Handelsstreit

Billigstahl: China könnte EU-Strafzölle einfach umgangen haben

China könnte Strafzölle der EU auf Billigstahl einfach mit Lieferungen über Drittstaaten umgangen haben. Jetzt prüft die EU 190 Lieferungen von beschichtetem Stahl, den China über Vietnam nach Europa verkauft hat.

Die EU-Antibetrugsbehörde Olaf untersucht, ob China europäische Zölle auf Billigstahl durch Lieferungen über Drittstaaten umgangen hat. Sie prüft mehrere Fälle, in denen durch solche Strategien die Herkunft des Werkstoffs verschleiert worden sein könnte.

Brisanter Streit mitten in der Diskussion um den Marktwirtschaftsstatus für China

Details nannte die Brüsseler Behörde zwar nicht. Doch laut der Internet-Seite des vietnamesischen Handelsministeriums handelt es sich um 190 Fälle aus den Jahren 2013 und 2014. Dabei soll beschichteter Stahl aus China via Vietnam nach Portugal, Spanien und Polen gelangt sein.

Insgesamt habe es sich um Geschäfte im Volumen von 19 Mio. Dollar (17,2 Mio. Euro) gehandelt. Laut Ministerium könnte die EU rückwirkend darauf Strafzölle in Höhe von 58 Prozent verlangen. Die EU-Behörde hat gegen eine Reihe von Stahlprodukten aus der Volksrepublik höhere Einfuhrgebühren verhängt, um die heimische Industrie vor Billigimporten zu schützen.

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Die Causa ist insbesondere vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion um den Marktwirtschaftsstatus (MES) interessant, auf dessen Vergabe noch während diesen Dezember China drängt. Falls es dazu kommt, hätte die EU weitaus weniger Möglichkeiten, sich vor Billigeinfuhren aus der Volksrepublik zu schützen. (red/reuters/apa)
 

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