Alternative Energie

Biomasse-Kraftwerk Kufstein: Heftige Kritik vom Rechnungshof

Der Rechnungshof hat die geschäftliche Gebarung des Biomasse-Heizkraftwerks, das jeweils zu 50 Prozent im Eigentum der Tiwag und der Stadtwerke Kufstein ist, bemängelt. Anstelle der für die Jahre von 2003 bis 2011 erwarteten Ausschüttungen von rund 3,2 Mio. Euro seien die Gesellschafter genötigt gewesen, Verluste in der Höhe von 10,4 Mio. Euro zu übernehmen.

Ein Businessplan von Juni 2002 rechnete laut dem am Freitag veröffentlichten Rechnungshofbericht mit einem unbefristet geltenden Ökostromtarif. Bereits im August 2002 sei dessen Geltungsdauer jedoch auf zehn Jahre eingeschränkt worden. Aufgrund dieser geänderten Rahmenbedingungen wäre eine Neuberechnung des Businessplans angebracht gewesen, was jedoch nicht geschah, kritisierte der RH. Die Ansätze des Businessplans hätten sich als "nicht tragfähig" erwiesen. Im Jahr 2014 sei die Anlage schließlich neu ausgerichtet worden und erwirtschaftete seit 2015 Gewinne.

Die Bioenergie Kufstein verwies in ihrer Stellungnahme jedoch darauf, dass die Feststellung des Rechnungshof auf dem Wissenstand 2017 basiere. "Gemessen an den zum Entscheidungszeitpunkt 2002 verfügbaren Informationen und Daten sei der Businessplan jedoch valide gewesen", so die Bioenergie Kufstein. Aufgrund der Finanzkrise habe sich die Konjunktur weltweit abgeschwächt und zu einem "massiven Verfall der Strompreise" geführt. In Verbindung mit der "Energiewende" in Deutschland hätten sich die Strompreise in der Folge nachhaltig auf einem niedrigen Niveau eingependelt. Zudem hätten sich die Biomassepreise binnen weniger Jahre mehr als verdoppelt. Diese Entwicklungen seien zum Zeitpunkt der Entscheidung für die Errichtung nicht vorhersehbar gewesen.

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