einem Vormittag versenden können, wird Illusion bleiben. Das stellen wir fest, als wir uns ans Vorfrankieren machen. Einige Anbieter, wie DHL, DPD oder Hermes, verlangen das, doch für größere Sendungen - zumal an verschiedene Adressen - sind die Websites nicht gemacht. Andere Anbieter, wie die Post oder GLS, bieten Vor-Ort-Frankierservice. Noch ahnen wir nicht, was das bedeutet.

Montag, 9. Mai, 7.30 Uhr

Los geht's. In mehreren Wellen strömen wir aus, um unsere Pakete an die Frau und an den Mann zu bringen. Erste Überraschung: Die Post-Frankierautomaten sind zwar nicht ganz massensendungstauglich, aber mit Bankomatkarte einfach und intuitiv bedienbar.

Montag, 9. Mai 10.30 Uhr

Der Hermes-Paketshop befindet sich in "Atzler Elektrowaren": Einer der wenigen kleinteiligen Elektro-Händler, die überlebt haben. Das Besitzerpaar ist auffallend entgegenkommend und wird auch angesichts eines Fehlers in den Papieren (den wir zu verantworten haben) nicht ungeduldig.

Montag, 9. Mai 11 Uhr

Endlich, auch unser GLS-Paketshop hat, wie es die Homepage verrät, geöffnet. Wir stehen vor "Pars Video und Pars Financials" und stellen fest: Der Laden wäre schon ab 9 geöffnet gewesen. Die Aufgabestelle selbst erinnert den Irantouristen an seinen Besuch in Persien. Freundlich, bemüht, leider extrem umständlich - und nicht sehr technologieaffin. Der (gebrochen Englisch sprechende) Bearbeiter gibt Australia ein, weil ihm - sie ahnen es! - "Österreich" kein Begriff ist. Erst beim Rechnung erstellen bemerken wir den Fehler. Also alles retour. Dann nochmals eine Überraschung: Der Mitarbeiter muss die zu zahlenden 44 Euro von den gegebenen 50 Euro mit dem Taschenrechner subtrahieren. Unser Fazit: 6 Pakete, 55 Minuten Bearbeitungszeit. Isfahan wurde auch nicht an einem Tag erbaut.

Montag, 9. Mai, 13 Uhr

Jetzt bekommen die Expressdienstleister ihre Chance. Deren Versprechen: Pakete abholen - und österreichweit bis zum nächsten Morgen, europaweit bis zum nächsten Abend ausliefern. Unser erster Eindruck: Die Preise - für Nicht-Geschäftskunden - schwanken enorm. Zwischen rund 30 Euro und 150 Euro kostet ein Paket nach Deutschland. Ob die Qualität ebenso schwankt?

Montag, 9. Mai, 14 Uhr

Die telefonisch avisierten Expressdienstleister machen uns die Arbeit einfach - zumindest denken wir das: Kostenabfrage per Telefon, kurzes Mail mit den Adressen an den Anbieter und Terminvereinbarung. Bei Go! Express stimmt das auch. Ein verlockendes (rabattiertes) Angebot schon am Telefon, ein kurzer Mailkontakt - und der Abholer, immerhin der erste, der bei uns im Zeitfenster 13 bis 16 Uhr ankommt, hat die Frachtbriefe mit und verlässt gegen 15 Uhr das Haus.
Weniger optimal läuft der Kontakt mit UPS, immerhin der weltweit größte Expressdienstleister, dessen Flugzeuge uns schon auf Flughäfen beeindruckten. Telefonisch wurden die Adressen zwar angenommen, doch der UPS-Fahrer kommt zuerst ganz ohne Frachtbriefe, kommt nach 20 Minuten mit 6 Blankofrachtbriefen und weiteren 30 Minuten nochmals, um die Pakete abzuholen. Kommunikation mit der Zentrale per Boten-Handy zwischenzeitlich inklusive. Die reichlich komplizierten Frachtbriefe haben wir in der halben Stunde dazwischen ausgefüllt.
Perfekt wiederum der Kontakt mit TNT Express: Die Übertragung der Daten per formloser E-Mail reicht tatsächlich aus, um nach kurzer Zeit fehlerfrei ausgefüllte Frachtbriefe als pdf in der Inbox landen zu lassen. Nachdem wir vergessen hatten, das Gewicht der Sendungen anzugeben, erhielten wir sofort einen freundlichen Rückruf mit der Bitte, die Information telefonisch zu ergänzen.

Dienstag, 10. Mai, vor 9 Uhr

Das erste Paket ist angekommen. Go Express, oder genauer General Overnight, nomen est omen, hat das erste Paket (Abholung in 1070 um 15.00) in der Früh im Inland ausgeliefert.

Dienstag, 10. Mai, 9.15

Wir bringen die Hermes-Pakete zu "Handywest", einem der zahlreichen kleinen Handy-Shops in Wien. Der Besitzer, ein junger Perser, der auf diese Bezeichnung spürbar Wert legt, zeigt orientalische Gelassenheit at its best: Als ein alkoholisierter und offenbar psychisch labiler Besucher uns unangenehm nahe kommt und angesichts eines als Polizist zu erkennenden Kunden aggressiv wird, kalmiert der Shop-Betreiber die Situation in allerbester Streetworker-Manier. Und erledigt gewissermaßen nebenbei die Abwicklung der Hermes-Päckchen. Beeindruckend.

Dienstag, 10. Mai, 9.30

Es ist kein Sonnenschein, der uns in der Apotheke zur Sonne erwartet, als wir unsere 6 DHL-Pakete dort abgeben wollen. Wir waren schon im Vorfeld ratlos: Warum übernimmt eine Apotheke mitten im Wiener Bobo-Viertel Neubau das Groschengeschäft eines Paketdienstleisters? Die Tatsache, dass wir die online vorfrankierten Formulare noch nicht auf die Pakete geklebt haben, trägt uns eine Rüge der Frau Magister ein, die eigentlich auch Besseres zu tun hätte, als unsere Überraschungseier in die Tiroler Provinz zu expedieren.

Dienstag, 10. Mai, 9.45
Training lohnt sich: Nach dem Erstversuch vom Vortag erledigen wir Bezahlen, Frankieren und Versenden am Automaten der Post AG innerhalb weniger Minuten.

Dienstag, 10. Mai, Mittag

Die ersten Auslandspakete sind da: Alle drei Expressdienstleister (UPS, TNT, Go Express) haben ihre Pakete unbeschädigt im niederbayrischen Pfarrirchen abgeliefert. Weil niemand zugegen war - jedoch eine Tafel für den Paketdienstleister, wo das Paket sicher (und versteckt) abzugeben ist, werden die ersten zwei Pakete im Garten versteckt. Der zweite Paketdienstleister denkt mit - und entfernt den gut und von weiten sichtbaren Hinweis. Daraufhin gibt der dritte Paketdienstleister das Paket beim Nachbar ab.

Mittwoch, 11. Mai, 09.20

Im Fitnesscenter erfahren wir zunächst, dass die unsere DPD-Pakete hier nicht angenommen werden können ("nur Retouren"). Als wir den jungen Mann vom Gegenteil überzeugt haben, kramt er eine laminierte Piktogramm-Anleitung unter der Budel hervor. Dann geht es Schritt für Schritt - Gesamtdauer: um die 15 Minuten.

Mittwoch, 11. Mai, 10.30

Keine Verbindung: Der Handyshop in der Neubaugasse ist auch 10 Minuten nach offizieller Öffnungszeit dunkel und menschenleer. Die DHL-Pakete wandern also auch heute zur Trafik in der Apollogasse. Schnell, freundlich, kompetent: Nach ungefähr einer Minute sind 6 Pakete bearbeitet und die Bestätigungs-Mail versandt.

Mittwoch, 11. Mai, 10.30
"Pars Net", der GLS-Dienstleister auf der Lerchenfelderstraße, dem wir heute unser Vertrauen schenken, ist das glatte Gegenteil von "Pars Video und Pars Financials" am Montag. Obwohl - unser Fehler! - offiziell erst ab 11 Uhr geöffnet, sperrt uns der freundliche Unternehmer schon um 10.30 den Laden auf. Kompetent, effizient - und, angesichts der Tatsache, dass für GLS nicht im Vorfeld online frankiert werden muss - auch wirklich schnell. In nur 9 Minuten haben wir 6 Pakete abgewickelt. Eine Einladung zum Tee mussten wir abschlagen - der spannenden Unterhaltung über den Iran hätte der Tee letztlich gut getan. Unser Fazit: 30 Minuten im Shop - davon 21 Minuten freiwillig!

Hier geht's zu den Resultaten unseres Paketdienstleister-Tests.
 

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