Logistik

Blockchain: Günstig, dezentral, transparent und fälschungssicher - aber nichts für die Industrie?

Im Finanzwesen ist die Blockchain längst angekommen - auf ihr basieren rund 1.600 virtuelle Währungen. Die meisten Banken experimentieren bereits mit der Blockchain, im Anleihegeschäft, in der Handelsfinanzierung oder bei Devisentransaktionen. Die Industrie hinkt da hinterher.

Blockchain: Konzerne wie BMW, Ford und General Motors und Zulieferer wie Bosch und ZF haben sich in der Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) mit anderen Partnern zusammengetan, um weitere Einsatzmöglichkeiten auszuarbeiten.

Die Blockchain-Technologie kann nach Ansicht von Experten in Zukunft im Geschäftsleben so selbstverständlich werden wie die E-Mail. Eigentum oder Zugriffsrechte lassen sich in einer dezentralen, transparenten und fälschungssicheren Datenbank zuweisen. Während im Finanzwesen die Blockchain (auch Block Chain, englisch für Blockkette - eine  kontinuierlich erweiterbare Liste von Datensätzen, genannt „Blöcke“, welche mittels kryptographischer Verfahren miteinander verkettet sind) längst angekommen ist, hinkt die Industrie scheinbar hinterher. Dabei gibt es auch in der produzierenden Wirtschaft Leuchtturmprojekte, wie ein Blick auf die Automobilindustrie zeigt.

BMW testet zum Beispiel wie mittels Blockchain Lieferketten nachvollziehbar werden. Auch in der Software-Entwicklung fürs Fahrzeug werden Einsatzfelder untersucht. Weil immer mehr Leute mitarbeiten, soll transparent werden, wer was programmiert hat. Im Geschäft mit Kunden lassen sich über Blockchain Fahrzeugdaten oder Scheckheft-Informationen festhalten. Daimler will etwa durch Datenerfassung über eine Kennnummer für das Auto verhindern, dass der Kilometerstand manipuliert oder ein Unfall verheimlicht wird, was zu einem ungenauen Restwert führen würde. Auch Services wie Carsharing, Lieferungen in den Kofferraum, Freischalten von Sonderfunktionen oder das induktive Laden eines Elektroautos beim Stopp an der Ampel lassen sich per Blockchain abwickeln und abrechnen. Beim Leasing könnte das Auto so selbst überprüfen, ob die monatliche Rate bezahlt wurde - wenn nicht, wäre es nicht zu öffnen. Konzerne wie BMW, Ford und General Motors und Zulieferer wie Bosch und ZF haben sich in der Mobility Open Blockchain Initiative (MOBI) mit anderen Partnern zusammengetan, um weitere Einsatzmöglichkeiten auszuarbeiten.

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Im Bereich der Schiffahrtslogistik testen Reedereien  die Blockchain, um gedruckte Schifffahrtsdokumente zu ersetzen. Die Technologie hat den Vorteil, dass alle Teilnehmer den Status einer Warenlieferung aktuell und fälschungssicher einsehen können und Dokumente nicht mehr physisch oder digital ausgetauscht werden müssen. Dadurch können nach Meinung von Experten in der Fracht- und Logistikbranche hunderte Millionen Dollar eingespart werden. Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd hat dies in einem Konsortium zusammen mit anderen Unternehmen und der Beratungsgesellschaft Accenture erprobt. Die weltgrößte Reederei Maersk unterhält eine eigene Plattform gemeinsam mit dem IT-Dienstleister IBM. Einen größeren Nutzen hätte die "papierlose Schifffahrt" nach Meinung von Experten, wenn es einen gemeinsamen Standard gäbe. Der ist derzeit noch nicht in Sicht.

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Viele Energieunternehmen experimentieren mit Blockchain etwa bei Smart Home Technologien und Lade- und Abrechnungstransaktionen für E-Autos. Konkrete Geschäftsmodelle finden sich vorrangig im Großhandel mit Energierohstoffen. E.ON und die italienische Enel handelten beispielsweise im vergangenen Herbst zum ersten Mal Strom über einen Blockchain-Marktplatz. Ein Zusammenschluss namens Enerchain unter Initiative des Hamburger IT-Entwicklers Ponton strebt im Jahresverlauf an, dutzende europäische Energiehändler auf einem dezentralen Marktplatz zusammenzubringen. Es gibt auch viele Pilotversuche bei den Stadtwerken, die ihren Kunden neue Dienstleistungen anbieten wollen. Zu diesen sollen etwa Carsharing oder die Vermarktung von überschüssigem, zuhause erzeugtem Solarstrom gehören, der in Batterien zwischengespeichert wird.

Der weltgrößte deutsche Softwarekonzern SAP hat im Juni 2018 die Cloud Platform Blockchain auf den Markt gebracht, ein Blockchain-as-a-Service zur Neuentwicklung als auch Erweiterung von bestehenden Softwarelösungen. Zudem laufen Pilotprojekte, etwa zur Digitalisierung des Palettenmanagements zusammen mit Unternehmen aus Handel, Industrie, Logistik, IT und Wissenschaft sowie zur Authentifizierung von Medikamenten in der internationalen Lieferkette. Letzteres könnte dem Unternehmen zufolge bis Jahresende zu einem SAP-Produkt werden.

Der zweitgrößte deutsche Anbieter, die Software AG, arbeitet mit einem sogenannten Blockchain-Access-Layer. Dieser integriert Blockchain nahtlos mit vorhandener Technologie und stellt damit sicher, dass Blockchain-Anwendungen mit den vorhandenen Unternehmenssystemen zusammenarbeiten können. Dies wird insbesondere von der Logistikindustrie- und Fertigungsindustrie genutzt.

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